Vielfalt auf meinem Betrieb – Von Blühstreifen, alten Obstbäumen und gelebter Vielfalt am Biohof Kleinortbauer

Olga und Thomas Huemer bewirtschaften den Biohof Kleinortbauer im oberösterreichischen Ennstal. Hier am Hof werden bewusst Strukturen und Lebensräume belassen und ein Miteinander von Bewirtschaftung und Biodiversität gelebt. Olga Huemer ist zudem ausgebildete Biodiversitätsvermittlerin im Rahmen des ÖKL-Projektes „Vielfalt auf meinem Betrieb und macht die Biodiversität zum Gesprächsthema.

Der Biohof Kleinortbauer

Der Hof liegt am Rande des Nationalpark Kalkalpen im oberösterreichischen Ennstal und wird als Gemischtbetrieb mit Schwerpunkt Gemüseanbau und Spezialkulturen bewirtschaftet. Die Vielfalt ist eine Grundsäule des Betriebes und die Betriebsphilosophie besteht darin, eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt zu bewahren.
Familie Huemer baut vor allem Lagergemüse wie Kartoffel, Zwiebeln, Knoblauch aber auch Tomaten, Gurken, Kohlgewächse, Kräuter und essbare Blüten an. Am Acker wachsen neben Roggen und Weizen auch Ölsaaten wie Hanf und Lein. Hier wird besonderer Wert auf samenfeste Sorten und angepasste Pflanzenbestände gelegt. Begleitende agrarökologische Maßnahmen bewahren das Gleichgewicht auf den Äckern, Wiesen und im Garten. So gibt es zu Beispiel ein- und mehrjährige Blühstreifen, um einen Lebensraum für Nützlinge zu schaffen – diese werden im Gemüsebau ganz besonders gebraucht.
Die meisten Urprodukte werden veredelt, um eine höhere Wertschöpfung zu erzielen – so gibt vom Hanföl, über Teigwaren bis zur Knoblauchpaste eine bunte Produktpalette. Sämtliche Produkte werden direkt vermarktet, teilweise Ab-Hof, über regionale Wiederverkäufer oder aber durch Hauszustellung. Seit kurzem lädt auch eine kleine Selbstbedienungshütte direkt an der Straße zum Einkaufen ein.
Neben den Ackerflächen werden auch Grünlandflächen bewirtschaftet. Die teilweise steilen Weiden werden von Krainer Steinschafen, einer extensiven kleinrahmigen Schafrasse, beweidet. Als weiteres Standbein werden rund 70 Legehennen gehalten.

Vielfalt fördern – der Tipp aus der Praxis

Familie Huemer setzt auf viele kleine Maßnahmen, die gut ins Bewirtschaftungskonzept passen und rund um den Hof Großes für die Vielfalt bewirken. So werden über den gesamten Betrieb verteilt bewusst Randstreifen stehen gelassen – so wird das Vorgewende schnell und ohne Aufwand zum Vielfaltsstreifen. Auch die Obstbäume werden nicht bei jeder Mahd mit ausgemäht, wodurch Rückzugsraum für Insekten und Tiere entsteht. Diese abgestufte Nutzung ermöglicht bei der Bewirtschaftung mehr Flexibilität. Bei der Anlage von Blühstreifen ist es wichtig, Saatgutmischungen mit heimischen Arten zu verwenden – diese sind optimal an die Witterungs- und Bodenverhältnisse angepasst und auch die Entwicklungszyklen der Insekten sind besser darauf abgestimmt. Besonders die mehrjährigen Blühstreifen schaffen ein kontinuierliches Blühangebot für Bestäuberinsekten rund um den Hof.

ÖKL-Projekt „Vielfalt auf meinem Betrieb“

Seit dem Jahr 2018 ist Olga Huemer im Rahmen des Projektes „Vielfalt auf meinem Betrieb“ vom Österreichischen Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung (ÖKL) auch auf anderen Betrieben unterwegs und gibt ihr Wissen rund um die Förderung der Biodiversität weiter. „Als geschulte Biodiversitätsvermittlerin versuche ich beim gemeinsamen Rundgang am Hof, den Blick gezielt auf das zu richten, was für die Vielfalt wichtig ist“, erzählt Olga Huemer. „Oftmals ist es den Betrieben noch gar nicht bewusst, welchen Wert zum Beispiel eine unverputzte Mauer, ein offener Geländeabbruch oder ein stehengebliebener Altgrasstreifen haben. Es ist für mich sehr interessant, zu erfahren, wie vorgefundene Vielfaltsecken aufgrund von Tradition, Interesse oder reinem Zufall auf den Betrieben entstehen. Das Schöne ist, dass so ein Betriebsgespräch auf ganz persönlicher Ebene zwischen zwei LandwirtInnen stattfindet. Während des gemeinsamen Betriebsrundgangs mache ich Fotos und jeder Betrieb bekommt dann ein kostenloses Plakat der individuellen Vielfalt am Betrieb vom ÖKL zugeschickt. Bei uns am Hof hat dieses Plakat einen Platz in der Selbstbedienungshütte gefunden, um auch KonsumentInnen über unsere Vielfalt zu informieren!“
Mehr über den Kleinortbauer gibt es auf der Facebook-Seite „Kleinortbauer Großraming“. Mehr zum ÖKL-Projekt, Informationen zur Teilnahme und eine bunte Vielfalt an Hofplakaten finden Sie unter www.vielfalt-am-betrieb.at oder im ÖKL unter bzw. T 01 505 1891 22.