Gemüsebau: Mehr Effizienz durch praxistaugliche Lösungen

Veröffentlicht am 11. Mai 2026
© SPAR/David Schreiber

Michael Herzog aus dem Bezirk Tulln zeigt, wie durch organisatorische Anpassungen, technische Eigenlösungen und einem motivierten Team die Arbeit am Bio-Gemüsebaubetrieb effizient und erfolgreich organisiert werden kann.

Biobauer Michael Herzog entwickelte den Betrieb seiner Eltern mit Ackerbau und Schweinemast zu einem spezialisierten Bio-Gemüsebaubetrieb mit Schwerpunkt Salatanbau.

Der Betriebsleiter interessierte sich schon früh für Gemüse und setzte zunächst auf einer Fläche von rund 1000 m² Salatpflanzen. Gleichzeitig suchte er aktiv den Austausch mit Gemüsebaubetrieben im Marchfeld und im Raum Wien, um praktische Erfahrungen und Wissen über Anbau und Vermarktung zu sammeln.

Schwerpunkt Salat

Heute werden rund 50 Hektar bewirtschaftet. Etwa 25 ha werden für den Gemüsebau genutzt, wobei rund 80 Prozent auf verschiedene Salatkulturen entfallen. Neben Salat werden auch Radieschen, Chinakohl, Kohlrabi und Porree angebaut.

Da kein Grundwasser zur Verfügung steht, ist die Bewässerung nur eingeschränkt möglich und erfolgt mit einem Gießwagen mit einem Fassungsvermögen von etwa 5000 Litern.

Neben dem Betriebsleiter sind auch zehn Fremdarbeitskräfte von März bis Dezember beschäftigt. Bei Arbeitsspitzen helfen die Eltern und Freundin Jessica auch tatkräftig mit. „Meine Familie hat mich in den Anfangsjahren extrem fleißig unterstützt. Ich finde, meine Eltern sollen in erster Linie ihre Pension genießen und meine liebe Freundin sich auf ihre Karriere beim Bund konzentrieren. Wenn mal Not am Mann oder der Frau ist, sind sie aber immer sofort zur Stelle, wofür ich sehr dankbar bin“, so der Betriebsleiter Michael.

Arbeitsintensive Phasen

Besonders arbeitsintensiv ist die Ernte von Salat und Radieschen. Ab etwa April beginnt die tägliche Ernte, bei der die Salate per Hand direkt in betriebseigene Kisten geschnitten werden. Am Feld erfolgt eine erste Vorwäsche, anschließend werden die Salate am Betrieb maschinell gewaschen und je nach Kundenwunsch verpackt oder unverpackt vermarktet.

Die Radieschen werden am Feld gebündelt und danach am Betrieb gewaschen. In der Regel arbeiten während der Ernte mehrere Personen gleichzeitig in kleinen Gruppen zusammen. Nach der Aufbereitung wird die geerntete Ware in einem gekühlten Zwischenlager gelagert, bis sie abgeholt oder ausgeliefert wird.

Neben der Ernte fällt während der Vegetationsperiode eine Vielzahl weiterer Arbeiten an. Dazu zählen unter anderem die mechanische Unkrautregulierung, das Gießen der Kulturen, das Aufstellen von Zäunen oder das Auslegen von Vlies. Auch Pflanzenschutzmaßnahmen, beispielsweise gegen Mehltau, gehören zu den regelmäßigen Pflegearbeiten.

Eine weitere wichtige Tätigkeit ist das Auspflanzen der Jungpflanzen. Salat wird wöchentlich mit einer vierreihigen Pflanzmaschine gesetzt. Radieschen werden hauptsächlich im Frühjahr und im Herbst ausgesät.

Optimierung der Arbeitsabläufe

Mit zunehmender Betriebsgröße wurde deutlich, dass effiziente Arbeitsabläufe immer wichtiger werden. Ein besonderes Problem stellte die Entfernung einiger Flächen dar, die bis zu zehn Kilometer vom Betrieb entfernt liegen. Anfangs führte dies zu häufigen Transportfahrten zwischen Feld und Betrieb, was viel Zeit beanspruchte.

Um dieses Problem zu lösen, entwickelte Michael Herzog eine mobile Waschstation für das Feld. Diese besteht aus einem Frischwassertank und einer Akkupumpe und ermöglicht es, die gesamte Tagesernte bereits direkt am Feld vorzuwaschen. Anschließend wird die Ware in einem isolierten LKW-Anhänger zwischengelagert, der Platz für etwa 15 Paletten bietet. Durch diese Lösung konnte der Transportaufwand deutlich reduziert werden.

Auch am Betrieb selbst wurden zahlreiche Arbeitsabläufe verbessert. In der Anfangsphase wurden die Salatkisten über eine einfache Aluleiter geschoben und anschließend mit einer Brause per Hand gewaschen. Als Verbesserung baute Michael Herzog eine Rollbahn, über die die Kisten direkt vom Anhänger in eine Wasserstrahlanlage gelangen. Dort werden sie automatisch von allen Seiten gereinigt. Durch diese technische Anpassung konnte eine Arbeitskraft eingespart werden. Nach dem Waschen werden die Salate zunächst zum Abtropfen zwischengelagert und anschließend auf selbst gebauten Verpackungstischen mit Rollbahnen verpackt.

Chinakohl ist deutlich schwerer als Salat, wodurch das Heben und Tragen der Kisten eine erhebliche körperliche Belastung darstellt. Um die Arbeit ergonomischer zu gestalten, plant der Betrieb künftig eine technische Lösung mit einem Förderband direkt am Feld. Die geernteten Chinakohlköpfe sollen dabei automatisch auf den Anhänger transportiert werden. Dadurch entfällt das manuelle Tragen der schweren Kisten.

Stärken erkennen

Neben technischen Verbesserungen spielt auch die Organisation der Arbeit eine wichtige Rolle. Jeden Morgen wird ein Tagesplan erstellt, der über eine WhatsApp-Gruppe an alle Mitarbeiter kommuniziert wird. Dadurch weiß jeder bereits zu Beginn des Arbeitstages, welche Aufgaben anstehen.

Der Betriebsleiter erledigt viele Maschinenarbeiten bewusst am Abend, wenn weniger Betrieb herrscht und die Maschinen frei verfügbar sind. Diese Arbeitsweise ermöglicht eine effizientere Nutzung der vorhandenen Ressourcen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Umgang mit Mitarbeitern. Michael Herzog ist überzeugt, dass jeder Mensch unterschiedliche Fähigkeiten und Interessen hat. Deshalb versucht er, die individuellen Talente der Mitarbeiter zu erkennen und sie entsprechend einzusetzen. Manche arbeiten lieber beim Pflanzen, andere beim Verpacken oder beim Traktorfahren.

Der Einsatz von Personal muss gut überlegt werden, sind Arbeitskräfte doch ein hoher Kostenfaktor. „Arbeitskräfte sind eine wichtige Entlastung für den Betriebsleiter, aber auch unumgänglich, wenn man einen funktionierenden Betrieb aufbauen möchte. Dabei gibt es natürlich Unterschiede – bei Erntehelfern bleiben viele Arbeiten bei mir hängen, bei Fixangestellten können wichtige Aufgaben auch delegiert werden. Der Betrieb muss auch laufen, wenn ich ein paar Tage nicht verfügbar bin“, schildert Michael Herzog die Situation.

Darüber hinaus gibt es im Betrieb organisatorische Maßnahmen, die den Arbeitsalltag erleichtern. Beispielsweise ist eine Person für die Vorbereitung und Verfügbarkeit der Etiketten zuständig. Eine andere kontrolliert regelmäßig die Verbrauchsmaterialien wie Handschuhe, Gummiringe oder Verpackungsmaterialien und sorgt dafür, dass fehlende Dinge rechtzeitig nachbestellt werden.

Trotz guter Organisation gibt es im Gemüsebau immer wieder Herausforderungen. Besonders wenn Arbeitskräfte aus verschiedenen Ländern zusammenarbeiten, können Sprachbarrieren oder kulturelle Unterschiede auftreten. Auch das Wetter stellt eine ständige Unsicherheit dar. Änderungen der Witterung erfordern häufig kurzfristige Anpassungen in der Arbeitsplanung.

Rolle der Motivation

Michael Herzog meint, dass nicht die Höhe der Löhne über Betriebserfolg entscheiden dürfen. „Viel wichtiger ist ein funktionierendes Produktionssystem, effiziente Arbeitsschritte, eine hohe Produktqualität und gute Erträge. Gleichzeitig spielt die Motivation der Mitarbeiter eine zentrale Rolle. Wenn sich die Arbeitskräfte mit dem Betrieb identifizieren können und stolz auf ihre Arbeit sind, wirkt sich auch das positiv auf das Betriebsergebnis aus“, ist der Biobauer überzeugt.

Autor: Daniel Stich, BIO AUSTRIA Niederösterreich und Wien

Der Artikel erschien in der BIO AUSTRIA Fachzeitung, Ausgabe 2/2026 zum Schwerpunktthema „Arbeitswirtschaft“.

https://www.bio-austria.at/BIO AUSTRIA/zeitung/

Welche Arbeitsabläufe wurden verbessert?

  • Mobile Waschanlage mit Frischwassertank und Akkupumpe für das Feld > Einsparung von Fahrten zwischen Feld und Betriebsstandort
  • Rollbahn statt Aluleiter: Gemüsekisten werden vom Anhänger in die automatisierte Waschanlage geschoben
  • Verpackungstische mit Rollen
  • In Planung: Die geernteten Chinakohlköpfe sollen mit Förderband automatisch auf den Anhänger transportiert werden. Dadurch entfällt das manuelle Tragen der schweren Kisten.
  • Klare Zuständigkeiten für Etiketten und Verbrauchsgegenstände

Kontakt

  • Daniel Stich, BSc

    BIO AUSTRIA NÖ und Wien, Landwirtschaft
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