LK Wahl: Positionen zur Bio-Landwirtschaft

In der täglichen Arbeit von BIO AUSTRIA OÖ ist die Oberösterreichische Landwirtschaftskammer ein wesentlicher Partner. Im Bildungsbereich genauso wie in der Bioberatung, für die erfolgreiche Umsetzung von Projekten und für die Entwicklung der notwendigen Rahmenbedingungen für die biologische Landwirtschaft.

Bio Austria Oberösterreich ist in der Landwirtschaftskammer der anerkannte Fachverband für die biologische Landwirtschaft. Daher sehen wir es als unsere Aufgabe, die bäuerliche Interessensvertretung im Sinne der Biobäuerinnen und Biobauern mitzugestalten. Eine gute Gesprächsbasis mit dem Präsidium sowie mit allen Fraktionen in der Vollversammlung ist uns sehr wichtig, um auch zukünftig die Anliegen der Biobäuerinnen und Biobauern einbringen und verankern zu können. Wir haben die Vertreter der Fraktionen im Vorfeld der kommenden LK-Wahl um ihre Stellungnahme zu wichtigen Fragen gebeten, die den biologischen Landbau betreffen. Auf den nächsten Seiten finden Sie die Zusammenfassung der Antworten.

Unsere Fragen an die Vertreter der Fraktionen:

Frage 1: Welche Chancen und Perspektiven siehst Du in den nächsten Jahren für die Biolandwirtschaft in Oberösterreich?

Frage 2: Durch welche konkreten Maßnahmen möchte Deine Fraktion die Interessen der Biobäuerinnen und Biobauern in Oberösterreich unterstützen?

Frage 3: Umfragen zufolge erwarten sich Konsumentinnen und Konsumenten von der Landwirtschaft qualitativ hochwertige Lebensmittel, bevorzugt aus der Region, die möglichst „natürlich“ – also ohne Einsatz synthetischer Chemie und Gentechnik – produziert wurden. Welche konkreten Schritte wird der Bauernbund setzen, damit die Landwirtschaft diese Erwartungen erfüllen kann?

In der Bioinfo Nr. 12/2020 haben wir aus Platzgründen eine Zusammenfassung der erhaltenen Antworten veröffentlicht. Hier finden Sie die ungekürzten Stellungsnahmen der Vertreter von OÖ Bauernbund, der Grünen Bäuerinnen und Bauern und des Unabhängigen Bauernverbandes (UBV).

Stellungnahme von LAbg. Michaela Langer-Weninger, Präsidentin der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, Bauernbund

© LK OÖ

Zu Frage 1:

Österreich nimmt innerhalb der EU bei der Entwicklung des Biolandbaus die Spitzenposition ein. In Oberösterreich wirtschaften etwa 20 Prozent der Betriebe nach biologischen Grundsätzen. Wir Biobäuerinnen und Biobauern verfolgen in der Bewirtschaftung ihrer Betriebe einen ganzheitlichen Ansatz und versuchen geschlossene Betriebskreisläufe zu erreichen.
Österreich hat weltweit als erstes Land konkrete Richtlinien für den Biolandbau geschaffen. Heute werden die Vorgaben für den Biolandbau in verschiedenen EU-Bioverordnungen und in den „Richtlinien Biologische Produktion“ (vormals österreichischer Lebensmittelcodex) geregelt.
73 Prozent der Bäuerinnen und Bauern sprechen dem Biolandbau sehr gute oder gute Entwicklungschancen zu. Gerade in Verbindung mit der Direktvermarktung sowie in kleineren Produktionssparten gibt es aktuell eine Reihe von Markt- und Einkommenspotentialen, die im Rahmen des Biolandbaus genutzt werden können.
Der Biolandbau hat in der Bevölkerung und Öffentlichkeit aufgrund seiner Leistungen eine sehr hohe Akzeptanz. Und das weit über unsere Grenzen hinaus. Dieses Potenzial zu nutzen, hat sich nun auch die Europäische Kommission zum Ziel gesetzt. Im Rahmen des europäischen „Green Deals“ hat sich die EU bis 2030 das ehrgeizige Ziel gesetzt, dass 25 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche biologisch bewirtschaftet werden sollen. Dieses ambitionierte Ziel ist ein klares Bekenntnis zur biologischen Wirtschaftsweise. Im Bauernbund begrüßen wir grundsätzlich dieses Vorhaben. Es braucht dabei aber auch genaues Augenmaß im Sinne von uns Biobäuerinnen und Biobauern, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage halten zu können. Der Bio-Aktionsplan 2030 darf unsere oberösterreichische Bio-Produktion nicht unter Druck setzen. Er muss zusätzliche Chancen bieten, damit ein faires Einkommen bestehender Bio-Betriebe möglich ist. Die Ausweitung der Bio-Produktion muss daher auf ein breites, EU-weites Maßnahmenpaket bauen, welches wir aktiv einfordern. Damit soll eine marktkonforme positive Weiterentwicklung des Biolandbaus ermöglicht werden.

Zu Frage 2:

Im Bauernbund setzen wir uns aktiv dafür ein, dass Vorgaben für den Biolandbau auch für unsere kleinstrukturierten bäuerlichen Familienbetriebe und Bergbauernbetriebe machbar bleiben. Zuletzt haben insbesondere EU-Vorgaben in den Bereichen Weidehaltung, Auslaufüberdachung, Anbindehaltung und Eingriffen bei Nutztieren zu kaum mehr umsetzbaren Vorgaben und Auflagen geführt. Damit werden bisher erfolgreiche Betriebskonzepte und betriebliche Einkommensmodelle nachhaltig in Frage gestellt. Daher setzen wir uns in enger Abstimmung mit den Bioverbänden weiter für eine praktikable Umsetzung von EU-Vorgaben und ausreichenden Übergangsfristen ein.
Im Hinblick auf das Agrarumweltprogramm ÖPUL fordern wir, dass ein regelmäßiger Neueinstieg in die Maßnahme des ökologischen Landbaus ermöglicht wird. Damit soll eine marktkonforme und kontinuierlichere Weiterentwicklung im Biolandbau sichergestellt werden.
Ein weiterer wichtiger Knackpunkt auf Landes- und Bundesebene ist uns die Erhöhung des Einsatzes von Biolebensmitteln in öffentlichen Küchen. Dazu ist nicht zuletzt auch die Bewusstseinsbildung bei den Konsumentinnen und Konsumenten erforderlich. Zahlreiche Aktivitäten für ein gestärktes Bewusstsein hinsichtlich Lebensmittelqualität haben dazu geführt, dass der Absatz von Bio-Lebensmitteln gerade in der heurigen Pandemie-Situation sehr deutlich angestiegen ist.

Zu Frage 3:

Gentechnik-Freiheit ist in vielen Produktionssparten bereits Branchenstandard. Zum Teil ist die gentechnikfreie Fütterung in AMA-Gütesiegel-Richtlinien verankert (z.B. bei AMA-Gütesiegel Milch), in anderen AMA-Gütesiegel Richtlinien gibt es ein freiwilliges Modul für die gentechnikfreie Fütterung. Unabhängig davon haben wir in Österreich einen sehr hohen Lebensmittelstandard im internationalen Vergleich und setzen laufend weitere Initiativen und Maßnahmen, um den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel auf einem niedrigen Niveau zu halten bzw. weiter zu minimieren.
Als Beispiele seien hier der Pflanzenschutz-Warndienst und der Integrierte Pflanzenschutz oder die Aktivitäten der Boden.Wasser.Schutz.Beratung genannt.
Unsere österreichischen bäuerlichen Produkte müssen im Supermarktregal mit billigeren Produkten aus anderen EU-Staaten und Drittländern konkurrieren. Strengere und höhere Auflagen in der bäuerlichen Produktion müssen in ihrem Mehraufwand über den Preis abgegolten werden, damit es für uns Bauern machbar bleibt. Solange billigere, ausländische Waren nachgefragt und gekauft werden, können von der Allgemeinheit der Bauern keine teureren Produktionsverfahren umgesetzt werden. Wir setzen uns für klare Produktdifferenzierungen in Form von Qualitäts- und Tierwohlprogrammen sowie die marktkonforme Forcierung des Biolandbaus aus. Neben entsprechenden Förderanreizen müssen die Mehrkosten höherer Produktionsstandards auch fair über entsprechende Preiszuschläge abgegolten werden.
Und umso notwendiger ist die Umsetzung einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung, sowohl bei verarbeiteten Produkten als auch in der Gemeinschaftsgastronomie. Konsumenten greifen bewusst und gerne zu qualitätsvollen österreichischen Produkten – wenn sie sie auch erkennen können. Für echte Wettbewerbsfähigkeit muss die Herkunft unserer Lebensmittel transparent sein.

Stellungnahme von NAbg. Clemens Stammler, Landwirtschaftskammerrat, Obmann der Grünen Bäuerinnen und Bauern, Bio-Milchviehbauer

© Gruene OÖ

Zu Frage 1:

Die kleinteilige oberösterreichische Landwirtschaft, basierend auf bäuerlichen Familienbetrieben kann und wird sich nur über Qualität am Markt behaupten. Die konventionelle Landwirtschaft, egal wie intensiv oder wie groß ihre Einheiten sind, stehen immer in Konkurrenz zum Weltmarkt und müssen sich dort mit den billigsten Rohstofflieferanten für die Lebensmittelindustrie messen. Da kann es für Oberösterreich nur logisch sein, auf den höchsten messbaren Qualitätsstandard zu setzen. Abseits der biologischen Qualitätsproduktion von Lebensmitteln etabliert sich der Biolandbau als richtige Antwort auf die Klima-und Biodiversitätskrise. Mit der „ farm to fork“-Strategie erkennt auch die europäische Union, dass es für nachhaltigen Klimaschutz regionale Konzepte der Landwirtschaft und kürzere Transportwege braucht. Diese kürzeren Transportwege bietet der biologische Landbau schon jetzt, –da zum Beispiel der Großteil des Futtergetreides und Sojas aus dem europäischen Raum und nicht aus Brasilien oder den USA kommt. Der Vorsprung Oberösterreichs im Biolandbau im europäischen Vergleich ist ein Wissensvorsprung!

Zu Frage 2 und 3:

Die Grünen und insbesondere die Grünen Bäuerinnen und Bauern sind seit jeher die Stimme des Biologischen Landbaus im politischen Spektrum –und nicht erst seitdem Bio eine anerkannte Größe ist. Egal ob unsere Vorstandsmitglieder oder unsere KandidatInnenliste für die LK Wahl, –der Bio-Anteil beträgt knappe 100% und nicht wie bei unserem Mitbewerbereinige wenige Biofeigenblätter! Erkennbar wird das in vielerlei Hinsicht, zum Beispiel gibt es den Ausschuss für Biolandbau und Direktvermarktung in der Landwirtschaftskammer erst seitdem wir Grüne Bäuerinnen und Bauern in die Kammer eingezogen sind und diesen forderten. Dieser Ausschuss ist eine wichtige Plattform, um die Anliegen der Biobäuerinnen und Biobauern in die Strukturen der LK einfließen zu lassen.
Ein großes Anliegen ist uns die GAP ab 2023, da hier die Weichen für die Zukunft der Bäuerinnen und Bauern gestellt werden. Es muss eine Förderung für Biobäuerinnen und Biobauern eingeführt werden, die ihrer erbrachten Leistung für Natur, Umwelt und Gesellschaft gerecht wird. Mit der Gießkannen-Förderungspolitik für jede Form von Landwirtschaft, egal wie gesund für Mensch, Tier und Boden, muss endlich Schluss sein! Wir brauchen moderne, regionale Vermarktungswege, um die Verschiebung der Wertschöpfung der letzten 40 Jahre, von der Landwirtschaft hin zum Lebensmittelhandel wieder zurück zu den Höfen zu bekommen. Das Land und der Bund müssen als Vorbild vorangehen. Daher müssen Biolebensmittel verpflichtend in die öffentlichen Küchen und Kantinen kommen: mindestens 50% Bioanteil jeweils für Milch, Fleisch, Eier, Getreide, Gemüse & Obst! Wer will, dass Bio mit dem Markt wächst, muss willens sein den Markt zu verändern! Die biologische Landwirtschaft muss sich weiterentwickeln: Bisher hat sich der Biolandbau als auch die Bio-Tierhaltung auf das Zuchtmaterial der konventionellen Landwirtschaft gestützt. Die Schere der Bedürfnisse und Anforderungen der biologischen und konventionellen Landwirtschaft an gezüchteten Sorten und Tierlinienklafft aber immer stärker auseinander. Darum brauchen wir mehr Geld für Forschung, eigene Zuchtparameter und Zuchtwertschätzungen um zu klimafittem, gesundem und widerstandsfähigem Saat-und Pflanzgut zu kommen und zum anderen um Nutztiere zu erhalten, deren Lebensleistung im Mittelpunkt steht und die regionales Eiweiß noch verstoffwechseln können. Ganz sicher brauchen wir aber keine Patente auf Saatgut, Pflanzen & Tiere! Der Grüne Bericht OÖ 2020 zeigt eindrucksvoll einige Graphiken (Seite 21,22) über die Ertragsfähigkeit oberösterreichischer Böden und Selbstversorgungsgrade Oberösterreichs in den Jahren 2035-2065 bei gleichbleibend voranschreitendem Klimawandel. Demnach wird die Ertragsfähigkeit um bis zu 30% und der Eigenversorgungsgrad um rund 40% sinken und uns damit massiv von Importen abhängig machen. Wenn wir also den Wunsch der KonsumentInnen nach gesunden und regionalen Lebensmitteln nachkommen wollen, müssen wir unsere Böden mit all unserer Kraft schützen. Qualitativ mit Biolandbau, Quantitativ mit einem Stopp der Versiegelung! Wir Grüne Bäuerinnen und Bauern werden dies mit all unserer Kraft, auf allen Ebenen, ob Kammer, Land, Bund oder EU tun. Dazu brauchen wir Deine Stimme!

Stellungnahme von ÖR Johann Großpötzl , Landwirtschaftskammerrat, Unabhängiger Bauernverband OÖ

© privat

Der UBV als überparteiliche Interessenvertretung vertritt alle Bauern, unabhängig von parteipolitischer Gesinnung, Produktionssparte und -weise. Wir sehen den Biolandbau als eine von mehreren möglichen Zukunftsperspektiven. Daher fordern wir faire Rahmenbedingungen und Spielregeln am Markt. Wir wollen, dass die (Bio-)Bauern nicht dem Weltmarkt geopfert werden, wir wollen starke Bauernhöfe, schlanke Verwaltung und ausreichend Geldmittel für den Biolandbau – und die vertragliche Sicherheit, dass es zu keinen Rückforderungen kommt. Der UBV ist die einzige Fraktion die auch Anträge für Bio-Bauern einreicht.
Unser Programm für eine Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik sieht eine höhere Prämie für
die ersten 30 ha vor, und für Bio-Bauern eine zusätzliche Entschädigung von 400 Euro je Hektar.

Abgeltung je ha Kulturland:
1 – 30 ha: 900,00 Euro – davon 200,00 € als CO2-Prämie (inkl. Almflächen)
31 – 60 ha: 700,00 Euro – davon 200,00 € als CO2-Prämie (inkl. Almflächen)
61 –100 ha : 500,00 Euro – davon 200,00 € als CO2-Prämie (inkl. Almflächen)
Über 100 ha: 200,00 Euro – davon 150,00 € als CO2-Prämie (inkl. Almflächen)
Biobauern: + 400,00 Euro je ha (ohne Almflächen)
Tierhalter: + 200,00 Euro je ha (ohne Almflächen)
Vorgaben: mindestens 0,5 GVE & max. 2 GVE je ha, Auslaufmöglichkeit bzw. & Laufstall
Tier-Wohl: + 300,00 Euro je ha (ohne Almflächen)

Für Benachteiligungen bei der Bewirtschaftung gibt es folgende Staffelungen je Hektar:
Erschwernis 1 + 100,00 Euro je ha (ohne Almflächen)
Erschwernis 2 + 200,00 Euro je ha (ohne Almflächen)
Erschwernis 3 + 300,00 Euro je ha (ohne Almflächen)
Erschwernis 4 + 500,00 Euro je ha (ohne Almflächen)
Landschaftselemente: + 200,00 Euro je ha (ohne Almflächen)

Beim Wald gilt folgende Staffelung:
1– 30 ha: 400,00 Euro – davon 200,00 € als CO2-Prämie
31– 60 ha: 350,00 Euro – davon 200,00 € als CO2-Prämie
61–100 ha: 300,00 Euro – davon 200,00 € als CO2-Prämie
Über 100 ha: 200,00 Euro – davon 150,00 € als CO2-Prämie
Für Flächen über 1.000 ha gibt es keine Leistungsabgeltungen mehr, bei der CO2-Prämie sind jedoch
100,00 Euro angesetzt.

Beispiel:
Ein Betrieb hat 110 ha. Dann gibt es für die ersten 30 ha 900 Euro, für die zweiten 30 ha 700 Euro und für die 40 ha auf 100 ha gerechnet 500 Euro je ha. Für die 10 ha darüber gibt es jeweils noch 100 Euro. Dazu gibt es bei jedem Betrieb die Option von Zuschlägen für Bio (bei Biobauern) bzw. generell für Tierhalter sowie für Tierwohl und Landschaftselemente (jeweils ohne Almflächen)!
Wenn wir als Bauern wirtschaftlich eine Zukunft haben wollen, dann muss sich etwas bei den Spielregeln ändern – egal ob im Berggebiet, als bio- oder konventioneller Bauer. Ein Blick auf die aktuellen Fakten zeigt, dass wir ökonomisch am Abgrund stehen. Wir verdienen für unsere erbrachten Leistungen zu wenig. Wenn die Bewirtschaftung eines Hektars Autobahngrünstreifen jährlich 62.000 Euro kostet, dann sind unsere Forderung von 900 Euro für die ersten 30 ha Kulturland sicher gerechtfertigt.
Man kann es drehen und wenden wie man will, die bisherigen Agrarpolitiken sind gescheitert. Wir brauchen Alternativen. Das UBV-Konzept steht für die Notwendigkeiten des Unternehmers Bauer. Es sagt, was es braucht und redet nichts schön. Es will positiv verändern. Daher: Es braucht neue Wege in der Agrarpolitik!