Frisches Grün im Winter

©Palme/HBLFA Schönbrunn
©Palme/HBLFA Schönbrunn

Das beginnende Verfärben der Blätter, unwirtliches Wetter und kürzere Tage müssen nicht das Ende der Bio-Gemüsesaison bedeuten. Das zeigen Ergebnisse aus Versuchen.
Im Rahmen des European Innovation Partnership Projektes (EIP) wurde der heizungsfreie Bio-Wintergemüseanbau drei Jahre lang intensiv erforscht. Zentrales Thema in diesem Kooperationsprojekt war die umfassende wissenschaftliche und praktische Aufarbeitung zahlreicher Fragestellungen rund um diese innovative Anbauweise. Der Winter bietet neben Altbekannten wie Vogerlsalat & Co eine Produktvielfalt, die bisher noch nicht richtig ausgeschöpft wurde. Beispielsweise lassen sich verschiedenste Salate, Kohlgemüse und Bundkarotten auch im Winter ernten.

Ernte im Winter

Im Zuge dieses Projektes wurde Wintergemüse folgendermaßen definiert: Wintergemüse ist Gemüse aus dem Freiland oder geschützten Anbau, das in der Zeit zwischen November und März frisch geerntet wird. Die Besonderheit liegt darin, dass die Kulturen nicht beheizt werden und diese dadurch sehr energieeffizient und nachhaltig produziert werden können.
Das Thema wurde in insgesamt fünf Arbeitspaketen näher betrachtet. Im Arbeitspaket „Anbauversuche“ wurden auf den Betrieben und Versuchsanstalten wichtige Erfahrungen zur Kultivierung des Wintergemüses gesammelt. In Ringversuchen bestand die Möglichkeit, auf allen Standorten verschiedene Arten/Sorten und Anbauzeitpunkte unter den unterschiedlichen klimatischen Gegebenheiten auszuprobieren.

Wichtige Ergebnisse

Eine wichtige Schlussfolgerung ist, dass es kein allgemein gültiges „Rezept“ für den Wintergemüseanbau gibt. Die Anbauzeitpunkte müssen somit für jeden Standort individuell bestimmt werden und der Unterschied zwischen begünstigten und weniger begünstigten Lagen liegt meist bei nur zwei Wochen. Diese relativ geringe zeitliche Differenz hat im Herbst/Winter erhebliche Auswirkungen und kann entscheiden, ob eine Kultur rechtzeitig fertig wird oder nicht. Neben dieser Feststellung machten wir unter anderem die Erfahrung, dass die Möhrenfliege durchaus auch im Dezember schädigen kann. Bei den Bundkarotten ist zudem eine Ernte vor Weihnachten sinnvoll, da sie sensorisch zunehmend abbauen und im Jänner/Februar oft nur mehr sehr wässrig schmecken. Darüberhinaus sind im Winter vor allem die großen Schädlinge problematisch, Rehe, Hasen und Wühlmäuse fühlen sich angezogen.
Bei Salaten im kalten Folientunnel haben unsere Sortensichtungen gezeigt, dass sich vor allem offene Batavia-Typen und grüne Pflücksalat-Sorten bewähren. Zudem ist bei den Salaten meist nicht die Kälte das Problem, sondern vielmehr die Gefahr durch Pilzinfektionen aufgrund einer zu hohen Luftfeuchtigkeit. Aus diesem Grund ist ausgiebiges Lüften sowie sparsames Bewässern ein Muss im Wintergemüseanbau.

Konstantes Einkommen

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt lag auf der ökologischen und ökonomischen Analyse des Wintergemüseanbaus, welcher vom Forschungsinstitut für den ökologischen Landbau durchgeführt wurde. Die Ergebnisse des Projektes zeigen, dass auch die ökonomische Komponente des Bio-Wintergemüsebaus vielversprechend ist. Grund dafür sind die Steigerung der Effizienz der Flächenauslastung durch Nutzung der zumeist leerstehenden Anbauflächen und der, im Vergleich zu den Sommerkulturen, geringere Pflegeaufwand und Betriebsmitteleinsatz.
Für die Betriebe ergeben sich vielfältige Vorteile: Neben einem konstanteren Einkommen wirkt die Ausweitung des Sortiments über das ganze Jahr zudem als Kundenbindungsinstrument, welches letztlich auch für eine optimierte Auslastung des Personals sorgen kann.
Die Nachhaltigkeit der Wintergemüseproduktion soll sich auch in der Verpackung widerspiegeln. Aus diesem Grund wurden vom Projektpartner OFI mit am Markt verfügbaren nachhaltigen Verpackungen Lagertests mit Schnittsalaten durchgeführt und analysiert.
Das Arbeitspaket „Arbeitswirtschaft“ wurde von der Beraterin Renate Spraul begleitet. Hierbei ging es um die Optimierung von Arbeitsabläufen bei Ernte und Verpackung von Wintergemüse. Da Bio-Gemüse und vor allem das Wintergemüse bei allen Arbeitsschritten einen hohen Anteil an Handarbeit aufweist, kann mit effizienteren Arbeitsmethoden Zeit und Geld gespart werden.

Wissen vermarkten

Die Sensibilisierung und Information der Konsumenten für die neuen Geschmackserlebnisse der Produkte aus dem heizungsfreien Wintergemüseanbau war ein weiteres Projektziel.
Durch die Erarbeitung der Sensorik unterschiedlicher, bedeutender Wintergemüsekulturen war es möglich, die geschmacklichen Feinheiten und Besonderheiten für die Endkonsumenten zu beschreiben. Das so gewonnene Wissen kann nun vor allem für die Vermarktung der Produkte genutzt werden. Fachlich wurde die Umsetzung von der anerkannten Expertin Eva Derndorfer angeleitet.

Durch diese umfassende Betrachtungsweise des heizungsfreien Bio-Wintergemüseanbaus entstand eine Datensammlung, welche die Etablierung dieser Anbauweise in der gemüsebaulichen Praxis möglich machen soll. Unser Ziel ist dann erreicht, wenn sich der heizungsfreie Bio-Wintergemüseanbau als Produktionsmethode in der gartenbaulichen Praxis etabliert und Konsumenten somit auch über die Wintermonate biologisches und nachhaltig produziertes Gemüse aus Österreich genießen können.

Autorin:

Alexandra Depisch M.A., BIO AUSTRIA

Wissen: Projekt „Heizungsfreier Bio-Wintergemüseanbau“ abgeschlossen

Insgesamt nahmen sieben BIO AUSTRIA-Betriebe, der Lebensmittelcluster Niederösterreich und acht Partner aus Wissenschaft und Beratung an diesem Vorhaben teil. Die Projektleitung oblag dem Verband BIO AUSTRIA und es wurde in enger, fachlicher Abstimmung mit Wolfgang Palme, dem Abteilungsleiter für Gemüsebau an der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt Schönbrunn, zusammengearbeitet.

Ein großer Dank gilt den folgenden Wintergemüse Pionierbetrieben und Versuchsstationen, auf deren Flächen der Anbau erprobt wurde:
– Bio-Hof Jaklhof, Kainbach bei Graz, Stmk.
– Versuchsstation für Spezialkulturen Wies, Stmk.
– Bio-Hof Bubenicek-Meiberger, Zwerndorf
– Bio-Hof ADAMAH – Stefan und Gerhard Zoubek GbR, Glinzendorf, NÖ
– Bio-Hof Krautwerk, Füllersdorf, NÖ
– Gartenbauschule Langenlois, Langenlois, NÖ
– Gemüsebau Versuchsanlage Zinsenhof, Ruprechtshofen, NÖ
– Achleitner Bio-Hof GmbH, Eferding, OÖ
– Ökohof Feldinger, Wals, Sbg.
– Bio-Hof Stechaubauer, Saalfelden, Sbg.

Der Endbericht zum Projekt ist Ende August auf www.bio-austria.at/bericht_wintergemuese abrufbar.

Die Broschüre „Sensorische Wintergemüse Fibel“ für Konsumenten, die Landkarte für Winterspezialsalate und das Aromarad für Winterspezialsalate stehen auf der BIO AUSTRIA-Website unter zum Download zur Verfügung: https://www.bio-austria.at/bio-wintergemuese-vom-schnee-auf-den-teller