Internationales Biobauern-Treffen in Österreich

Veröffentlicht am 13. April 2026
© BIO AUSTRIA

IFOAM Organics Europe vertritt die Bio-Interessen in Brüssel. BIO AUSTRIA ist Mitglied und Mitbegründer der Biobauern-Gruppe. Doch wie funktioniert IFOAM und was ist die Rolle dieser Gruppe?

FOAM Organics Europe (im Folgenden kurz IFOAM OE genannt) ist der Dachverband der Bio-Branche in Europa. Die Abkürzung IFOAM steht dabei für „International Federation of Organic Agriculture Movements“, wobei Organics Europe der europäische Flügel dieser internationalen Vereinigung der Bio-Bewegung ist. IFOAM OE zählt an die 200 Mitglieder aus 34 Staaten. Vertreten ist dabei die gesamte Wertschöpfungskette, von der Landwirtschaft über die Verarbeitung bis zu Handel, Kontrollstellen, Forschung und Konsumenten. IFOAM Organics Europe arbeitet allen voran in Richtung der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments, mit dem Ziel, Bio in Europa zu stärken und betreibt zu diesem Zweck

ein Büro in Brüssel.

Verschiedene Gremien

Die politischen Entscheidungen werden bei IFOAM OE von einem neunköpfigen Vorstand getroffen. Nationale Interessen sind in der zweiten Kammer, dem sogenannten „Council“ abgebildet. Darüber hinaus sind die Mitglieder über eine Reihe von Fachgruppen zu Themen wie EU-Bio-Verordnung, Pflanzenschutz, Gentechnik etc. eingebunden. Die spezifischen Interessen der Wertschöpfungskette werden in „Sektor-gruppen“ behandelt, dazu gehört auch die „Interest Group Organic Farming“. BIO AUSTRIA ist Mitglied von IFOAM und in verschiedenen Gremien aktiv. Thomas Fertl, Leiter der Abteilung Ag-rarpolitik, ist Mitglied im Vorstand.

Bereits 2012 wurde die Biobauern-Gruppe von IFOAM OE gegründet, BIO AUSTRIA ist Mitbegründer. Sie berät den Vorstand zu biobäuerlichen Fragen und bietet Raum für den Austausch zwischen biobäuerlichen Organisationen aus ganz Europa.

Im April hat sich die internationale Bio-bauern-Gruppe auf Einladung von BIO AUSTRIA in Österreich getroffen. BIO AUSTRIA Obfrau Barbara Riegler konnte 25 Vertreter von 17 Organisationen aus 13 Staaten begrüßen. Zu Beginn wurde Bio in Österreich und BIO AUSTRIA vorgestellt. Danach standen unter anderem folgende Themen auf der Tagesordnung: Möglichkeiten, die Vorschläge für die zukünftige Gemeinsame Agrarpolitik der EU für Bio-Betriebe zu verbessern, die Wechselbeziehung zwischen Bio und regenerativer Landwirtschaft, Aktivitäten zur bevorstehenden Abstimmung über neue Gentechnik im Europäischen Parlament und die EU-Bio-Verordnung.

Beispielsweise wurde die Frage der maximal zulässigen Auslaufüberdachung diskutiert. Bekanntlich legt die Europäische Kommission bislang die Bestimmungen, wonach der Auslauf „teilweise“ überdacht sein darf, mit maximal 50 Prozent (in Ausnahmefällen bis 75 Prozent) aus. Die Gruppe hat sich klar für mehr Flexibilität ausgesprochen. Witterung und die Bedürfnisse der Tiere müssen stärker berücksichtigt werden und ein höherer Grad an Überdachung möglich sein. Diese Rückmeldung wird in die aktuelle politische Interessensvertretung gegenüber der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament eingehen.

Reger Austausch

Am Folgetag wurde eine Exkursion zu BIO AUSTRIA Betrieben in Wien und Niederösterreich angeboten. Früh morgens ging es zur Grandfarm in Absdorf am Wagram. Alfred Grand hat seine Marktgärtnerei

„Grand Garten“ vorgestellt und es wurde erläutert, welche Chancen arbeitsintensiver Gartenbau in Kombination mit Direktvertrieb bietet. Großes Interesse fanden auch die Erfahrungen von Alfred Grand mit der Zertifizierung als „Regenerativ Organic Farming“ gemäß dem internationalen ROC-Standard. Die Teilnehmer waren sich einig, dass Bio die Basis für regenerative Landwirtschaft sein muss. Ob eine zusätzliche Zertifizierung für Bio-Betriebe sinnvoll ist, hängt auch von der Nachfrage am Markt ab.

Danach ging es weiter zum Bio-Weingut Hofer in Auersthal. Als dritter Betrieb wurde der Biohof Maurer in Wien Leopol dau besucht. Dass der Betrieb mit Schweinezucht und -mast im städtischen Umfeld liegt, hat bei vielen Exkursionsteilnehmern für Erstaunen gesorgt. Betriebsleiter Andreas Maurer hat erklärt, dass er die Herausforderung angenommen und die Anrainer als Kunden gewinnen wollte. Der Mut hat sich ausgezahlt und die Erfahrungen mit der Direktvermarktung sind sehr positiv.

Nach zwei Tagen sind die Mitglieder der Biobauern-Gruppe in alle Himmelsrichtungen abgereist. Und wieder einmal hat sich gezeigt, dass internationale Vernetzung und persönlicher Austausch sehr wichtig sind, vor allem wenn die Perspektiven auseinandergehen und ein gemeinsamer Weg gefunden werden muss.

BIO AUSTRIA dankt IFOAM OE und dem Institut für ökologischen Landbau an der BOKU, den Betrieben Grandfarm, Bio-Weingut Hofer und Biohof Maurer sowie Joseph Brot für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung.

Kontakt

  • Mag. Thomas Fertl

    BIO AUSTRIA, Leitung Agrarpolitik und Internationale Beziehungen
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