Nebenbei geht es nicht

Franz Ölzant bewirtschaftet einen Bio-Schweinezuchtbetrieb und hat schon während der Stallplanung ein Hauptaugenmerk auf die Arbeitswirtschaft gelegt.
Gerade Mistachsen, schnelles Öffnen und Schließen von Türen, einfache Versorgung mit Stroh, gute Lichtverhältnisse und die Wasserversorgung waren Franz Ölzant von Anfang an wichtig. Denn nur so sei ein gutes Management im Stall möglich.

Sauenmanagement

Jede Sau hat eine Sauenkarte zugewiesen, diese Karte geht mit der Sau über alle Würfe mit. Es gibt auch einen elektronischen Sauenplaner, aber für die Selektion etc. werden die Sauenkarten verwendet. Dort werden Verhaltensweisen beispielsweise bereits bei der Geburt notiert. Diese Informationen werden später auch für die Selektion der Nachzucht verwendet.
Es wird ein fixer dreiwöchiger Rhythmus mit sieben Wochen Säugezeit gefahren. Die längere Säugezeit hilft, dass die Sauen – auch wenn sie mal nach zu belegen sind – problemlos in der nächsten Gruppe mitlaufen. So sind die Sauen auf minus/plus drei Tage rauschig und dies ist dann auch so in der Säugezeit. Im Durchschnitt ist die Säugezeit 47,34 Tage. Franz ist dieser Rhythmus sehr wichtig, denn so kann er auch Privates gut planen. Er weiß, was wann passiert in seinem Stall.

Die Selektion einer Sau berücksichtigt ihre positiven Eigenschaften und das Gefühl für das Tier. Oft ist es bei der Abferkelung schon klar, da sie zum Beispiel Wehenschwächen hat, sich plump ablegt und Ferkel erdrückt.
Allgemein ist es Franz wichtig, regelmäßig und bei medizinischer Notwendigkeit Proben zu nehmen und Untersuchungen zu machen. Immer in Rücksprache mit seinem Tierarzt werden Kot- oder Blutproben gezogen. Sind mal mehrere Kümmerer auffallend, wird auch ein lebendes Ferkel ins Labor gebracht. Er hält nichts davon, frisch tote Ferkel ins Labor zu bringen, da die Keime sich zu schnell vermehren und das Ergebnis verfälschen können. Nachdem die Ergebnisse vorliegen, werden Behandlungspläne erstellt. Am häufigsten sind dies Management-Maßnahmen oder Impfungen. Antibiotika werden kaum eingesetzt.

Wenn es sich einrichten lässt, werden die Jungsauen ein paar Tage vor dem geplanten Absetztermin angeliefert. In der Transport-Rausche werden sie nicht belegt, da sie in diesem Fall oft nur wenige Ferkel haben. Die Sauen werden nach vier Wochen belegt, wenn sie in die richtige Rausche kommen, und bleiben in der Jungsauen-Bucht. Die eigentliche Eingliederung findet nach dem Absetzen beziehungsweise im Gruppensäugen statt. Im Gruppensäugen sind die Sauen so auf sich und den Wurf konzentriert, dass es zu keinen Problemen kommt. Der Eber kommt sofort nach dem Absetzen dazu und ist sozusagen der Chef, somit ist die Eingliederung kein Problem.

Abferkelung

Eine Abferkelkontrolle oder Geburtsüberwachung wird nicht gemacht. Früher gab es Kameras, die aber nicht mehr verwendet werden. „Man könnte mit einem Ferkel pro Wurf mehr rechnen, würde man eine Geburtsüberwachung machen. Vorteil wäre, dass die schwachen Ferkel ans Gesäuge für die Biestmilch-Aufnahme angelegt werden könnten und so auch nicht auskühlen“, meint Franz Ölzant. Im Winter, wenn es extrem kalt ist, wird am Abend noch ein Kontrollgang gemacht, um nasse Ferkel ins Trockene zu bringen.

Fütterung

Es wird händisch gefüttert, bis auf den Ferkelbereich – dort wird ein Kettensystem verwendet. Bei der Fütterung werden die Tiere kontrolliert: Stehen alle auf und kommen zum Fressen? Fehlt ein Tier, ist es das erste Alarmzeichen. Bei den Sauen wird mit dem Futterwagen durchgefahren, die Sauen, die schon 90 Tage trächtig sind, bekommen beim Rückweg noch etwas zu fressen, um sie richtig zu konditionieren. Bei den Abferkelbuchten wird nur Futter gegeben, wenn die Sau kommt, sonst muss sie eine Mahlzeit aussetzen. Dies ist allerdings ein Alarmzeichen, dem Franz Ölzant sofort nachgeht.

Franz Ölzant, Brand-Nagelberg, NÖ

  • Bio-Betrieb seit 1994
    2003 Neubau eines Kaltstalles für 80 Bio-Zuchtsauen und Aufzucht
    53 ha Ackerfläche
    Anbau von Speisegetreide und Kartoffeln
  • Im Durchschnitt hat eine Sau sechs bis sieben Würfe. Die Remontierungsrate liegt bei durchschnittlich 35 %.
    Im Durchschnitt 15,3 geborene Ferkel pro Wurf; 12,91 lebend geborene; durchschnittlich werden 20 Ferkel pro Sau und Jahr abgesetzt
    Umrauscher-Quote lag 2019 bei 7 %. Als Hauptursachen werden vom Betriebsleiter das Futter und der Eber gesehen.
    20 Arbeitsstunden/Zuchtsau ergeben etwa 1600 Stunden/Jahr.
    Betrieb ist frei von PRRS (drei- bis viermal pro Jahr getestet) und seit zehn Jahren räudefrei.

Kontakt

  • Dr. Simone Schaumberger

    BIO AUSTRIA, Landwirtschaft
    Beratung Schweine
    • simone.schaumberger@bio-austria.at
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