Tipps gegen den Hitzestress

Der Wohlfühlbereich von Mensch und Rind, was die Umgebungstemperatur betrifft, könnte unterschiedlicher nicht sein. Während wir Menschen uns zwischen 18 und 24 °C so richtig wohl fühlen, tun Rinder das zwischen -4°C und + 16 °C. Sind wir bereits mit einer Jacke im Stall unterwegs, fühlen sich die Kühe erst richtig wohl. Kühe wünschen sich also möglichst offene, luftige Ställe.

© BIO AUSTRIA /Veronika Edler

Hitze wirkt sich negativ auf Leistung aus

Jeden Sommer zeigt sich aufs Neue, wie sich anhaltende Hitze auf Leistung und Tierwohl von Milchkühen auswirken. Die Futteraufnahme und die Liegezeiten gehen zurück. Andere negative Folgen machen sich erst Monate später bemerkbar. Die Krankheitssymptome sind vielschichtig: Neben Ketosen, Pansenazidosen und Fruchtbarkeitsstörungen lassen sich auch Klauenprobleme auf die Hitzeeinwirkung zurückführen. Bei den Tieren entsteht zunehmendes Unbehagen, das sich in Kombination mit den anderen Krankheitsbildern auf die Milchleistung und -inhaltsstoffe auswirkt. Das Rind produziert aufgrund seiner Verdauung im Pansen sehr viel Wärme. Im Sommer strahlt die Sonne zusätzlich auf den Milchviehstall, so dass sich im Stallinneren die Umgebungstemperatur durch die Wärmestrahlung erhöht

Unwohlsein bereits ab 16 °C

Bereits ab 16 °C kann man erste Anzeichen von Unwohlsein beobachten, wie eine erhöhte Atemfrequenz und den Rückgang der Futteraufnahme. Die Kühe suchen aktiv „angenehmere“ Plätze auf und wirken unruhiger. Die Tiere halten sich vermehrt an offenen Stalltoren oder in der Nähe von Tränkestellen auf. Ab ca. 20°C können die Kühe die selbstproduzierte Temperatur nicht mehr ausreichend an die Umgebung abgeben. Wenn die Atemfrequenz über 70 Atemzüge pro Minute steigt, ist dies ein sicheres Zeichen, dass die Tiere mit der Hitze kämpfen (Zahner, 2019).
An heißen Tagen sinkt die relative Luftfeuchte auf unter 20 %. Dies führt zu einer Rückbildung der Schleimhäute im Respirations- bzw. Atmungstrakt. Der Schutz vor Krankheitserregern sowie das Absondern von Staubpartikeln wird dadurch vermindert, es kann zu einem vermehrten Auftreten von Sekundärkrankheiten kommen.

Das können Sie tun!

Natürliche Lüftung

Im Sommer ist die natürliche Lüftung die wirkungsvollste Wärmesenke. Damit sollten im Sommer die idealerweise gegenüberliegenden Fassadenöffnungen so groß wie möglich sein. Der Luftwechsel wird durch eine Orientierung des Baukörpers quer zur Hauptwindrichtung begünstigt (Stoetzel et al., 2019). Bei bestehenden Ställen verbessert das Öffnen der Seitenwände die natürliche Lüftung. Die relative Luftfeuchtigkeit, die Hitzebelastung und die Schadgaskonzentration sinken. Eingriffe in die bestehende Gebäudestatik sind gut zu durchdenken. Tränkebecken und Melktechnik sind dabei so zu gestalten, dass auch im Winter die Betriebssicherheit gewährleistet bleibt.

Curtains und Hubfenster

Curtains und Hubfenster müssen im Sommer maximal geöffnet sein, um den bestmöglichen Luftaustausch zu erreichen. Die Öffnungsflächen dürfen nicht durch davor gelagertes Material blockiert werden. Die Wahl des Standorts und der Ausrichtung des Gebäudes zur Hauptwindrichtung spielen eine wichtige Rolle. Eine freie Wind-Anströmung der Traufseiten sollte gewährleistet sein, um die Querlüftung zu optimieren. Damit die Wandöffnungen je nach aktueller Wetterlage im richtigen Zeitpunkt geöffnet oder geschlossen werden, empfiehlt es sich, eine Steuerung einzubauen (Zahner, 2019).

Ventilatoren

Um ergänzend zu natürlichen Lüftungskonzepten, welche im Sommer rasch zum Erliegen kommen, Frischluft in den Stall zu bringen, können Ventilatoren in die Außenwand oder direkt im Stall eingesetzt werden. Durch eine Erhöhung der Luftgeschwindigkeit kann die Wärmeabfuhr erleichtert werden. Um einen Abkühlungseffekt zu erzielen, sind Luftgeschwindigkeiten von mindestens 1 m/s (7,2 km/h) auf dem Tier nötig. Luftgeschwindigkeiten bis 5 m/s (18 km/h) haben für die Rinder in der Regel keine negativen Konsequenzen. Bei der Auswahl von Ventilatoren sollte neben den Anschaffungskosten, dem tatsächlichen Stromverbrauch und der erreichbaren Luftgeschwindigkeit auch die Lautstärke (Schalldruckpegel in dB) berücksichtigt werden. Eine automatische Steuerung sollte vorgesehen werden, welche die Ventilationsanlage nach den Ansprüchen der Tiere regelt und den Landwirt von der täglichen Entscheidung befreit (Mösenbacher-Molterer et al, 2019).

Lichtplatten oder große Lichtfirste erhöhen Wärmeeintrag

Lichtplatten auf den sonnenzugewandten Dachflächen (Osten, Westen, Süden) und Lichtfirste sorgen für viel Licht im Stall, allerdings erhöhen sie auch den Wärmeeintrag. Sonnenlicht, das indirekt über Lichtplatten auf der Nordseite oder über die geöffneten Seitenwände in den Stall fällt, reicht in der Regel für das Wohlbefinden der Tiere vollkommen aus.

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