Euter statt Eimer

Foto: © BIO AUSTRIA
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Die Kälber am Zachhiesnhof im Salzburger Seekirchen haben einen natürlichen Start ins Leben. Dafür sorgen Ammenkühe.

Mit ihrer Ammenkuhhaltung haben Hannah und Daniel Öschlberger den ersten Platz beim BIO AUSTRIA Bio-Fuchs Wettbewerb 2014 zum Spezialthema „Tierwohl in der Kälberhaltung“ erreicht.

Seitdem Ammenkühe die Kälberfütterung übernommen haben, gehören Kälberkrankheiten, wie sie oft in den ersten Lebenswochen auftreten können, der Vergangenheit an. „Probleme mit länger anhaltendem Kälberdurchfall gibt es bei uns nicht mehr. Es kann schon vorkommen, dass die ganz kleinen Kälber einmal zu viel Milch auf einmal trinken und dann Durchfall bekommen, aber dieser legt sich sofort wieder. Damit so etwas nicht passiert, passen wir zu Beginn besonders auf“, erklärt Daniel Öschlberger, warum die Ammenkuhhaltung auf seinem Bio-Betrieb sehr gut funktioniert und nicht mehr wegzudenken ist.

Zeit zum Saugen

Der Zachhiesnhof ist ein anerkannter Archehof. Neben den vielen anderen gefährdeten Nutztierrassen sind auch zehn Milchkühe der Rasse „Tiroler Grauvieh“ am Hof. Laut Betriebsleiter eine besonders gutmütige Rasse, die sich ideal für die Ammenkuhhaltung eignet. Drei Kühe sind als Mutterkühe gemeldet und übernehmen für alle Kälber die Rolle der Mutter.
Zu den Melkzeiten kommen die Kühe gemeinsam mit den Kälbern in den Auslauf. Dort haben sie genügend Zeit zum Saugen. Daniel Öschlberger hat beobachtet, dass das gegenseitige Besaugen beinahe überhaupt nicht mehr auftritt. „Es hängt bestimmt damit zusammen, dass die Kälber länger saugen können. Ein Eimer kommt ja nach zehn Minuten wieder weg, weil er für die nächste Partie benötigt wird.“
Ungefähr ein bis eineinhalb Stunden verbringen die Kälber pro Mahlzeit gemeinsam mit ihren Ersatzmüttern. Die restliche Zeit sind sie in der Kälbergruppe im Stall oder im Sommer auf der schattigen Kälberweide gleich hinterm Stall.

Kraftfutter sparen

Arbeiten wie Eimerwaschen, Eimertragen, Milchwärmen, Sauger- und Eimerkaufen gehören der Vergangenheit an. „Gegenüber von früher haben wir jetzt viel weniger Arbeit. Wir brauchen nur die Kälber und die Kühe in den Auslauf lassen. Alles andere erledigt sich praktisch von selbst“, berichtet der überzeugte Biobauer. „Mir war auch der Kraftfuttereinsatz bei der Kälberaufzucht immer ein Dorn im Auge. Seit der Ammenkuhhaltung gebe ich den Kälbern kein Kraftfutter mehr. Man kennt keinen Unterschied zu den Kälbern, die noch mit dem Eimer gefüttert wurden und Kraftfutter bekommen haben. Allerdings bleiben jetzt die Kälber ungefähr fünf Monate bei ihren Ammenmüttern.“
Zusätzlich steht im Auslauf immer eine Futterraufe mit Heu bereit. Die Kälber lernen von den Ammenkühen schon sehr früh, Raufutter zu fressen und entwickeln sich so zu leistungsfähigen, gesunden Milchkühen.

DI Veronika Edler, BIO AUSTRIA

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