Große Würfe: Viele Ferkel – was tun?
Große Würfe sind auch in der biologischen Schweinehaltung längst Realität. Für den wirtschaftlichen Erfolg zählt jedoch nicht die Zahl der geborenen Ferkel, sondern wie viele davon vital sind und erfolgreich aufgezogen werden.
In österreichischen Bio-Arbeitskreisbetrieben stieg die Zahl der lebend geborenen Ferkel von durchschnittlich 11,4 im Jahr 2018 auf knapp 12,9 im Jahr 2025. Gleichzeitig konnten die Saugferkelverluste gesenkt und die Zahl der abgesetzten Ferkel je Sau und Jahr von 17,7 auf über 19 gesteigert werden. Entscheidend sind daher neben der Wurfgröße vor allem Fütterung, Geburtsbetreuung, Kolostrumversorgung, Mütterlichkeit und eine passende Zuchtstrategie.
Gute Vorbereitung auf die Säugezeit
Die Basis für eine erfolgreiche Aufzucht wird bereits in der Trächtigkeit gelegt. Hochwertiges Heu, Silagen und Grünfutter fördern eine gute Futteraufnahme und Verdauungskapazität. Gleichzeitig sollte auf eine optimale Körperkondition geachtet werden: Zur Abferkelung ist ein BCS von etwa 3,0 bis 3,5 anzustreben. Zu magere Sauen haben zu wenig Reserven für die Milchbildung, zu fette Sauen zeigen häufiger Geburtsprobleme und eine geringere Futteraufnahme.
Kolostrum entscheidet
Gerade bei großen Würfen sind kleine und leichte Ferkel häufiger. Sie kühlen schneller aus und haben im Wettbewerb um die Zitzen schlechtere Chancen. Eine gute Geburtsbetreuung sorgt deshalb dafür, dass die Ferkel rasch getrocknet werden, warm bleiben und möglichst früh ausreichend Kolostrum aufnehmen.
Sind mehr lebensfähige Ferkel vorhanden als funktionsfähige Zitzen, ist ein gezielter Wurfausgleich sinnvoll. Die Ferkel sollten zunächst ausreichend Kolostrum bei ihrer eigenen Mutter aufnehmen. Anschließend kann das Versetzen an Sauen mit verfügbaren Zitzen helfen.
Ein Wurf-Splitting kann in den ersten Lebenstagen ebenfalls unterstützen: Kräftigere Ferkel werden vorübergehend im warmen Ferkelnest untergebracht, damit kleinere Geschwister ungestört saugen können. Voraussetzung für den weiteren Erfolg sind jedoch ausreichend Milchleistung oder geeignete Ammenlösungen.
Milchleistung der Sau fördern
Unruhe, häufiges Suchen nach Zitzen, geringe Gewichtszunahmen und große Gewichtsunterschiede innerhalb eines Wurfes können auf Milchmangel hinweisen. Ursachen sind unter anderem eine zu geringe Futter- oder Wasseraufnahme, Verfettung, Geburtsprobleme oder Erkrankungen.
Eine schmackhafte, hochwertige Futterration und ausreichend sauberes Wasser sind daher besonders wichtig. Mehrmalige Fütterungen können helfen, hohe Futteraufnahmen und damit eine gute Milchleistung zu erreichen.
Zusatzmilch nur als Ergänzung
Sauenmilch ist für die Ferkelaufzucht weiterhin die beste Lösung. Erst wenn die vorhandene Milch durch Wurfausgleich oder andere Maßnahmen nicht ausreicht, kann zusätzliche Milch eingesetzt werden. In der Praxis kommen beispielsweise Bio-Vollmilchpulver oder Bio-Magermilchpulver zum Einsatz.
Zusatzmilch kann kleinere Ferkel unterstützen. Für Ferkel ohne verfügbare Zitze ist eine vollständige Aufzucht mit Zusatzmilch allerdings sehr arbeitsintensiv.
Die richtige Genetik
Wer regelmäßig mehr Ferkel als verfügbare Zitzen hat, sollte auch die Zuchtstrategie überprüfen. Bei Wurfgrößen von mittlerweile fast 13 lebend geborenen Ferkeln bringt eine weitere Steigerung der Fruchtbarkeit oft weniger als Verbesserungen bei Vitalität, Mütterlichkeit, Milchleistung und Langlebigkeit.
Für die Eigennachzucht sollten daher nicht nur die Wurfgröße, sondern insbesondere Ferkelvitalität und Muttereigenschaften berücksichtigt werden. Wichtige Auswahlkriterien sind unter anderem mindestens 14, besser 16 gut verteilte Zitzen, gesunde Klauen und Fundamente, ruhiges Verhalten sowie vitale Ferkel im Herkunftswurf.
Wissen kompakt:
Bei großen Würfen gilt:
- Vorbereiten: Sauen optimal auf die Laktation vorbereiten und auf eine gute Körperkondition achten.
- Versorgen: Jedes Ferkel möglichst rasch mit ausreichend Kolostrum versorgen.
- Ausgleichen: Wurfausgleich und gegebenenfalls Wurf-Splitting nutzen, um die vorhandene Sauenmilch optimal einzusetzen.
- Füttern: Auf eine hohe Futter- und Wasseraufnahme der säugenden Sauen achten.
- Züchten: Nicht immer größere Würfe anstreben, sondern vitale Ferkel, milchstarke Sauen und langlebige Mutterlinien.
Service:
- Notfallversorgung für Saugferkel: https://www.bio-austria.at/d/bauern/notfallversorgung-fuer-saugferkel/
- In den Podcasts „Schwein gehabt“ sind in Teil #3 Details zur Futterversorgung laktierender Sauen zu hören. Teil #7 legt einen Schwerpunkt auf die Wasserversorgung und in #8 wird das Thema Bio-Schweinezucht näher besprochen: https://www.bio-austria.at/bio-bauern/downloadcenter/?_sft_b_downloadtyp=podcast&_sft_topic=schweine
- Informationen zum Wurf-Vitalitätsindex: PIG Austria, www.pig.at
Autorin: Sonja Wlcek, Bioschwein Austria
Der Artikel in der Originalfassung ist in der BIO AUSTRIA Zeitung, Ausgabe 4/2026 im Schwerpunkt „Jungtiere“ erschienen:
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