Lästige Parasiten

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Würmer und Leberegel sind typische Weideparasiten, wobei Schafe und Ziegen mehr Probleme damit haben als Rinder. Weidefliegen und Bremsen kommen zum Blutsaugen auf die Tiere.


Magen-Darm-Würmer und Lungenwürmer sind Nematoden, also Rundwürmer. Ihr „Hauptberuf“ ist das Blutsaugen, das bei Kälbern und noch mehr bei Schafen und Ziegen zu einer tödlichen Blutarmut führen kann. Die Würmer selbst sind meist unter 2 cm groß, aber sie sind sehr viele. Ein starker Befall mit Rundwürmern kann daher einen Blutverlust von einem achtel Liter pro Tag verursachen. Auch auf die Verdauung haben sie einen hemmenden Effekt, daher fressen verwurmte Tiere weniger, nehmen weniger zu oder sogar ab. Darmwürmer verursachen Durchfall. Bei Schafen und Ziegen ist jedoch der rote Magenwurm Haemonchus der bedeutendste Rundwurm und dieser verursacht nicht den typischen Durchfall, weil er ja im Magen parasitiert. Die Ansteckung erfolgt über Parasitenlarven auf dem Weidegras.

Rinder entwickeln nach einem Rundwurmbefall, der üblicherweise im ersten Weidesommer passiert, eine Immunität. Die Würmer können sich dann kaum mehr im Rind festsetzen. Das bedeutet, dass Kühe und ältere Weiderinder nur sehr selten eine Entwurmung gegen Rundwürmer brauchen. Leider funktioniert dieser Mechanismus bei Schafen und Ziegen wesentlich weniger. Auch erwachsene Schafe und Ziegen können massiv verwurmen und daran verenden.

Rechtzeitiger Weidewechsel

In den warmen Sommermonaten sollen daher Jungtiere sowie Schafe und Ziegen wöchentlich auf Anzeichen von Verwurmung kontrolliert werden. Neben stumpfem und struppigem Haarkleid wird auf die Farbe der Schleimhaut, Durchfallanzeichen, Körperkondition und bei Schafen und Ziegen auf Flaschenhals geschaut. Sobald Hinweise auf nennenswerte Verwurmung vorhanden sind, ist ein sofortiger Weidewechsel vorzunehmen. Ziel ist es, die Verwurmung auf einem für die Tiere bewältigbaren Ausmaß ohne gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden zu halten. Eine Entwurmung auf der Weide soll möglichst nicht durchgeführt werden, da die Entwurmungsmittel ökologische Schäden an der Dungfauna (Fliegen, Käfer etc.) und an Nützlingen verursachen.

Magen-Darm-Würmer und Lungenwürmer sind „wirtspezifisch“, was bedeutet, dass Würmer vom Rind nicht auf Schafe und Ziegen gehen und umgekehrt. Nur Schafe und Ziegen haben dieselben Wurmarten und können sich gegenseitig anstecken. Um den Wurmdruck zu senken, ist es sinnvoll, Rinder oder Pferde mit Schafen oder Ziegen auf der Weide abzuwechseln. Auch Nachmähen, Heuen oder Silieren senken den Parasitendruck auf der Weide enorm.

Lungenwurm

Der große Lungenwurm kann in einem warmen, feuchten Sommer für Rinder zum Problem werden. Die typischen Anzeichen sind Husten, schnelle Atmung, Nasenausfluss, Abmagerung oder sogar Verenden. Auch hier sind die Jungtiere, die den ersten Weidesommer absolvieren, gefährdet, danach sind Rinder normalerweise gegen den großen Lungenwurm immun. Beim kleinen Wiederkäuer dominiert der kleine Lungenwurm, der jedoch nur bei sehr starkem Befall Symptome verursacht. Meist ist der kleine Lungenwurm nur ein Nebenbefund bei der Kotuntersuchung.

Leberegel

Der große Leberegel ist in vielen Regionen Österreichs auf Weiden und Almen vorhanden. Alle Rinder, die dort weiden, sind dann mehr oder weniger stark befallen. Über 800 große Leberegel im Tier führen zu wechselndem Appetit, Leistungsabfall und Mattigkeit. Gegen den Leberegel entwickeln Wiederkäuer keine Immunität, daher sind ältere Weidetiere mehr betroffen, weil sich über die Jahre immer mehr Leberegel ansammeln. Die Behandlung von Leberegeln ist mit längeren Wartezeiten verbunden und nicht jedes Arzneimittel ist für Milchkühe geeignet. Dazu kann der Hoftierarzt beraten.
Kleine Wiederkäuer können sich auch mit dem großen Leberegel anstecken, wenn sie mit Rindern gemeinsam weiden. Meist haben Schafe und Ziegen jedoch den kleinen Leberegel, der nur bei sehr hohem Befall einer Behandlung bedarf.

Die Diagnose von Wurm- und Leberegelbefall erfolgt durch die Kotuntersuchung, wo die Eier der Parasiten nachgewiesen werden.

Weidestechfliegen, Bremsen, Zecken

Stechfliegen, Gnitzen, Bremsen und Zecken brauchen Blut zum Ablegen ihrer Eier. Das holen sie sich bei Weidetieren und Wildtieren. Dabei können Gnitzen Krankheiten wie Blauzungenkrankheit und Schmallenbergvirus und Zecken Piroplasmose übertragen. Um den Befall mit stechenden Parasiten niedrig zu halten, werden in erster Linie Repellents verwendet. Diese haben eine abwehrende Funktion, die nach Auftragen auf die Haut für einen bestimmten Zeitraum ein Aufsitzen oder Stechen von Fliegen, Bremsen, Mücken, Zecken etc. verhindern. Zu den Repellents gehören verschiedene ätherische Öle wie Zitronenöl, Eukalyptusöl, Menthol, Nelkenöl, Teebaumöl usw. Sie haben eine kurze Wirkung und eignen sich zum Beispiel für eine störungsfreie Melkzeit. Auch mit Apfelessig kann kurzzeitig ein verringerter Befall erreicht werden.
Für den Weidegang gibt es biotaugliche Zubereitungen aus Pyrethrum oder Geraniol. Sie sind im Betriebsmittelkatalog gelistet unter Schädlingsbekämpfungsmittel zur Anwendung an Tieren und können als Aufgusslösung oder Sprühlösung angewendet werden. Je nach Witterung sind sie etwa zwei bis vier Wochen wirksam.
Bei sehr starkem Befall mit stechenden Insekten und Zecken können auch Arzneimittel vom Tierarzt angewendet werden. Sie sind auf Pyrethroid-Basis und als Aufgussmittel oder Ohrclips erhältlich. Die Wartezeit beträgt für Bio-Betriebe 48 Stunden ab der Anwendung.

Autorin:
Dr. Elisabeth Stöger, Tierärztin