Zeit für Kuh und Kalb

©Promegger/BIO AUSTRIA
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Karl und Margret Bernhofer haben durch eine einfache Stallbaulösung ein individuelles System der Kälberaufzucht entwickelt. Dafür wurden sie beim Bio-Fuchs 2018 mit dem 2. Platz ausgezeichnet.

Am Stieglerhof wird seit 2013 eine Mischform aus muttergebundener Kälberaufzucht und Ammenkuhhaltung praktiziert.
Die erste Woche nach der Geburt bleiben die Kälber bei der Kuh, danach kommen sie in die Kälberhütte. Durch diese Außenbox mit Auslauf, direkt angrenzend an den Auslauf für die Milchkühe, haben diese auch außerhalb der Tränkezeit die Möglichkeit, nach ihren Kälbern zu sehen und können somit ihren Instinkt ausleben. Der Auslauf der Kälber kann durch schwenkbare Tore vergrößert werden. Das bringt enorme Vorteile bei den Mahlzeiten, da auch mehrere Kühe Platz haben und ihre Kälber in Ruhe tränken und betreuen können.
Meistens sind nur jeweils zwei bis drei Kälber gemeinsam im Stall. Der Mutterinstinkt der Kühe ist unterschiedlich, daher ist es nicht immer die Kuh, die ihr eigenes Kalb säugt. Nach der Kälbermahlzeit werden die Mütter oder Ammen noch im Melkstand ausgemolken, der Kälberauslauf wird auf seine normale Größe verkleinert und die Milchkühe haben wieder ihren ganzen Auslauf zur Verfügung.
Das Absetzen macht keine Probleme. Das Trennen von Kuh und Kalb erfolgt je nach Charakter der Mutter entweder durch das Saugenlassen bei einer Amme, sodass die Mutter zum Schluss nicht mehr die Milchversorgung übernimmt, sondern nur noch Sozialkontakt zum Kalb hat beziehungsweise wird der Mutter ein anderes Kalb zur Betreuung überlassen. Beim Absetzen der älteren Vollmilchkälber sind die Mütter meistens bereits sehr gelassen.

Eine einfache Lösung

Die Kälberbox selbst wurde aus Holzplatten gebaut, kann mit dem Hoflader aufgenommen und transportiert beziehungsweise auch für die Reinigung geneigt werden. Fenster machen die Box hell und freundlich. Der Bau erfolgte in Eigenleistung, die Kosten dafür betrugen circa 500 Euro. Die Umsetzung hat rund 10 Stunden Arbeitszeit in Anspruch genommen. Die einfache Zusammenführung von Kühen und ihren Kälbern zum Säugen war das oberste Ziel von Familie Bernhofer.

Weniger Arbeit und Kosten

Gesäugt werden die Kälber entweder vier Wochen lang, dann verkauft oder für die Vermarktung als Vollmilchkälber bis zu drei Monate. Ein Tränken mit dem Eimer ist nicht notwendig und damit entfallen auch die damit verbundenen Probleme und Arbeiten. Die Betriebsleiter sind der Ansicht, dass Kälbertränken mit Eimern mindestens gleich viel, wenn nicht sogar mehr Arbeit als die jetzige Form der Fütterung bedarf.
Die Kälber nehmen sehr schnell zu, sind gesund und vital. Außerdem hat sich deren Gesundheitsstatus verbessert. Krankheiten wie Durchfall, Bauchschmerzen oder das gegenseitige Besaugen kommen praktisch nicht mehr vor. Tierarztkosten fallen so gut wie keine mehr an.
„Uns ist das Tierwohl sehr wichtig. Mit dieser Form der Kälberhaltung erfüllen wir die Bedürfnisse von Kuh und Kalb bestmöglich. Die Kälber wachsen in einer Bindung zu ihrer Mutter oder Amme und mit gleichaltrigen Tieren auf. Das Konzept passt für uns sehr gut, oft geht es nur um die Idee!“

Wissen:

Karl und Margret Bernhofer, Golling, Salzburg

10,5 ha Grünland
10 Milchkühe
140 Legehennen

Auszeichnung mit Platz 2 beim Bio-Fuchs 2018, ein Innovationspreis, der von BIO AUSTRIA für besondere Ideen oder Erfindungen jährlich an seine Mitglieder vergeben wird.