Einstieg in die Weide – Erfahrungsbericht

Gerlinde und Markus Huber aus Ertl in Niederösterreich haben vor zwei Jahren mit der Kurzrasenweide begonnen. Agnes Scheucher sprach mit ihnen über ihre ersten Erfahrungen.

Ihr seid Wiedereinsteiger in die Weidehaltung. Wie können wir uns das vorstellen?
Wir hatten einen Anbindestall und die Kühe wurden täglich geweidet, das Jungvieh war im Sommer immer auf der Weide. Vor drei Jahren haben wir einen Laufstall gebaut, eigentlich wollten wir die Kühe dann nicht mehr weiden. Vor allem weil unsere gesamten Flächen südseitig und hanglagig sind, sodass bei Trockenheit die Weide knapp und bei Nässe die Grasnarbe aufgerissen wird. Wir wollten das ganze Jahr über Silage füttern, den Futterwechsel und den Arbeitsaufwand vermeiden. Aufgrund der Richtlinien haben wir dann aber vor zwei Jahren mit der Kurzrasenweide begonnen.

Wie setzt ihr euer Weidesystem um?
Für die 35 Kühe zäunen wir zwei Koppeln mit jeweils 2,8 ha ein und beweiden diese ungefähr ab Anfang April bis Ende Oktober. Die Koppeln wechseln wir täglich und gegen Herbst wird die Fläche vergrößert. Wir verändern die Flächengröße also nur im Herbst, sonst füttern wir mehr oder weniger im Stall zu. In der Früh werden die Tiere gemolken und kommen dann sofort auf die Weide. Im Frühling, wenn viel wächst, lassen wir sie den ganzen Tag draußen, aber im Sommer, wenn es heiß ist, holen wir sie zu Mittag herein und füttern sie.

Gab es Anfangsschwierigkeiten?
Es entstanden viele Lücken, weil die Kühe vor allem die Gemeine Rispe herausgerissen oder vertreten haben. Daher haben wir in den letzten zwei Jahren viermal 15 kg pro Hektar der ÖAG-Mischung Kwei mit einem Kleinsämereienstreuer nachgesät. Dort, wo es schattiger ist, ist die Nachsaat gut angewachsen, auf den sonnigen Bereichen aufgrund der Trockenheit der letzten Jahre weniger gut. Bei starkem Regen haben wir die Tiere öfters im Stall gelassen. Wir haben die Wasserstellen auf der Fläche verteilt, so haben sie das Futter gleichmäßig abgefressen. Nur der Liegeplatz wird stark verkotet. Nicht fressen wollen sie die Kleegrasschöpfe, auch nicht, nachdem sie mal gemäht wurden. Unter diesen nicht gefressenen Schöpfen haben wir einen sehr niedrigen pH-Wert gemessen, sodass wir vermuten, dass das Futter für die Tiere nicht gut schmeckt.
Bisher haben wir dreimal pro Jahr gemulcht oder gemäht und auch dreimal mit verdünnter Gülle gedüngt.

Es heißt, dass sich sowohl die Tiere als auch die Menschen an die Weide gewöhnen müssen. Was habt ihr lernen müssen?
Ja, das stimmt. Zu Beginn ist die Weidehaltung arbeitsintensiver und man muss die Kurzrasenweide erst verstehen lernen, bis es dann funktioniert. Wir haben die Tiere viel beobachtet, wann sie sich sammeln und wie sie sich sonst verhalten. Die Nachtweide haben wir bisher nur überlegt, aber noch nie ausgeführt, weil das einen anderen Arbeitsablauf in der Früh bedeutet. Aber vielleicht müssen wir das noch lernen.

Habt ihr Tipps für die Berufskollegen?
Es ist sehr sinnvoll, sich beraten zu lassen. Es wird zum Beispiel nicht funktionieren, eine Kurzrasenweide zu machen, ohne sich vorher darüber gut zu informieren. Man muss herausfinden, welches Weidesystem zum Betrieb passt, was beachtet werden muss von der Wasserversorgung bis zur Zauntechnik. Insgesamt glaube ich aber, dass man von der Fläche mit Weide mehr herausholt als mit Schnittnutzung. Man meint zwar immer, dass die Kühe nichts mehr zu fressen haben, aber sie fressen die ganze Zeit. Es braucht jedenfalls eine gewisse Zeit, bis Kurzrasenweide richtig funktioniert und so hoffen wir, dass es sich auch betriebswirtschaftlich rechnen wird. Momentan sind die Kosten für Zauntechnik, Kauf von Saatgut und Errichtung von Wasserstellen zu berücksichtigen. Eine Weide ist nicht immer so grün und sauber wie auf verschiedenen Fotos dargestellt und es funktioniert nicht immer alles problemlos – im Großen und Ganzen sind wir aber mit unserem System und unserem Ablauf zufrieden.

Autorin:
DI Agnes Scheucher, BIO AUSTRIA Niederösterreich

Betriebsdaten
Familie Huber, Bio-Hof Mayrgut
Ertl (NÖ)
37 ha arrondiertes Grünland, davon 5,3 ha Dauerweide für das Jungvieh und 5,6 ha Kurzrasenweide für die Kühe
53 RGVE, davon 35 Kühe
Ø Milchleistung: 7000 kg; ca. 450 – 550 kg Kraftfutter/Jahr und Kuh