Unsere Kühe sind Grasfresser

©Edler/BIO AUSTRIA
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Am Bio-Betrieb Angleitner in Aurolzmünster im Innviertel wurde vor vielen Jahren der Hebel umgelegt. Die Devise lautete: Weg vom Gas und dafür mehr Lebensqualität.

Eingebettet zwischen Weiden, Wiesen und Getreidefeldern bietet sich am Bio-Betrieb von Klara und Franz Angleitner die Milchviehhaltung geradezu an. Seit vier Jahren wird Bio-Heumilch produziert und das überwiegend aus dem Grundfutter. Kraftfutter gibt es nur als Lockmittel im Melkstand. Nicht nur bei der Fütterung wird auf die Fähigkeiten der Milchkühe gesetzt. Schon länger gehören auch das Tränken der Kälber und das Waschen der Eimer der Vergangenheit an. Alle Kälber werden bis zu einem Alter von drei Monaten von ihren Müttern aufgezogen. Danach kommt ein Teil auf einen Mastbetrieb, die restlichen Tiere werden am Betrieb fertiggemästet. Für die Bestandesergänzung werden Kalbinnen zugekauft. Von Dezember bis Ende Jänner ist Melkpause, die freie Zeit gehört der Familie.

Aus Überzeugung reduziert

„Wir haben den Betrieb vor fast 20 Jahren übernommen und ihn zuerst sehr intensiv bewirtschaftet. So wie wir es damals in der Schule gelernt haben“, berichtet Franz Angleitner von der Zeit, als er mit seiner Frau Klara den elterlichen Hof übernommen hat. „Nach drei Jahren war für uns klar, das ist nicht unser Weg: fünf- bis sechsmal im Jahr silieren, täglich den Futtermischwagen befüllen, voller Kraftfuttereinsatz, alles ohne Heu – weil Heu ist umsonst. Wir haben damals alles von Grund auf umgestellt.“ Wie so oft, kam auch von außen ein zusätzlicher Impuls für die heutige grundfutterbetonte Fütterung. Ein Exkursionsbericht von einigen Bauern in die Schweiz zu Low-Inputbetrieben machte Klara und Franz neugierig. Unmittelbar danach haben sie sich über Weidehaltung informiert und gleich damit begonnen. „Von überall her wurde uns gesagt, dass es gescheiter ist, wenn wir den Betrieb gleich verkaufen, denn so wird er auch weniger werden. Wir haben uns aber von unserem Entschluss nicht abbringen lassen.“ 2007 wurde dann auch noch auf Bio umgestellt.

Ziele setzen und verfolgen

Heute grasen die Kühe auf der arrondierten Kurzrasenweide und Kraftfutter wird nur mehr sehr sparsam eingesetzt. Übers Jahr bekommt jede Kuh maximal 300 bis 400 Kilo Kraftfutter. „Das reicht vollkommen, wenn die Qualität vom restlichen Futter im Trog passt“, meint der überzeugte Biobauer. „Eine Kuh ist in unseren Augen ein Grasfresser. Wir schauen, dass wir die meiste Milch aus unserem Grünland produzieren können.“ Zum Bio-Betrieb Angleitner gehören auch 20 Hektar Ackerflächen. Auf ihnen wird vorwiegend Speisegetreide angebaut. Verfüttert wird ein Triticale-Erbsengemisch mit etwas Hafer, das mit einer Mineralstoffmischung ergänzt wird.

Weniger funktioniert auch

Die Umstellung auf weniger Kraftfutter hat problemlos funktioniert. „Wir haben es nur mehr im Melkstand gefüttert. Dort haben die Kühe auch früher schon Kraftfutter bekommen, als wir noch mit dem Mischwagen gefüttert haben. Wir haben schon überlegt, überhaupt auf das Kraftfutter zu verzichten. Aber arbeitstechnisch ist es einfach praktisch, wenn zum Beispiel die Kalbinnen zum Anlernen sind“, erklärt Franz Angleitner, warum immer noch ein geringer Teil des Getreides im Futtertrog landet. Anfang November endet die Weidesaison. Dann gibt es auch kein Kraftfutter mehr. Die Kühe werden so bei der Milch heruntergebremst und trockengestellt.

Das Heu wird in einer 36 Ballen fassenden Trocknungsanlage getrocknet. Früher, wenn zu Weidebeginn noch ein Silo offen war, konnte es schon passieren, dass ein Teil der Silage verdorben ist. Heu ist viel praktischer und problemloser. Auch die optimale Kuhanzahl musste sich mit der Zeit erst einpendeln. Mit dem Wechsel auf die extensive Bewirtschaftung ist auch die Milchleistung zurückgegangen. „Wir haben zuerst von 35 auf 60 Kühe aufgestockt, damit wir wieder die gleiche Menge an Milch abliefern konnten. Natürlich mit dem Nachteil, dass zwar die Wirtschaftsweise extensiver, aber die Arbeit intensiver geworden ist“, betont Angleitner. Inzwischen wurde mit 40 Kühen der optimale Kuhbestand gefunden.

Beobachten und lernen

Für die Zusammenstellung der Futterration sind am Betrieb Angleitner drei Faktoren ausschlaggebend: die Tiere und deren Verhalten beobachten, Kotkonsistenz prüfen, Änderung der Milchmenge. Junges Gras macht den Kot dünnflüssig. Im Sommer wird daher Heu zugefüttert. Am besten Heu, das etwas älter gemäht wurde, aber trotzdem von hoher Qualität ist. Strukturreiches Heu wirkt sich positiv auf die Verdauung der Kühe aus. „Wenn es hinten nicht so rausspritzt, brauchen wir vorne nicht soviel hineinstecken. Es ist bestimmt nicht gut für die Kuh, wenn das Futter so schnell durchgeht“, ist Franz Angleitner überzeugt.

Zukünftig möchten die engagierten Betriebsleiter noch stärker auf den abgestuften Wiesenbau setzen. Es ist zwar noch Neuland, aber passt bestimmt gut zum Gesamtsystem und zur Philosophie der Familie. Mit weniger als 1000 Euro Tierarztkosten für die gesamte Herde und einem Durchschnittsalter der Kühe von 8,5 Jahren wird das Ehepaar Angleitner auf ihrem Weg bestätigt.

Autorin:

DI Veronika Edler, BIO AUSTRIA

Wissen:

Klara und Franz Angleitner, Aurolzmünster, Oberösterreich
45 ha Grünland
20 ha Acker, Speise- und Futtergetreide
Durchschnittlich 70 GVE, davon 40 Milchkühe, Mastrinder,
1 Charolaisstier
ø Milchmenge pro Kuh und Jahr: 5200 kg
1,5 Arbeitskräfte