Erosionsschutz im Bio-Ackerbau

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Die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und zu steigern, ist eine der wichtigsten Aufgaben im Bio-Landbau. Daher müssen gezielt Maßnahmen getroffen werden, um Erosionsverluste zu vermeiden.


Das Thema Erosionsschutz im Bio-Landbau wird aus folgenden Gründen immer wichtiger:
• Veränderung der fördertechnischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Im gesamten Bundesgebiet ist der Erosionsschutz durch den GLÖZ 5-Standard geregelt.
• Mehr Starkniederschlagsereignisse durch den Klimawandel – auch Flächen, auf denen bisher nur selten Erosionsschäden aufgetreten sind, sind zukünftig stärker gefährdet.
• Veränderungen in der Fruchtfolge vieler Bio-Ackerbaubetriebe: Aufgrund wirtschaftlicher Rahmenbedingungen sinkt der Anteil der Feldfutterleguminosen wie zum Beispiel Luzerne, Klee und Kleegemenge und steigt der Anteil der Hackfrüchte wie zum Beispiel Sojabohne.
• Veränderungen in der Bewirtschaftung: Manche bodenstabilisierenden Maßnahmen, wie beispielsweise die Ausbringung von Mist oder Kompost werden seltener, weil die Tierhaltung reduziert oder aufgegeben wird oder bei gleichbleibender Tierhaltung durch Flächenzugang der Tierbesatz pro Hektar verringert wird. Andere Maßnahmen wie zum Beispiel die Bodenbearbeitung bei passenden Bedingungen werden schwieriger, weil die zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte weniger, die zu bearbeitende Fläche aber größer wird.
Der Bio-Landbau kann sich aber den Verlust an Bodenfruchtbarkeit durch Erosion keinesfalls leisten. Daher werden folgende Erosionsschutzmaßnahmen zukünftig immer wichtiger, auch wenn sie eine Erschwernis im Vergleich zur bisherigen Bewirtschaftung mit sich bringen sollten.

Untersaat, Einsaaten, Mischkulturen
Durch die Einsaat von passenden Untersaaten wird der Boden intensiv durchwurzelt und die Erosionsgefahr verringert. Die Einsaat kann in Hackkulturen zum Beispiel mit dem letzten Hackdurchgang erfolgen. Aber auch Untersaaten in die Vorkultur zum Beispiel in Wintergetreide verbessern die Krümelstabilität.
Die intensive Durchwurzelung durch Gras-Untersaaten wird zum Beispiel am starken Erdabhang an den Wurzeln sichtbar. Für den Umbruch von Gras-Untersaaten im Bio-Landbau nach der Ernte der Hauptkultur gibt es erprobte Techniken wie das Hackfräsen.
Durch Untersaaten kann in der Hackkultur schon die Folgekultur angelegt werden wie zum Beispiel Luzerne unter Körnermais.

Die Vorteile bei der Anlage von beispielsweise Feldfutter-Leguminosen durch Untersaaten sind nicht nur der Erosionsschutz, sondern auch ein Wachstumsvorsprung und die frühere Bodenbedeckung.
Untersaaten können auch die Hauptkultur schützen, so kann eine Luzerne-Untersaat den Ölkürbis vor Sonnenbrand schützen.

Es kann auch versucht werden, durch Untersaaten zwei Ernten pro Jahr auf der Fläche zu erzielen (zum Beispiel Einsaat von Sojabohne in 75 cm Abstand in Wintergetreide, hoher Drusch). Dies bedarf einer guten Abstimmung von Sortenwahl und Anbaustärke bei der Winterung, der streifenweisen Bodenvorbereitung (Strip Till), des Anbauzeitpunkts und der Sortenwahl der Sommerung sowie einer Spuranpassung des Mähdreschers, um bei der Ernte der Winterung möglichst wenig Kulturreihen der Sommerung zu beschädigen.

Direktsaat
Auch die Direktsaat von Sommerungen in gewalzte oder gemähte, dichte Begrünungsbestände ist möglich.

Dichter Zwischenfruchtanbau
Unabhängig davon, ob nach Zwischenfrüchten die Hauptkultur mittels Direktsaat angebaut wird oder nicht, ein dichter Zwischenfruchtbestand mittels frühen Anbaus einer vielfältigen Zwischenfruchtmischung ist jedenfalls erosionshemmend – bereits im Sommer und Herbst im Zwischenfruchtbestand sowie durch die Förderung der Bodenstruktur auch noch nachfolgend in der Hauptkultur.

Viel und lange wirksame Bedeckung
Die Erosionsschutzwirkung von Zwischenfruchtbeständen ist umso größer, je weniger zerkleinert die Biomasse ist, unter der Voraussetzung, dass es die nachfolgende Technik für Saatbettbereitung und Saat schafft, die Hauptkultur unter diesen Bedingungen fachgerecht abzulegen.

Mulchsaat
Je weniger intensiv die Einarbeitung der Zwischenfrucht vor der Saat und je höher der Bedeckungsgrad der Bodenoberfläche sind, desto größer ist die Erosionsschutzwirkung.

Begrünte Querdämme im Kartoffelanbau
Beim Kartoffelanbau können spezielle Kartoffelleger Querdämme formen, die noch zusätzlich begrünt werden können, um den Abfluss von Regenwasser in den Dammtälern abzubremsen.

Strip Till
Wichtig ist, dass die Kulturpflanzen nach der Saat ungehindert wachsen und den Boden rasch wieder bedecken können. Die späteren Kulturreihen können, wenn es zum Beispiel aufgrund von Verdichtungen erforderlich ist, im derzeitigen ÖPUL-Programm schon während der Begrünungsperiode gelockert werden (Strip Till). Der Bereich zwischen den Kulturreihen bleibt über den Winter begrünt und wird vor der Saat nur seicht bearbeitet.
Zwischenfrüchte, die auch noch bei kühlen Temperaturen wachsen, können die gelockerten Streifen durchwurzeln und damit stabilisieren.

Häufelpflug-Dammkultur
Bei der Häufelpflug-Dammkultur wird in jeder Dammsohle hinter dem Traktor ein Zinken durchgezogen, der die Versickerung erhöhen und damit den oberirdischen Abfluss verringern soll.
Die Dämme werden geschüttet und sind dadurch strukturstabiler als beispielsweise gefräste Dämme.

Verdichtungen aufbrechen, Versickerung fördern
Bei allen Anbausystemen sollte das auf der Oberfläche auftretende Wasser möglichst rasch versickern. Dies verringert nicht nur die Erosionsgefahr, sondern erhöht auch die Menge an Wasser, die den Kulturpflanzen zur Verfügung steht. Mögliche Verdichtungen können zum Beispiel auch an der Wurzelentwicklung von Haupt- oder Zwischenfrüchten erkannt werden.

Eine wichtige Aussage liefert auch der Versickerungstest, bei dem eine abgemessene Wassermenge auf einer begrenzten Fläche (zum Beispiel die Fläche innerhalb eines Rohres) ausgebracht und die Zeit bis zur vollständigen Versickerung gestoppt wird.

Grobes Saatbett, hohe Krümelstabilität
Für den Erosionsschutz sind auch ein möglichst grobes Saatbett und eine möglichst hohe Krümelstabilität wichtig.

Temperaturen bei Bodenbearbeitung
Für eine strukturschonende Bearbeitung sind auch ausreichend hohe Bodentemperaturen notwendig. Jede Bodenbearbeitung zerstört Krümel, die durch das Bodenleben wieder stabilisiert werden müssen. Vor der ersten Bodenbearbeitung im Frühjahr sollte die Bodentemperatur in der geplanten Arbeitstiefe gemessen werden.

Kalzium-Verfügbarkeit
Für eine gute Krümelstabilität ist auch eine ausreichende Kalzium-Verfügbarkeit notwendig. Zur Bestimmung der Bodeneigenschaften sind die Verwendung der digitalen Bodenkarte (www.bodenkarte.at) sowie Bodenuntersuchungen sinnvoll.

Mulchbedeckung von Reihenkulturen
Bodenkrümel können vor der Zerstörung durch auftreffende Regentropfen geschützt werden, indem die Oberfläche mit einer Mulchschicht bedeckt wird. Dies kann zum Beispiel nach dem Anbau von Reihenkulturen mittels Selbstfahrhäcksler und Kompoststreuer erfolgen. Der Boden bleibt gut regenverdaulich, die Niederschläge können einsickern und verringern dadurch die Erosionsgefahr.

Maßnahmen setzen
Die mit dem Klimawandel zunehmenden Starkniederschlagsereignisse erhöhen auch die Erosionsgefahr. Immer strengere gesetzliche Regelungen und Förderungsrichtlinien verstärken zudem den Druck in Richtung Erosionsschutz.
Es sollte aber im Eigeninteresse der Biobauern und Biobäuerinnen liegen, mögliche Maßnahmen für den Erosionsschutz zu prüfen und die für den eigenen Betrieb passenden umzusetzen.

Autor:
DI Willi Peszt, LK Burgenland