Omnibus mit Für und Wider

Veröffentlicht am 11. Juni 2026
© BIO AUSTRIA

Eine Omnibus-Initiative der Europäischen Kommission soll das EU-Pflanzenschutz-mittelrecht vereinfachen und Biocontrol-Produkte stärken. Was steckt konkret in dem Gesetzespaket und kann die biologische Landwirtschaft profitieren?
Die Europäische Kommission verfolgt das Ziel, den Einsatz von gefährlichen che-misch-synthetischen Pestiziden zu redu-zieren. Um der konventionellen Landwirt-schaft Alternativen zu bieten, sollen so-genannte Biocontrol-Produkte beschleu-nigt zugelassen werden. Darunter versteht man Pflanzenschutzmittel natürlichen Ursprungs, wie Mikroorganismen oder Pflanzenextrakte.

„Aufwendige Zulassungs-verfahren bremsen
die Verfügbarkeit von Biocontrol-Produkten.“

THOMAS FERTL

Der Bio-Landbau verzichtet von vorneherein auf den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide und setzt primär auf Pflanzengesundheit durch vorbeugende Maßnahmen. Wird der Druck durch Schädlinge und Krankheiten dennoch zu hoch, werden biotaugliche Pflanzenschutzmittel benötigt. Ein Teil der Biocontrol-Produkte kommt hierfür in Frage, daher könnte die Bio-Landwirtschaft auch von den beschleunigten Zulassungsverfahren profitieren. Denn bislang bremsen teure und aufwendige Zulassungsverfahren die Verfügbarkeit von nötigen Mitteln für die Bio-Landwirtschaft.

Ein Schritt vor

Nun hat die Europäische Kommission ein sogenanntes Omnibus-Paket mit Vorschlägen zur Anpassung des EU-Pflanzenschutzmittelrechts vorgelegt: Biocontrol-Wirkstoffe sollen künftig bei Zulassungsverfahren priorisiert behandelt werden. Möglichkeiten zur vorläufigen Zulassung und bessere gegenseitige Anerkennung zwischen EU-Mitgliedsstaaten sollen weitere Hürden abbauen. Grundsätzlich sind diese Schritte zu begrüßen. Doch die zuständigen Behörden brauchen zusätzlich mehr Ressourcen, um die Verfahren auch wirklich rasch abarbeiten zu können. Ansonsten provoziert man einen Rückstau der Risikobewertungen, wodurch herkömmliche Pestizide eine technische Verlängerung erhalten könnten. Ein weiterer Kritikpunkt: die zu weit gefasste Definition von Biocontrol-Wirkstoffen verleiht synthetisierten Mitteln, welche den natürlichen nur ähnlich sind, einen grünen Anstrich und spielt Agrochemie-Konzernen in die Hände.

Zwei Schritte zurück

Im Widerspruch zum Ziel, den Einsatz chemisch-synthethischer Pflanzenschutzmittel zu reduzieren und Biocontrol zu forcieren, beinhaltet der Omnibus auch massive Lockerungen für chemisch-synthetische Pestizide: etwa 90 Prozent aller Pestizid-Wirkstoffe könnten künftig unbefristet genehmigt werden. Erleichterungen für temporäre Genehmigungen, beschleunigte Zulassungsverfahren und verlängerte Aufbrauchfristen für verbotene Pestizide sind weitere Lockerungen, über die sich die Agrochemie-Lobby freuen darf. Das umstrittene Omnibus-Paket muss noch durch das Europäische Parlament und den Rat angenommen werden. Blick aufs Ganze richten Die Omnibus-Initiative lässt den Blick aufs Ganze vermissen. Verbesserungen für Biocontrol-Produkte sind freilich zu begrüßen. Doch die gesteckten Ziele können nur dann erreicht werden, wenn gleichzeitig auch Anreize für systemische Veränderungen gesetzt werden. Das fängt beim Erhalt intakter Ökosysteme mit der Fähigkeit zur Selbstregulation an und muss standortangepasste Sortenwahl, Fruchtfolgen und Kreislaufwirtschaft umfassen. Damit können die Auswirkungen des Klimawandels abgefedert, Stress für Pflanzen reduziert und die Pflanzengesundheit langfristig gestärkt werden. In einem solchen System sind Biocontrol-Produkte ein weiterer Mosaikstein, um umfassend nachhaltige Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion für Generationen abzusichern.

Kontakt

  • Mag. Thomas Fertl

    BIO AUSTRIA, Leitung Agrarpolitik und Internationale Beziehungen
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