Bio-Grünland: Wann ist eine Kalkung sinnvoll?

Veröffentlicht am 16. März 2026
Kalkstreuer im Grünlandgebiet
© Wolfgang Angeringer

Das Thema Kalkung wird in der biologischen Grünlandwirtschaft intensiv diskutiert, angefeuert durch den Wandel der Betriebsstrukturen samt Steigerung der Produktivität. Doch was bringt der Einsatz von Kalk im Bio-Grünland? Grünlandberater Wolfgang Angeringer geht dieser Frage nach.

Die Bodenreaktion bestimmt wesentlich die Nährstoffverfügbarkeit und beeinflusst so Bodenfruchtbarkeit, Bodenstruktur und Bodenleben. Als ein mögliches Mittel zur Stabilisierung der Bodenreaktion und zur Kalziumversorgung soll der Einsatz von biotauglichem Kalk in der Grünlandwirtschaft beleuchtet werden.

Was ist Kalk?

Sämtliches Kalkgestein ist, in geologischen Zeiträumen gesehen, organischer also lebendiger Herkunft. Vereinfacht gesagt, ist es historisch entstanden aus Sedimentation von Überresten von Meereslebewesen sowie Kalziumcarbonat-Ausfällungen von Wasserpflanzen in den Urmeeren. Durch Gebirgsbildungsvorgänge wurde das kalkhaltige Material im Laufe der Jahrmillionen in die heutige Form gebracht. Großflächige Kalkgesteinsvorkommen in Österreich sind die nördlichen und südlichen Kalkalpen. Aber auch darüber hinaus finden sich österreichweit kalkhaltige Böden (siehe www.bodenkarte.at).

Kalksteine kommen in vielfältiger Ausgestaltung vor. Beispiele sind Kreidekalk, Kalktuff oder auch der magnesiumhaltige Dolomit. Sie alle haben unterschiedliche Gehalte an Kalziumcarbonat (CaCO3), dem Hauptmineral der Kalkgesteine.

Was sagt der pH-Wert?

Der pH-Wert sagt vereinfacht aus, wie sauer oder basisch eine Lösung ist. Für den Pflanzenbau entscheidend ist das Bodenwasser. Der pH-Wert ist eine wichtige Bodenkenngröße, die sich mit einfachen Mitteln am Feld rasch bestimmen lässt. Das „H“ steht für Wasserstoff, und gibt die Menge der freien H+-Ionen in einer Lösung an. Da die pH-Skala von 1 bis 14 ein dekadischer Logarithmus ist, steigt die Konzentration der H+-Ionen mit jeder Stufe um das zehnfache an: pH 5 ist demnach 10-mal saurer als pH 6 und hundertmal saurer als pH 7.

Im Normalfall korreliert der pH-Wert im Grünlandboden mit der Menge der Kalziumionen – hier gibt es aber geologisch bedingt (zum Beispiel Magnesiumüberschuss) oder durch Überdüngung (zum Beispiel hohe Güllemengen) verursachte Ausnahmen, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. In diesen Fällen sind Bodenuntersuchungen mit der Bestimmung der Kationenaustauschkapazität sinnvoll.

Wann ist kalken sinnvoll?

Handlungsbedarf hinsichtlich Kalkung ergibt sich jedenfalls dort, wo die pH-Werte stark in den sauren Bereich abrutschen, die H+-Konzentration also deutlich zunimmt.

Als Faustregel empfehle ich, dass auf extensivem Grünland der pH-Wert nicht unter 5 und auf intensiv bewirtschafteten Flächen (drei und mehr Schnitte mit Gülledüngung, Dauerweiden) nicht unter 5,5 absinken sollte. Durch eine regelmäßige Erhaltungskalkung kann der natürlichen Versauerung im Boden entgegengewirkt sowie die Bodenstruktur verbessert werden.

Wie messe ich den pH-Wert?

Regelmäßige Bodenuntersuchungen im Abstand von vier bis sechs Jahren liefern Aussagen über den pH-Wert sowie die Verfügbarkeit der Hauptnährstoffe. Die Bezirkslandwirtschaftskammern bieten dazu regelmäßige Untersuchungsaktionen an; im Rahmen der ÖPUL-Maßnahme „Humuserhalt im Grünland“ sind diese Analysen außerdem verpflichtend vorgeschrieben.

Direkt am Feld können auch Schnelltests eingesetzt werden, etwa das Hellige Pehameter. Mit diesem lassen sich auch pH-Unterschiede zwischen den Bodenhorizonten feststellen. Die Färbung der Indikatorlösung lässt nach einigen Minuten Rückschlüsse auf den pH-Wert-Bereich zu: Je stärker die Farbe in den roten Bereich übergeht, desto saurer ist der Boden. Für das Pflanzenwachstum ist es am besten, wenn die Unterschiede zwischen Ober- und Unterboden nicht zu groß sind.

Der Kalk-Karbonattest dient dem Nachweis von freiem Kalziumcarbonat (CaCO3) im Boden (pH > 6,3). Dazu wird der Boden mit einer 10%iger Salzsäure (HCl) beträufelt und die Reaktion beurteilt. Ein deutliches Brausen zeigt an, dass ausreichend Kalziumkarbonat vorhanden ist. Eine zusätzliche Kalkung ist in diesem Fall nicht erforderlich.

Die einfachste und rascheste Methode zur Einschätzung der Bodenreaktion ist jedoch die Beurteilung des Pflanzenbestandes. Besonders Leguminosen reagieren empfindlich auf Bodenversauerung, sie haben einen höheren Kalzium- und Phosphorbedarf. Im Grünland reagiert besonders der Rotklee auf Ungleichgewichte im Boden. Generell weist ein lückiger, kleearmer und wenig ertragreicher Bestand auf einen sauren Boden hin, oft in Verbindung mit Nährstoffmangel.

Umsetzung in der Praxis

Liegt der pH-Wert unter 5, ist eine Aufkalkung mit einem im Bio-Landbau zugelassenen kohlensauren Kalk wirtschaftlich sinnvoll, sofern keine Extensivierung angestrebt wird (zum Beispiel Biodiversitäts- oder Naturschutzflächen) und konstante Erträge erwartet werden.

Die für den jeweiligen Ziel-pH-Wert notwendige CaO-Menge wird in den meisten Untersuchungsergebnissen bereits angegeben.

Dabei gilt als Faustformel:

CaO-Bedarf x 2 = erforderliche Menge kohlensaurer Kalk

Richtwerte für Erhaltungskalkung Bei leichten Böden sind es 100 kg CaO pro Hektar und Jahr, bei schweren Böden 200 kg CaO pro Hektar und Jahr. Umgerechnet auf den CaO-Gehalt des jeweiligen Kalkprodukts kann diese Menge auch für drei bis fünf Jahre zusammen ausgebracht werden; eine jährliche Kalkung ist daher nicht notwendig. Das entspricht zum Beispiel 1000 bis 2000 kg kohlensaurem Kalk, die im Herbst oder Frühjahr ausgebracht werden können. Höhere Mengen auf einmal sind im Dauergrünland mangels Einarbeitungsmöglichkeit nicht ratsam. Das Auflösen des Kalkes kann je nach Niederschlagssituation länger dauern. Bei einer Erhaltungskalkung geht es darum, der natürlichen Bodenversauerung entgegenzuwirken und die Erträge konstant zu halten.

Rottemist Auch Rottemist wirkt pH-wertstabilisierend. Je besser der Mist aufbereitet ist – zum Beispiel durch einmaliges Umsetzen und eine drei bis vier Monate lange Lagerung – desto besser ist seine Pufferwirkung im Boden. Unter Pufferung versteht man das Abfangen von Wasserstoffionen im Boden. Als Faustregel gilt, dass Ausbringungsmengen von über 10 m³ Rottemist pro Hektar und Jahr die Bodenversauerung deutlich verringern können. Umgekehrt beschleunigt eine Unterversorgung mit organischen Düngern die Versauerung. Flüssige Wirtschaftsdünger wirken meist neutral, sofern keine Unter- oder Überdüngung erfolgt.

Kohlensauer Kalk kann gemeinsam mit Mistkompost oder als Feuchtkalk mit einem geeigneten Kalkstreuer ausgebracht werden. Mehlfeiner Kalk muss aufgrund der Staubentwicklung unbedingt bodennah verteilt werden. Auf steilen Flächen kann granulierter Kalk mit Tellerstreuern ausgebracht werden.

Autor: Wolfgang Angeringer, LK Steiermark

Der Artikel erschien in der BIO AUSTRIA Fachzeitung, Ausgabe 1/2026.

https://www.bio-austria.at/d/bauern/BIO AUSTRIAzeitung-1-26/

In Kürze

Warum kalken?

Stabilisiert den pH-Wert, verbessert Nährstoffverfügbarkeit, Bodenstruktur und Bodenleben, versorgt den Boden mit Kalzium.

Wann besteht Handlungsbedarf?

Extensives Grünland: pH < 5,0

Intensiv genutztes Grünland (≥ 3 Schnitte, Gülle, Dauerweide): pH < 5,5

pH-Wert prüfen

  • Bodenuntersuchung alle 4–6 Jahre
  • Schnelltests am Feld möglich
  • Pflanzenbestand beachten: klee- und lückige Bestände deuten oft auf sauren Boden hin.

Wie viel kalken? (Faustzahlen)

Erhaltungskalkung:

leichte Böden: 100 kg CaO/ha und Jahr

schwere Böden: 200 kg CaO/ha und Jahr

Entspricht ca. 1–2 t kohlensaurem Kalk alle 3–5 Jahre

Aufkalkung: CaO-Bedarf für Ziel-pH-Wert × 2 = erforderliche Menge an kohlensaurem Kalk

Ergänzende Faktoren

  • Rottemist wirkt pH-stabilisierend (≥ 10 m³/ha/Jahr)
  • Gute Mistaufbereitung verbessert die Pufferwirkung
  • Flüssige Wirtschaftsdünger meist pH-neutral bei richtiger Dosierung (10-20 m³/ha)

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