Eutergesundheit: Früh handeln!

Bei Schafen treten akute Euterentzündungen nur sporadisch auf. Rechtzeitig und richtig behandelt, sind die Heilungschancen gut.
Bei Euterentzündungen beim Schaf verspricht die antibiotische Behandlung, wenn sie früh und lange genug durchgeführt wird, einen guten Erfolg. Eine Ausnahme bilden die sogenannten „Schwarzeuter“. Sie stellen eine lebensbedrohliche Erkrankung mit keiner Aussicht auf vollständige Heilung dar.

Anderer Aufbau

Das Schafeuter unterscheidet sich im Aufbau grundsätzlich vom Kuheuter. Die Euterhaut ist dünner, der Strichkanal kürzer und die Milchzisterne im Verhältnis zum Drüsengewebe wesentlich größer. Dem zur Folge stellen sich Eutererkrankungen anders als beim Rind dar. Durch die dünne Euterhaut ist es möglich, dass Staphylokokken, welche auf der Haut kleine Pusteln erzeugen, die Euterhaut passieren und Euterentzündungen verursachen. Deshalb dürfen solche Infekte auf der Euterhaut nicht unbehandelt bleiben.
Der kürzere Strichkanal bewirkt, dass Bakterien aus der Euterumgebung leichter ins Euter eindringen können.
Die verhältnismäßig große Zitzenzisterne (etwa 80 Prozent des Gesamtfassungsvermögens des Euters) lässt eingebrachte antibiotische Euterinjektoren gar nicht erst das Drüsengewebe erreichen. Darum ist eine antibiotische Behandlung einer Euterentzündung nur mittels Injektion eines geeigneten Antibiotikums erfolgversprechend. Weiters ist aus diesem Grund auch vom Trockenstellen unter Antibiotikaschutz mittels Euterinjektoren abzuraten.

Wie kommt es zur Infektion?

Meist kommt es zu Infektionen infolge der Einwanderung von Bakterien der Stallumgebung über den Strichkanal. Rückspray von infizierter Milch des vorangegangen gemolkenen Tieres in Milchschafbeständen begünstigt die Weiterverschleppung von Euterentzündungen. Sogenannte „Räuberlämmer“, von der Mutter verstoßene Lämmer verschleppen Keime ebenfalls. Sehr selten kommt es auch zur Einwanderung von Krankheitserregern, wie zum Beispiel Listerien über die Blutbahn ins Euter.

Welche Symptome gibt es?

Akute Euterentzündungen gehen mit verminderter Freßlust, teilweise Fieber und einer hochgradig geschwollenen Euterhälfte mit veränderter Milch einher. Diese kann wässrig, eitrig-blutig bis abartig stinkend grauschwarz sein. Oft ist aber auch gar keine Milch abmelkbar. Aufgrund der stets mitreagierenden Euterlymphknoten, welche ganz oben im Schenkelspalt liegen, kommt es zu typischen Lahmheiten, wo der Eindruck entsteht, des Tier zieht die Hinterbeine hinter sich her.

Problem Schwarzeuter

Diese spezielle Form von Euterentzündungen wird durch Mannheimien oder durch Staphylokokken verursacht. Die Tiere haben eingangs hochgradig Fieber (> 41 Grad), welches von Untertemperatur infolge eines Toxinschocks (< 38 Grad) gefolgt ist. Teile der Euterhaut verfärben sich rasch ausbreitend blau bis schwarz. Diese Areale fühlen sich kühl an. Eine tierärztliche Intensivtherapie mit Infusionen, Entzündungshemmern und Antibiotika über einen Zeitraum von bis zu zehn Tagen kann das Überleben des Tieres retten. Nicht gerettet können die betroffenen Euterareale werden. Diese sterben trotz Behandlung ab und sind für die Milchgewinnung nicht mehr einsetzbar.

Wie erfolgt die Therapie?

Sehr früh erkannt und behandelt haben die meisten Euterentzündungen gute Heilungsaussichten. Wichtig ist, dass Antibiotika mindestens sieben Tage lang als Injektion gegeben werden müssen. Weiters ist die Gabe von Entzündungshemmern für etwa fünf Tage wichtig. Einfache Penicilline reichen meist für die Behandlung. Resistenzprobleme, wie wir sie aus der Rinderhaltung kennen, gibt es bei den Schafen fast nie.
Kommen in Beständen vermehrt Euterentzündungen vor, ist eine bakteriologische Milchuntersuchung anzuraten. Nichts desto trotz muss aber mit der Behandlung so früh wie möglich begonnen werden.

Zur Vorbeugung ist eine gute Euterhygiene wichtig. Aufgrund der üblichen Haltung in Tieflaufställen sind Liegeflächen zwangsläufig mit Kot kontaminiert. Die im Kot enthaltenen Fäkalkeime können den Strichkanal passieren und Euterentzündungen verursachen. Um dieses Risiko möglichst gering zu halten, ist es nötig, speziell in Milchschafställen täglich mit hygienisch einwandfreiem Stroh ausreichend nachzustreuen. Wichtig sind auch Hygienemaßnahmen beim Melken. Um die Milch und die Zitzenbecher möglichst wenig mit Fäkalkeimen zu verunreinigen, muss das Euter vor dem Ansetzen des Melkzeuges gereinigt werden. Dabei ist trockenes Reinigen mit Euterpapier oder Euter-Holzwolle dem Reinigen mit Wasser und Seifenlösung vorzuziehen. Um eine Übertragung von Krankheitserregern auf andere Schafe zu vermeiden, ist für jedes Tier neues Papier oder Wolle zu verwenden.

Autor: Mag. Martin Gruber, Tierarzt für Schafe und Ziegen, Semriach, Steiermark

Wie beuge ich Euterentzündungen vor?

• Tiere mit Abszessen im Euter sowie Tiere mit chronisch erhöhter Zellzahl ausmerzen
• Stets für ausreichend einwandfreie Einstreu sorgen
• Einmalhandschuhe beim Melken tragen
• Melkanlagen Desinfektion – Erfolg mittels bakteriologischer Untersuchung überprüfen
• Tiere mit sehr tief angesetztem Euter ausmerzen
• Trennung eutergesunder und euterkranker Tiere
• Sauglämmer absetzen, bevor sie die Zitzen mit den Zähnen verletzen (ab acht Wochen)
• Melktechnik regelmäßig warten und überprüfen lassen