Jeder Grashalm zählt

©Ivo Vögel

Die kurze Vegetationszeit zu nützen und die Grasnarbe bestmöglich zu schonen sind besondere Herausforderungen bei der Beweidung von Steilflächen.


Kurt Stark bewirtschaftet mit seiner Frau Helga einen Bio-Betrieb im Großen Walsertal. „Wir sind daran gewöhnt, uns den natürlichen Gegebenheiten anzupassen“, kommentiert Kurt Stark die Fragen nach der Herausforderung der Weide von Steilflächen im Berggebiet. Denn bei steilen Flächen spielen die Art der Koppelerrichtung, die Anpassung an das Wetter und das Gewicht der Tiere eine noch größere Rolle als in Tallagen. Die traditionelle Bewirtschaftungsform ist die sogenannte Dreistufenwirtschaft, bei der das Vieh dem Vegetationsverlauf entsprechend auf dem Heimbetrieb, auf der Vorsäß und auf der Alpe weidet. Diese Wirtschaftsweise findet man noch in Vorarlberg, Teilen Tirols und der Schweiz.

Gelände und Wetter beachten

„Jeder Grashalm, den wir nicht wenden und belüften müssen, bedeutet mehr Wirtschaflichkeit“, betont der Bergbauer, „durch die Beweidung muss ich weniger Futter einfahren, spare Lagerplatz und die Erntekosten sind günstiger. Sie ist die natürlichste Nahrungsaufnahme der Tiere.“
Eine Herausforderung ist es, die Koppeln so einzuteilen, dass bei Regenwetter die flacheren Weiden und bei trockener Witterung die steileren Hänge beweidet werden. Unmittelbar um den Hof liegen 3 ha Weidefläche, hier werden die Kühe im Frühjahr an die Weide gewöhnt, anfangs nur ein bis zwei Stunden pro Tag. Für das erste Austreiben im Frühjahr wird auf trockenes Wetter gewartet. Vergangenes Jahr war das erst Mitte Mai möglich, sonst meist Anfang Mai im April. „Aber die Kuh muss vor dem Gras auf der Weide sein,“ betont Kurt Stark. Mit Weidebeginn wird nach und nach weniger Heu im Stall zugefüttert, dadurch gibt es kaum Probleme mit der Futterumstellung.
Nach einigen Tagen kommen Kühe und Jungvieh auf die teils gepachteten höher gelegenen Flächen, in Vorarlberg auch Maiensäß genannt. Meist sind das aufgelassene Betriebe, auf denen noch Stallungen vorhanden sind, dort wird auch gemolken.
Die Fläche wird in Koppeln eingeteilt, die dem Gelände angepasst und zwischen 0,4 ha und 1,5 ha groß sind. Wasser ist auf allen Flächen für die Tiere verfügbar. Alle Weideflächen werden im Frühjahr regelmäßig nachgemäht, im Herbst nicht mehr, wobei gut darauf geachtet wird, dass die Tiere auf den Koppeln kein Futter übriglassen.

Ebener Zugang

Kurt Stark richtet den Zugang zu den Koppeln so ein, dass er möglichst eben und breit ist. Die Tiere verteilen sich dann langsamer auf die gesamte Fläche: „Laufen die Tiere den Hang hinunter, so verursachen sie die meisten Trittschäden“, weiß der erfahrene Biobauer. Dabei möchte er aber auch anmerken, dass ein gewisses Maß an Trittschäden die Hänge besser vor Hangrutschungen und Lawinen schützt.
Um die Hangflächen besser beweiden zu können, wurde auf die Züchtung von leichteren Kühen, dem Original Braunvieh, wert gelegt. Auch die Haltung von Ziegen und Schafen für sehr steile Flächen und gegen die Verbuschung hat sich bewährt.

Sobald die Kühe auf der Alm sind, werden die Flächen im Tal und auf der Vorsäß gemäht und geheut. Die Qualität ist für die Produktion von Bio-Heumilch entscheidend, ist das Heu doch die Futtergrundlage am Betrieb Stark. Es wird weder Getreide noch Grundfutter zugekauft. Ist zu wenig Futter vorhanden, wird der Viehbestand der Futtergrundlage angepasst. Gedüngt werden die Weideflächen mit Festmist und Gülle.

Autoren: Florian Vinzenz und Regina Daghofer, Bio Austria

Betriebsdaten:

Kurt und Helga Stark, Fontanella, Vorarlberg
1200 m Seehöhe, ø Niederschlag/Jahr: 2000 mm
30 ha (14 ha Eigen- und 16 ha Pachtfläche) werden je zur Hälfte einmähdig sowie zweimähdig bewirtschaftet, 20 ha weidefähige Fläche
16 bis 19 Kühe, ein Zuchtstier, 15 Stück Jungvieh
10 Stück

Ziegen und Schafe
Ø Milchleistung: 5000 kg
5 ha WF-Flächen (Naturschutzflächen)
360 Berghöfekatasterpunkte