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Biomaps 2019

Umstellung

Foto: © BIO AUSTRIA/Jungreithmayr
Foto: © BIO AUSTRIA/Jungreithmayr

Der biologische Landbau als ganzheitliche Bewirtschaftungsform setzt eine Vielzahl von Maßnahmen zum Erhalt gesunder Grünlandbestände ein.

Verunkrautete Flächen haben stets eine Vorgeschichte und es gilt, diese zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Jeder landwirtschaftliche Betrieb ist einzigartig und individuell, daher ist der erste wichtige Schritt zum Bio-Grünland die Einteilung der Flächen nach ihren Nutzungsmöglichkeiten.

Abgestufter Wiesenbau

Die wenigsten Betriebe haben ausschließlich sehr gute Standorte zur Verfügung, die alle intensiv nutzbar sind. Im Normalfall haben wir neben ebenen, tiefgründigen Schlägen auch seichtgründige, staunasse, steile oder sonst benachteiligte Flächen, die natürlichen Nutzungsgrenzen unterliegen.
Der Schweizer Grünlandforscher Walter Dietl bringt es auf den Punkt: „der Standort entscheidet, die Bewirtschaftung prägt.“ Dabei sollen auf jedem Bauernhof neben sehr intensiven Raygras-Wiesenrispenwiesen und –weiden noch mittelintensive Knaulgras- oder Wiesenfuchsschwanzwiesen, wenig intensive Gold- oder Glatthaferwiesen, sowie nicht gedüngte Magerwiesen und Hutweiden vorkommen. Auf ackerfähigen Standorten liefern Wechselwiesen und Feldfutterflächen zusätzliches Eiweiß- und Energiefutter für unsere Wiederkäuer.

Goldhafer und Glatthaferwiesen

Gute Futtergräser dieser Wiesen sind außerdem Timothe und Wiesen-Schwingel. Dieser Wiesentyp ist typisch im Berggebiet und auf steilen Flächen anzutreffen. Hier wird zwei bis drei Mal gemäht, häufig wird der Herbstaufwuchs beweidet. In einem Praxisversuch konnte eine eindeutige Verschlechterung im Pflanzenbestand bei Vorverlegung des ersten Schnittes von Anfang Juni auf Mitte Mai festgestellt werden.
Das Problem sind dabei die fehlenden intensivierbaren Arten. Diese müssen bei Vorverlegung des ersten Schnittes, häufig durch Umstellung von Mist- auf Güllesystem bedingt, begleitend übergesät werden: Englisches Raygras, Wiesenrispe, Knaulgras. Fallen die Horstgräser dieser Wiesen aus, kann sich die Gemeine Rispe stark ausbreiten. Versucht man dieser Entwicklung mit hohen Einzel-Güllegaben gegen zusteuern, kann auch der Stumpfblättrige Ampfer zum Problem werden. Eine Übersaat alle drei Jahre reicht bei diesem Wiesentyp ansonsten aus.

Knaulgras und Wiesenfuchsschwanzwiesen

Dauerwiesen in Österreich halten, mit Ausnahme des begünstigten Rheintales in Vorarlberg, in Gunstlagen maximal vier Schnitte aus, ohne an Ertragsfähigkeit zu verlieren. Eine weitere Intensivierung führt zwar kurzfristig zu höheren Eiweiß- und Energieerträgen, der Pflanzenbestand gerät jedoch aus dem Gleichgewicht. Der Stumpfblatt-Ampfer zeigt Nährstoffreichtum oder Verdichtungen an, während die Gemeine Rispe auf ein Zusammenbrechen des Bestandes hinweist. Ab vier Nutzungen sollte deshalb jedes Jahr mit geringer Saatgutmenge nachgesät werden.

Raygras-Wiesenrispenwiesen und -weiden

Ab fünf Nutzungen und bei Dauerweiden kommen nur mehr 2 Grasarten für hohe Qualitätserträge in Frage: Die Wiesenrispe und das Englische Raygras. Der Weißklee liefert als Leguminose zusätzliches Eiweiß. Es sind niedrigwüchsige Arten, wobei die Wiesenrispe mittels unterirdischer Ausläufer die berühmte dichte Grasnarbe bildet. Diese Bestände benötigen entsprechende Düngegaben, da die wertvollen Arten sonst hungern und Unkräuter vermehrt auftreten.

Pflanzen als Spiegelbild

Die Pflanzen sind der Spiegel des Bodens, deshalb muss der Bio-Betrieb der Bodenfruchtbarkeit viel Aufmerksamkeit schenken. Der wichtigste Nährstofflieferant am Bio-Betrieb ist der hofeigene Wirtschaftsdünger, wobei auf eine sachgerechte Lagerung und Ausbringung das ganze Jahr über zu achten ist. Um das Bodenleben, und hier vor allem den Regenwurm zu schützen, sollen maximal 12 – 15m³/ha Gülle oder Jauche je Gabe ausgebracht werden. Keinesfalls dürfen sich Krusten bilden, sodass Gräser darunter absticken und den Ampfer fördern.

Stallmist kann mit silikatischem Steinmehl gemischt werden, um Stickstoff zu binden. Auch hier gilt der Grundsatz: „komm oft, bring wenig“. Das Steinmehl kann entweder im Stall zu 0,5 kg je GVE/Tag gestreut werden, oder wird beim Aufsetzen der Feldmiete dazugegeben. Ist genügend Strohanteil in der Gülle, kann Steinmehl auch direkt in die Grube eingeblasen werden, ohne dass es sich am Boden absetzt. Mieten sind unbedingt mit Kompostvlies gegen Austrocknung oder Nässe, sowie Bewuchs mit Unkräutern zu schützen.

Weide

Eine sorgfältige Weideplanung ist für den biologisch wirtschaftenden Grünlandbetrieb unerlässlich. Weidesysteme wie Kurzrasen- Koppel- und Portionsweide können je nach Flächenaussattung umgesetzt werden, die Bio-Berater helfen gerne bei der Weidekonzepterstellung.
Der Ampfer kann mittels Weide am einfachsten reguliert werden, wie ein Praxisversuch zeigte. Wichtig ist dabei ein vorzeitiger Austrieb, wenn die Flächen ergrünen, und ein konstant hoher Viehbesatz das ganze Jahr über, damit die Aufwuchshöhe 5-7cm nie überschreitet. Eine Übersaat oder Neuanlage mit Wiesenrispe und Englisch-Raygras hilft beim Aufbau der Grasnarbe, diese sind in der Weidemischung KWEI vorhanden.

Nutzen Sie die Beratungsblätter zur Weide: zu den Beratungsblättern

Angeringer Wolfgang, Bio Ernte Steiermark

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