BIO AUSTRIA und Verein Zukunft:Essen fordern Umsetzung des Nabe Aktionsplan
65 % sehen Bio als Kern gesunder Ernährung – Politik hinkt hinterher
Wien, 07. September 2026. Eine aktuelle Umfrage* zeigt einen deutlichen Meinungswandel in Österreich: Fast zwei Drittel sehen Bio als festen Bestandteil gesunder Ernährung. Besonders beim Schulessen wird der Handlungsbedarf als hoch eingeschätzt.
Der Verein Zukunft:Essen und BIO AUSTRIA fordern daher zum Schulstart die konsequente Umsetzung des Aktionsplans für nachhaltige öffentliche Beschaffung (naBe-Kriterien) sowie ein bundesweit koordiniertes Aktionsprogramm für gesunde und leistbare Ernährung an österreichischen Schulen.
Die wichtigsten Fakten der repräsentativen Umfrage auf einen Blick:
- Massiver Meinungswandel: 65,4 % der Bevölkerung sehen Bio als Teil gesunder Ernährung (2022: 34,6 % – nahezu eine Verdopplung).
- Fokus auf Kinder & Vulnerable: 77,1 % halten Bio für die Kinder-Ernährung für wichtig (+20 Prozentpunkte); 73,0 % bei kranken Menschen.
- Hohe Akzeptanz für Wandel: 86,8 % können sich einen fleischfreien Tag/Woche vorstellen, 60,1 % befürworten regelmäßige Veggie-Tage in Kantinen.
- Preis als Barriere: 71,2 % halten Bio für zu teuer, obwohl 60,6 % sich gerne überwiegend biologisch ernähren würden.
Die Ergebnisse der aktuellen repräsentativen Studie zeigen klar: Die österreichische Bevölkerung ist in Fragen der Ernährungstransformation deutlich weiter als die politischen Rahmenbedingungen. 80,8 % der Befragten betonen die Bedeutung der Bio-Landwirtschaft für Umwelt- und Klimaschutz, 71,5 % sind überzeugt, dass Bio-Lebensmittel gesünder sind.
Trotz des Wunsches nach mehr Nachhaltigkeit scheitert die Umsetzung im Alltag oft am Geldbörserl: 68,4 % (2022: 52 %) achten beim Einkauf primär auf den Preis. Hier sieht Zukunft:Essen eine zentrale Verantwortung beim Staat, insbesondere in Kindertagesstätten und Schulen.
Aktuell ist die Schulverpflegung weitgehend auf Ebene der Gemeinden organisiert. Dies führt in der Praxis zu massiven Qualitäts- und Preisunterschieden sowie fehlender finanzieller und fachlicher Unterstützung vor Ort.
„Was ein Kind isst, darf nicht davon abhängen, in welcher Gemeinde es zur Schule geht. Schulessen darf kein Wohnort-Lotto sein“, betont Andrea Vaz-König, Obfrau von Zukunft:Essen.
Regierungsprogramm mit Umsetzungslücke
Zwar sieht das aktuelle Regierungsprogramm eine höhere Bio-Quote in der öffentlichen Beschaffung vor (mindestens 30 % ab 2025), allerdings hinkt die Umsetzung massiv hinterher. Für den Bereich der Schul- und Gemeinschaftsverpflegung fehlen verbindliche Vorgaben gänzlich.
„Wenn zwei Drittel der Bevölkerung Bio als Teil gesunder Ernährung sehen, dann sind 30 % Bio in der öffentlichen Beschaffung kein ambitioniertes Ziel mehr, sondern das Minimum. Es gibt bestehende Ziele – deren Umsetzung muss auch konsequent von der Politik gefordert und umgesetzt werden“, so Barbara Riegler, Obfrau von BIO AUSTRIA.
Die Forderungen von Zukunft:Essen und BIO AUSTRIA zum Schulstart
Um gesunde und leistbare Ernährung für alle Kinder sicherzustellen, fordern Zukunft:Essen und BIO AUSTRIA:
- 1. Bestehende Vorgaben umsetzen: Konsequente Umsetzung der naBe-Kriterien (mindestens 30 % Bio) in Kombination mit den Ernährungsempfehlungen des Gesundheitsministeriums in der Gemeinschaftsverpflegung.
- 2. Soziale Absicherung & Finanzierung: Faire, bundesweit einheitliche Finanzierungsmodelle für bezahlbares und hochwertiges Schulessen.
- 3. Transparenz durch Monitoring: Einführung eines verpflichtenden Rechnungs- und Monitoring-Systems mit jährlicher Berichterstattung über Fortschritte beim Bio-Anteil und der Ernährungsqualität.
*Studie: Ergebnisse aus der Studie von marketagent, Befragung Juli/August 2026 „Bio-Lebensmittel und Ernährung“ im Auftrag vom Verein Zukunft:Essen.
Verein Zukunft:Essen
Zukunft:Essen setzt sich für eine gesunde, nachhaltige und leistbare Ernährung ein und arbeitet an Lösungen für zukunftsfähige Ernährungssysteme.
Über BIO AUSTRIA
BIO AUSTRIA ist das Netzwerk der österreichischen Biobäuerinnen und Biobauern. Als größter Bio-Verband in Europa repräsentiert BIO AUSTRIA die österreichische Bio-Landwirtschaft und vertritt die Interessen der Biobäuerinnen und Biobauern. Zudem hat der Verband knapp 500 Partnerunternehmen in der Wirtschaft.