Kreisläufe auf allen Ebenen!

Im Jahr 1987 hat die Landwirtschaftliche Fachschule Grottenhof ihren Schulbetrieb auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Das Denken in Kreisläufen begleitet die Schule in ihrer Entwicklung bis heute.

Die Lage am Rand der Stadt Graz mit der Nähe zu sehr vielen Konsumenten, aber auch die Suche nach Nachhaltigkeit und Umweltgerechtheit hat vermutlich die Entscheidung von damals begünstigt. Heute, 30 Jahre nach der Anerkennung als „Ernte“-Betrieb wird die Schule von Erich Kerngast geleitet.

Eine Lebenshaltung

„Biologischer Landbau ist kein Anbausystem. Biologischer Landbau ist eine Einstellungssache und eine Lebenshaltung“, sagt Erich Kerngast auf das Thema angesprochen. Am Schulbetrieb bedeutet dies, dass alle Bereiche von Ackerbau über Grünlandwirtschaft inklusive Almen und der vielfältigen Tierhaltung sowie der Anbau von Gemüse im Folientunnel kontrolliert biologisch erfolgt. Auch in der Verpflegung des gesamten Schulbetriebes wird zu über 90 Prozent auf Bio-Lebensmittel gesetzt. Und in der Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit der Schule wird der Kreislauf zur Gesellschaft und damit zum Konsumenten geschlossen.

In der Fruchtfolge am Acker kann durch die Rinderhaltung rund ein Viertel Kleegras gut integriert werden. Die Hälfte der Fläche wird mit den unterschiedlichen Futter- und Speisegetreidearten bestellt. Der Rest wird auf Hackfrüchte wie Soja, Mais und Kürbis sowie die Winter-Ackerbohne aufgeteilt. So kann durch die Kombination von langer Bodenruhe im zweijährigen Feldfutterbau mit der intensiveren Bearbeitung bei den Hackfrüchten der Boden stabil weiterentwickelt werden. „Die Natur hat über tausende von Jahren ein System gebildet, das stabil war – auch wenn es Windverfrachtungen wie die Lössbildung gegeben hat – hat sich dann wieder eine dauerhafte Pflanzendecke gebildet, die die Bodenentwicklung ermöglicht hat. Den Boden bedeckt oder grün zu halten, ist somit eine der Leitlinien im Anbau.
Die Landwirtschaft greift aber massiv in diese stabilen Systeme ein. Verluste an Boden nehmen zu, Nährstoffe werden ausgewaschen, Kohlenstoff und Stickstoff gehen auch gasförmig verloren. Letzteres ist verstärkt zu berücksichtigen“, betont Kerngast.

Vom Wald auf den Acker

Bewirtschaftungssysteme werden immer weiterentwickelt. So wurde im Schulbetrieb der Tretmist-Stall bei den Milchkühen durch einen Kompoststall abgelöst. Damit sollen die Emissionen im Stall und bei der Düngeraufbereitung reduziert werden. Auch ein Entmistungsroboter auf den Laufflächen der Kühe ist ein Beitrag dazu. Der Stall soll nämlich nicht nur besonders tiergerecht, sondern auch menschengerecht sein. Gepaart mit einer Reduktion der Ammoniak-Emissionen kann diese technische Lösung ein guter Ansatz sein. Die Füllung des Kompoststalls geschieht großteils mit eigenen Hackschnitzeln. Wurde früher noch Stroh von anderen Betrieben zugekauft, so kommt es nun zu einem Nährstofftransfer (Kohlenstoff) vom eigenen Wald über die Tierhaltung auf den Acker. Generell rückt das Nährstoffdenken beispielsweise bei detaillierten Bodenanalysen wieder mehr in den Fokus. Es geht aber vor allem darum, wenig Nährstoffe aus dem Kreislauf zu verlieren. Dort wo Lebensmittel vom Hof weggehen, passiert das zwangsläufig. Daher sind Gedanken zum Aufbereiten von Klärschlamm dringend notwendig, denn in der Landwirtschaft fehlt der Phosphor und in den Weltmeeren, wo er trotz Kläranlagen immer noch landet, kippt er das Gleichgewicht.
„Cultivare“ – das Aufreißen des Bodens bringt das Aufmachen von Kreisläufen mit sich, also machen wir uns bitte Gedanken, diese möglichst gut zu schließen, so Erich Kerngast.

Reale Landwirtschaft

Bildung passiert am Grottenhof in vielerlei Hinsicht. Im neuen Milchviehstall – natürlich einer Holz-Konstruktion – wurde eine Besuchergalerie eingeplant. Von dort aus können alle Bereiche inklusive der muttergebundenen Kälberaufzucht von Besuchern beobachtet werden. Hier wird ein realistisches Bild der biologischen Tierhaltung vermittelt. Konsumentenarbeit passiert aber auch bei Schule am Bauernhof, bei zahlreichen Führungen und den Bauernhoferlebnistagen in der Schulschlusswoche mit einem Stationsbetrieb für Volksschulklassen am Feld und im Stall. Bis zu 3000 Kinder, also Konsumentinnen von morgen bekommen so einen Zugang zu biologischen Lebensmitteln.
Die Ackerflächen rund um den Grottenhof wurden durch Hecken mit dazugehörigen Spazierwegen strukturiert. Die umliegende Bevölkerung weiß diese Möglichkeit der Naherholung zu nutzen und bekommt damit einen guten Einblick in die Landwirtschaft. Umgekehrt ist es eine hervorragende Möglichkeit, über Schautafeln Information weiter zu geben. Mit dem Satz „Auf diesem Feld wachsen 4000 Laib Brot“ hat Erich Kerngast schon die nächste Idee, wie die Wichtigkeit der Landwirtschaft wieder Eingang in unser alle Köpfe finden kann.
Für die Vermarktung der Lebensmittel – es gibt vom Hof Getreide-, Milch- und Fleischprodukte, Eier und vieles mehr – gibt es einen Hofladen, der an zwei Nachmittagen in der Woche geöffnet hat. Ergänzt wird das Angebot durch einen Milchautomaten, wo zu Spitzenzeiten im heurigen Frühjahr 300 Liter Mich je Tag gezapft wurden. Zusätzlich wurde im Frühjahr ein Verkaufsautomat in Betrieb genommen, auch er wird sehr gut angenommen.

Und die Technik in der Landwirtschaft? „Smart Farming wird die Produktion verbessern, die Effizienz steigern, aber den Preis nicht verändern – und damit die Situation der Landwirtschaft nicht verbessern“, ist Kerngast überzeugt. Womit wohl ein weiterer Beweggrund zur Umstellung des Schulbetriebes beschrieben ist. Es muss den Menschen in der Landwirtschaft gut gehen, sie müssen sich mit den Produkten identifizieren und ihre Arbeit dafür geschätzt werden.

DI Heinz Köstenbauer, Bio Ernte Steiermark führte das Interview mit DI Erich Kerngast, Direktor der Landwirtschaftlichen Fachschule Grottenhof.

Fachschule Grottenhof
50 ha Ackerland
60 ha Wiesenweide
50 ha Almfläche
160 ha Wald

40 Milchkühe
18 Mutterkühe mit Jungrindern
12 Zuchtsauen mit Ausmast
20 Schafe, 25 Pferde, 150 Legehennen
Vermarktung:
50.000 l Milch als Frischmilch
40.000 l werden in der Hofmolkerei weiterverarbeitet
120 Schweine, 25 Rinder, 20 Lämmer