Wenn im Grünland der Regen ausfällt

©Peratoner/Laimburg
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Die Bewässerung von Grünlandflächen ist in den trockenen Tälern Südtirols Praxis. Studien zeigen die Effekte auf Futterqualität und Pflanzenbestand.

Intensiv geführte Bestände mit hoher Nutzungsfrequenz sind im Allgemeinen stärker dem Risiko von Trockenheitsschäden ausgesetzt, da sich Wassermangel zum Zeitpunkt der Nutzung (Mahd, Weidegang) besonders negativ auswirkt.
Während bei einjährigen Monokulturen im Ackerbau ein starker Wassermangel in entscheidenden Entwicklungsstadien den Ertrag des ganzen Jahres empfindlich beeinträchtigen kann, hat das Grünland hingegen ein starkes Erholungsvermögen dank
– seiner Mischung an Arten mit verschiedenen Ansprüchen, Eigenschaften und Strategien sowie des zum Teil mehrjährigen Lebenszyklus der Pflanzen,
– des Ausgleichspotenzials durch Artenverschiebungen im Pflanzenbestand sowie der Zusammensetzung des Jahresertrags aus verschiedenen Aufwüchsen, welche zum Teil die Ertragsverminderung wettmachen können.

Grundregeln bei Trockenheit

Während der Trockenheitsperioden ist es ratsam, einige Grundregeln in Anlehnung Peter Frühwirth (2015) einzuhalten, welche eine Schadensbegrenzung sowie eine bessere Erholung des Pflanzenbestandes ermöglichen:
– Anpassung des Nutzungszeitpunktes, so dass Schnitt oder der Weidegang nicht mit dem Zeitpunkt des maximalen Wassermangels zusammenfallen. Diese Strategie ist umsetzbar, wenn kein starker Futtermangel im Betrieb herrscht und die Futterknappheit durch Zufütterung überbrückt werden kann;
– Bei Wiesen sollte die optimale Schnitthöhe (5 bis 7 cm) auch bei niedrigem Wuchs eingehalten werden, um die Reserven von bereits gestressten Pflanzen nicht zu erschöpfen;
– Effekte der Düngung sind bei anhaltender Trockenheit nicht zu erwarten und kommen erst zum Vorschein, sobald Wasser für die Pflanze wieder verfügbar ist.

Nach einer Trockenheitsperiode sind weitere Maßnahmen empfehlenswert, um einer nachteiligen Entwicklung des Pflanzenbestandes vorzubeugen (siehe Artikel von Starz und Lehner, Seite xx). Zu überlegen ist auch die Versicherung von Grünland gegen Dürre, um das Risiko eines wirtschaftlichen Schadens zu minimieren

Wie viel Wasser?

In Südtirol werden ungefähr 10 bis 15 Prozent der Grünlandfläche mit Schwerpunkt in den niederschlagsarmen Tälern wie dem Vinschgau bewässert. Lokal durchgeführte Feldversuche wiesen in zwei von drei Untersuchungsjahren Ertragsgewinne von bis zu 40 Prozent im Vergleich zu den unberegneten Kontrollparzellen auf. Wöchentliche, im fixen Turnus verabreichte Gaben von 20 bis 25 mm waren in der Regel ausreichend. Die Höhe der notwendigen Gabe hängt aber im Einzelfall vom Wassergehalt des Bodens vor der Beregnung sowie von seiner Speicherkapazität ab. Leichte, flachgründige Böden mit einem hohen Skelettanteil erfordern in dieser Hinsicht geringere, aber häufigere Wassergaben.

Bedarfsgerechte Beregnung In Südtirol erzielte eine bedarfsgerechte Beregnung, bei welcher Wasser nur bei Erreichen einer Saugspannung von 300 Millibar im Boden verabreicht wurde, denselben Ertrag einer Variante, die nach fixem Turnus beregnet wurde. Zu vergleichbaren Ergebnissen kam ein Versuch in der Schweiz, bei dem die Effizienz der Wassergaben gezielt ermittelt wurde. Dabei führte die bedarfsgerechte Beregnung, die aus Wassergaben von jeweils 40 Millimetern bei der Überschreitung von 300 Millibar Saugspannung im Boden bestand, zu einer um 43 bis 130 Prozent höheren Effizienz als fixe Wassergaben von 20 bis 30 mm pro Woche, inklusive höherer Wassergaben, die aber alle zwei oder alle drei Wochen verabreicht wurden.
Die praktische Umsetzung einer bedarfsgerechten Beregnung hängt aber von organisatorischen Aspekten ab. Eine erste Voraussetzung ist die flexible Verfügbarkeit des Beregnungswassers. In genossenschaftlich organisierten Bewässerungsstrukturen werden häufig starre, zeitlich relativ distanzierte Bewässerungsturnusse vorgegeben, die mit einer wie oben beschriebenen Bewässerung nach Bedarf kaum vereinbar sind. Zudem erfordert eine bedarfsgerechte Beregnung eine kontinuierliche, aufmerksame Beobachtung des Verlaufs der Bodenfeuchte mittels geeigneter Sensoren.

Effekte der Bewässerung

Die Ergebnisse verschiedener Studien weisen darauf hin, dass die Beregnung eine leichte Zunahme der Faserkomponente sowie eine leichte Abnahme von Rohprotein und Energiekonzentration zur Folge hat (siehe Tabelle). Dies liegt vermutlich an einer vermehrten Stängelbildung und somit an einem niedrigeren Blatt-zu-Stängel Verhältnis im Vergleich zu den unberegneten Varianten. Sobald die Qualität aber mit der Quantität kombiniert wird (Proteinertrag und Energieertrag), zeigt sich wieder der durchaus positive Effekt der Beregnung. Es gibt Hinweise, dass die Beregnung einige Arten tendenziell fördert. Darunter befinden sich das Englische Raygras, die Gemeine Rispe und die Lagerrispe, Löwenzahn sowie die Gruppe der Leguminosen.

Autoren:

Dr. Giovanni Peratoner, Dr. Martin Thalheimer, Versuchszentrum Laimburg, Südtirol, Italien