Offener Brief zur Überarbeitung des AMA Biosiegels

Veröffentlicht am 17. April 2026
© BIO AUSTRIA Vbg. / Frederick Sams

Derzeit wird das AMA Bio-Siegel überarbeitet. BIO AUSTRIA hat diesen Prozess fast zwei Jahre lang konstruktiv begleitet mit dem Ziel gemeinsam etwas Gutes weiterzuentwickeln. Das Ergebnis ist enttäuschend. Unsere zentralen Forderungen an die AMA haben wir in dem nachfolgenden offenen Brief zusammengefasst:

An die Agrarmarkt Austria

DI Günter Griesmayr, Vorstandsvorsitzender
Ing. Lorenz Mayr, Aufsichtsratsvorsitzender
Michaela Langer-Weninger, Verwaltungsratsvorsitzende
Mag. Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführung

Betreff: Überarbeitung des AMA-Biosiegels
Kritik aus Sicht der (bio)bäuerlichen Interessenvertretung

In einem nahezu zweijährigen Prozess hat sich die AMA Marketing GmbH zum Ziel gesetzt, das AMA-Biosiegel neu zu positionieren. Dafür wurde eine Agentur beauftragt, zahlreiche Sitzungen und Workshops wurden durchgeführt.

In der finalen Phase wurde der (bio)bäuerlichen Interessenvertretung jedoch unmissverständlich signalisiert, dass die Kriterien für das Verarbeitungszeichen ausschließlich von jenen Akteuren der Wertschöpfungskette festgelegt werden, die nach der Urproduktion folgen. Damit wurde das Mitbestimmungsrecht der landwirtschaftlichen Primärproduktion in diesem Prozess in beispielloser Weise marginalisiert.

Gleichzeitig stützt sich das AMA-Biosiegel laut eigener Kommunikation auf die Werte „Qualität und Herkunft“. Die bildliche Ansprache der Konsumentinnen und Konsumenten, die Kaufentscheidungen beeinflussen soll, basiert dabei unbestritten maßgeblich auf den Leistungen der Biobäuerinnen und Biobauern – also genau jener Gruppe, deren Einfluss im Entscheidungsprozess stark eingeschränkt wurde.

Konstruktive Vorschläge bislang unberücksichtigt

Die (bio)bäuerliche Interessenvertretung hat im Verlauf des Prozesses zahlreiche konstruktive Vorschläge eingebracht. Ziel war es, das AMA-Biosiegel im Sinne von Breitenwirkung, Konsumentenvertrauen und Bürokratieabbau gemeinsam mit den Akteuren der Wertschöpfungskette und Verwaltung weiterzuentwickeln.

Ein zentrales Anliegen war dabei eine klare Regelung zur Herkunft der Futtermittel. Dieses Anliegen wurde von allen Bioverbänden sowie den Landwirtschaftskammern wiederholt und ausdrücklich eingefordert.

Fehlanreize und fehlender Nutzen für finanzierende Bauernschaft

Die Finanzierung des AMA-Biosiegels erfolgt maßgeblich durch die Biobäuerinnen und Biobauern selbst über die verpflichtenden AMA-Marketingbeiträge. Seit der Novelle 2022 sind auch Marktfruchtbetriebe beitragspflichtig. Diese Mittel dienen der Absatzförderung im In- und Ausland, um Märkte für Bioprodukte zu sichern und auszubauen.

Der aktuell vorliegende Entwurf der neuen Biosiegelrichtlinie stellt jedoch aus Sicht der Verbände eine Brüskierung dar: Bio-Futtermittelproduzenten werden unnötig dem Wettbewerb mit günstigeren und unsicheren internationalen Futterrohstoffen ausgesetzt. Dies schwächt die heimische Produktion und konterkariert die Zielsetzung der Qualitätsstrategien. Biobäuerinnen und Biobauern Österreichs sind gezwungen diesen unfairen Wettbewerb auch noch zu finanzieren.

Absenkung von Qualitätsstandards

Laut Angaben der AMA Marketing sowie Recherchen von BIO AUSTRIA lag der Anteil der höherwertige Qualitätsstandards, sogenannten ALQS, bei Milch, Fleisch und Getreide im Durchschnitt bei über 80 %.

Im Fachgremium wurden jedoch gezielt einzelne Beispielbetriebe hervorgehoben, um selbst einen bereits reduzierten Mindestanteil von 70 % zu verhindern. Dadurch schafft der aktuelle Richtlinienentwurf Anreize für Verarbeitungsbetriebe, aus dem höherwertigen Qualitätssegment auszusteigen und sich an den Mindestanforderungen zu orientieren. Unternehmen mit hohen ALQS-Anteilen werden dadurch benachteiligt, gleichzeitig aber weiterhin als Aushängeschild für

„Qualität und Herkunft“ genutzt. Dies ist aus Sicht der Bio-Verbände klar als Fehlentwicklung zu bewerten.

Chance für Bürokratieabbau bei Primärproduzenten verfehlt

Der angekündigte Bürokratieabbau zeigt sich bislang einseitig: In der Verarbeitungsrichtlinie wurden Kontrollen reduziert und Vereinfachungen umgesetzt.

Für die landwirtschaftliche Primärproduktion hingegen bleiben Entlastungen aus. Die Abschaffung von Doppelkontrollen – etwa durch die Anerkennung der Biokontrolle für das AMA Gütesiegel – wird weiterhin auf unbestimmte Zeit verschoben. Da diese Themen innerhalb derselben Fachabteilung der AMA Marketing behandelt werden, wäre eine rasche Umsetzung von Entbürokratisierungsmaßnahmen zugunsten der bäuerlichen Betriebe naheliegend und notwendig.

Politik ist jetzt in der Verantwortung

In politischen Stellungnahmen wird regelmäßig betont, dass die Position der Landwirtschaft in der Lebensmittelkette gestärkt werden müsse. Die Sitzung des Fachgremiums am 8. April 2026 zeigt jedoch ein gegenteiliges Bild: Die Interessen der österreichischen Biobäuerinnen und Biobauern werden zugunsten anderer Akteure zurückgestellt.

Ein strukturelles Problem liegt dabei auch in der Zusammensetzung des Fachgremiums. Der finanzierende Primärsektor ist aktuell deutlich unterrepräsentiert. Künftig ist eine entsprechende Besetzung erforderlich.

Fazit und Forderungen

Nach nahezu zwei Jahren intensiver Diskussionen wurden die zentralen Forderungen der (bio)bäuerlichen Interessensvertretungen vollständig ignoriert. Sollte dieser Prozess in dieser Form abgeschlossen werden, droht ein erheblicher Vertrauensverlust der Bio-Landwirt:innen in die AMA. Schließlich finanziert sich die AMA auch aus den Geldern ebendieser Bio-Landwirt:innen. In einem solchen Umfeld ist es wenig überraschend, wenn destruktive politische Kräfte zunehmend Zuspruch erhalten. Weiters leidet das Vertrauen in das Biosiegel, wenn die Kriterien aufgeweicht werden. Eine nachhaltige und glaubwürdige Weiterentwicklung des AMA-Biosiegels erfordert daher dringend eine Kurskorrektur.

Wir fordern daher umgehend:

  • Mindestens 70% Biorohstoffe aus ALQS (mit Zielpfad 90% bis 2035)
  • Aufnahme einer Regelung zur Herkunft der Futtermittel
  • Echter Bürokratieabbau durch Wegfall von Doppelkontrollen

Für die unterzeichnenden Verbände:

  • Barbara Riegler, Bundesobfrau von BIO AUSTRIA
  • Walter Klingenbrunner, Obmann von BIO AUSTRIA Niederösterreich & Wien
  • Magdalena Barth, Obfrau von BIO AUSTRIA Oberösterreich
  • Franz Traudtner, Obmann von BIO AUSTRIA Burgenland Klaus
  • Tschaitschmann, Obmann von BIO AUSTRIA Kärnten
  • Thomas Gschier, Obmann von BIO AUSTRIA Steiermark
  • Ulrike Gangl, Obfrau von BIO AUSTRIA Salzburg
  • Christina Ritter, Obfrau von BIO AUSTRIA Tirol
  • Jürgen Bereuter, Obmann von BIO AUSTRIA Vorarlberg
  • Matthias Böhm, Obmann von Erde & Saat
  • Georg Gerharter, Obmann von Biolandwirtschaft Ennstal
  • Josef Kühböck, Obmann der Förderungsgemeinschaft für gesundes Bauerntum
  • Andreas Höritzauer, Obmann von Demeter Österreich