Gutes Futter trotz Hitze

©Manuel Winter

Grünland ist weltweit von Trockenheit und Hitzewellen betroffen. Das sogenannte Mob Grazing könnte in Trockengebieten in Österreich eine alternative Weidestrategie darstellen.

Naturbelassenes Grasland ist auf Wetterextreme oft besser vorbereitet als die zu intensiv genutzten Weideflächen. Aus diesem Grund haben Viehhalter in Kanada, aber auch in anderen Ländern, das Weideverhalten von großen Wildtierherden als Vorbild genommen und es entstand die Weidestrategie Mob Grazing.

Höhere Besatzdichte

Herdentiere bleiben wegen der Raubtiere von Natur aus eng zusammen und ziehen umher. Die großen Tiergruppen weiden daher nie lange auf einer Stelle und kommen erst zurück, wenn sich die Pflanzen vollständig von einer Nutzung erholt haben. Bei Mob Grazing versucht man diese Interaktion von Raub- und Herdentier nachzuahmen, um den Herdeninstinkt ausnutzen zu können. Sind Nutztiere wieder daran gewöhnt, in größeren Gruppen eng aneinander zu weiden, kann von den Bauern nach und nach, eine höhere Besatzdichte angestrebt werden. Umso höher die Besatzdichte, desto mehr Fressdruck entsteht in der Herde. Somit kommt es zu keiner Futterselektion und der Pflanzenbestand wird einheitlich beweidet. Gailstellen werden verhindert und durch den gleichmäßigen Verbiss werden mehr Pflanzen zum Wiederaufwuchs angeregt.

Kleine Futterbereiche

Um hohe Besatzdichten zu erreichen, werden immer nur kleine Futterbereiche freigegeben, die sogenannten Paddocks. In diesen Paddocks wird intensiv, aber nur sehr kurz beweidet. Dadurch ergeben sich längere Rastzeiten für die einzelnen Pflanzen und dies hilft dem Bestand, sich auf eine Trockenzeit vorzubereiten. Durch die verlängerte Weidepause bleibt den Pflanzen mehr Zeit, Energie in das Wurzelwachstum zu stecken. Weiters können Pflanzen zwischen zwei Beweidungen höher aufwachsen, das hilft wiederum, Wasser zu sparen. Im Bestand entsteht ein Mikroklima, die Pflanzen verlieren während der Photosynthese weniger Feuchtigkeit.
Um auch einen hohen Aufwuchs effizient beweiden zu können, werden auf Mob Grazing-Betrieben die Herden oft mehrmals am Tag in neue Paddocks weitergetrieben, um den Fressdruck hoch zu halten. Die Tiere fressen nur die oberen nährstoffreicheren Pflanzenteile und werden wegen dem häufigen Umtreiben zum Fressen angeregt, die Futteraufnahme steigt. So können auch bei hohem Aufwuchs gute Tageszunahmen erreicht werden.

Einfach zäunen

Die übriggelassenen rohfaserreichen Stängel werden bei hohen Besatzdichten an den Boden angedrückt. Diese Pflanzenteile sollten aber nicht nur als Futterreste angesehen werden, denn durch die niedergetrampelte Biomasse wird der Boden vor Austrocknung geschützt und die übriggelassenen Blätter betreiben noch Photosynthese. Der Wiederaufwuchs wird beschleunigt und die Weidepflanzen können schneller Zuckerreserven anlegen, um sich für die nächste Beweidung vorzubereiten.
Um auch bei häufigem Weitertreiben die Arbeitszeit gering zu halten, gibt es einige technische Hilfsmittel wie zum Beispiel einen Weidezaunöffner. Sie werden am Zaun fixiert und nach dem Auslösen einer Zeitschaltuhr schleudert ein mit einer Metallfeder vorgespannter Griff los. Somit wird der Zaun automatisch geöffnet und ein Durchgang geschaffen.

Die Kombination aus einem hohen Aufwuchs, der nur kurz beweidet wird, und einer langen Rastzeit zwischen den Beweidungen hilft dem Bestand, sich auf eine Trockenzeit vorzubereiten. Um dabei das Futter auch in der Weidehaltung effizient zu nutzen, werden hohe Besatzdichten eingesetzt. Mob Grazing ist weltweit eine alternative Weidestrategie, die in Zukunft auch in Österreich von Bedeutung sein kann.

Autor:

Manuel Winter studiert an der Universität für Bodenkultur, besuchte mehrere kanadische Mob Grazing-Betriebe und schrieb die Bachelorarbeit „Konzepterstellung für die Weidestrategie Mob Grazing für einen Mutterkuhbetrieb in Niederösterreich“.

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