20 Jahre Bio Austria Bauerntage

© BIO AUSTRIA / Fuchs
vlnr.: Prof. Franz Essl, Barbara Riegler, Prof. Kurt-Jürgen Hülsbergen

Bio-Impulse für ein gutes Klima

In herausfordernden Zeiten ist es mehr denn je wichtig, das Augenmerk auf die Stärken des Bio-Landbaus zu legen. Viele Impulse dazu gab es zum 20-Jahr-Jubiläum der Bio Austria Bauerntage Ende Jänner in Puchberg bei Wels.

Mehr als insgesamt 1200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten den Eröffnungstag, die Fachtage, die heuer erstmals zum Teil auch als Hybrid-Veranstaltung angeboten wurden und die Webinare.

Bio hat Antworten

Der biologische Landbau liefert viele Antworten auf komplexe Fragen. So hob Bio Austria Obfrau Barbara Riegler in ihrer Eröffnungsrede die diesbezüglichen Vorteile des Bio-Landbaus hervor:

„Unsere Bio-Betriebe erbringen tagtäglich nachweislich vielfältige Leistungen im Umwelt- und Klimaschutz. Sie sorgen für neben einem guten Klima für sauberes Trinkwasser, Biodiversität und Artenvielfalt und für fruchtbare Böden. Daher muss es auch eine Selbstverständlichkeit sein, dass sie für diese Leistungen entsprechend honoriert werden.“

Der hohe Bio-Anteil in Österreich könne leicht darüber hinwegtäuschen, dass in den letzten Jahren die Herausforderungen für viele Bio-Betriebe sehr groß geworden sind. „Die hohe Inflation hat gemeinsam mit immer höherem bürokratischem Aufwand zu Belastungen auf den Höfen geführt. Auch, wenn die Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich erfreulicher Weise in schwierigen Zeiten Bio treu geblieben sind, ist das in Summe für viele Betriebe eine schwer lösbare Situation“, so Riegler. Dass das aktuelle österreichische Agrar-Umweltprogramm ÖPUL höhere Anforderungen bei im Vergleich zur vorigen Periode niedrigerer Abgeltung für die biologische Wirtschaftsweise beinhaltet, trage erschwerend dazu bei.

Nachbesserungen im ÖPUL

Diese Gesamtsituation habe dazu geführt, dass 2023 rund 900 Betriebe weniger biologisch gewirtschaftet haben als im Jahr davor. „Daher sind Nachbesserungen im ÖPUL für die Bio-Betriebe eine Notwendigkeit. Es braucht Maßnahmen, die auf den Betrieben ankommen, um die Situation auf den Höfen zu verbessern“, betonte die Bio Austria Obfrau mit Blick auf die derzeit in Vorbereitung befindliche Programmänderung im ÖPUL für das Jahr 2025. „Jetzt ist für die Agrarpolitik die Gelegenheit, nachzubessern und damit zu zeigen, dass sie die Biobäuerinnen und Biobauern in herausfordernden Zeiten unterstützt.“

Handeln statt reden

Franz Essl, Wissenschaftler des Jahres 2022 und Mitglied des Biodiversitätsrates hob die Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Natur hervor und die damit verbundenen Probleme und Risiken. Naturschutz sei gleich Klimaschutz, so Essl. Er appellierte an einen grundlegenden systemischen Wandel, um der weltweiten Klima- und Biodiversitätskrise entgegenzuwirken. Dazu brauche es eine Zusammenarbeit aller Interessensvertretungen. „Einsichten alleine genügen nicht mehr, sie müssen auf den Boden gebracht werden“, betonte der Wissenschaftler.

Stärken von Bio-Betrieben

Kurt-Jürgen Hülsbergen, Agrarökonom an der TU München, referierte über die positiven Klima- und Umweltwirkungen der Bio-Landwirtschaft. Anhand einer 2023 abgeschlossenen Langzeitstudie erläuterte er, dass biologisch bewirtschaftete Ackerflächen halb so viel Treibhausgasemissionen aufweisen. „Bio-Betriebe kommen mit dem halben Energie-Eintrag aus“, so Hülsbergen. „Auch unter Berücksichtigung des geringeren Ertrags im Biolandbau gibt es auf Biobetrieben eine höhere Energie-Effizienz“, attestierte der Agrarökonom. Wesentlicher Faktor sei der Verzicht auf künstliche Stickstoffdünger sowie chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Artenreiche Fruchtfolgen, vor allem mit einem hohen Anteil an Kleegras und Luzerne, flächengebundene Tierhaltung und ein vorbildliches Humus-Management seien wesentliche Erfolgsfaktoren des Bio-Landbaus in Bezug auf deren niedrigere Treibhausgasemissionen. Die Studie zeigte überdies, dass Bio-Betriebe – entgegen landläufiger Vorurteile – deutlich weniger Arbeitsgänge und damit Feldüberfahrten als konventionelle Betrieb hätten, was der Bodenfruchtbarkeit zugutekomme.

Wirtschaftlich erfolgreich

Leopold Kirner, Professor an der Hochschule für Agra- und Umwelt, referierte über Einflussfaktoren auf die Wirtschaftlichkeit von landwirtschaftlichen Betrieben und beschrieb Strategien und Erfolgsgeheimnisse von Biobäuerinnen und Biobauern. Dazu zählen eine frühe und gelungene Hofnachfolge mit Freiräumen und Gestaltungsmöglichkeiten, eine Effizienz in der Produktion und Arbeitswirtschaft, Netzwerke und Gemeinschaften, innovative Vermarktungswege und der Zusammenhalt in der Familie. „Wenn Sie als Biobauer und Biobäuerin sich und ihre Familienmitglieder begeistern, Visionen zu entwickeln, Veränderung zuzulassen, Neues zu wagen oder wertschätzend zu kommunizieren, dann haben Sie schon viel für eine erfolgreiche Betriebsführung ermöglicht!“, so das Fazit von Leopold Kirner.

Vielfalt als Chance

Die Zukunft liege in der Vielfalt, so die Kernaussage von Hanni Rützler, Expertin für Foodtrends, die über aktuelle Ernährungstrends und Herausforderungen für den Bio-Landbau referierte. Bio müsse sein Profil schärfen, sich der Komplexität von Krisen stellen und darauf umfassende Antworten finden, Verständnis für den Wandel der Esskultur aufbringen und mehr Offenheit für innovative Technologien zeigen, so das Resümée von Rützler. Das sei die Basis für weiteres Wachstum der Branche.

Fachliche Impulse

Viele Impulse gab es auch an den folgenden Fachtagen und zwar auf fachlicher als auch auf persönlicher Ebene. Erstmals wurde ein Klimatag organisiert, an dem vor allem Maßnahmen und Strategien aus der Praxis zur Klimawandelanpassung vorgestellt wurden. Für Bio-Geflügelhalter stand die Fütterung und Tiergesundheit im Mittelpunkt des Fachtages, die Imker beschäftigten sich unter anderen mit der behandlungsfreien Imkerei wie auch mit einem neuen Schädling, der Asiatischen Hornisse.
Am Direktvermarkter-Tag stellten verschiedene Bäuerinnen und Bauern ihre Betriebsstrategie vor. Die Teilnehmer konnten viele Tipps aus dem reichen Erfahrungsschatz erfolgreicher Direktvermarkter mit nach Hause nehmen. Die Bio Austria Next Generation (BANG) gestaltete einen Tag für neue und innovative Hofkonzepte. Am Bio-Ackerbautag reichten die Themen vom Agroforst, dem Nährstoffmanagement, der Züchtung bis hin zum Bio-Maisanbau. Der Bio-Milchviehtag stand im Zeichen der Weidehaltung, der Verhaltensauffälligkeiten von Kälbern in Form des gegenseitigen Besaugens als auch Erfahrungen aus der Praxis. Viel Wissenswertes gab es auch für Schweine-, Mutterkuh- und Schafhalter.

Die Bio Austria Bauerntage bieten die Chance, sich fachlich weiterzubilden und sich mit Experten und Kollegen auszutauschen. Aufgrund der engen Verknüpfung von Theorie und Praxis nehmen Teilnehmende wertvolle Impulse für den eigenen Betrieb mit nach Hause.

GewinnerInnen des Innovationspreises Bio-Fuchs stehen fest

Eröffnungstag und Gewinner Bio Austria Fuchs

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