Kleegraskompost für perfekte Minzen

Am Bio-Betrieb Bergsmann werden die Wiesen und Kleeflächen zu wertvollem Dünger für den Kräuteranbau veredelt. Seit 2009 ersetzt der Kompostplatz den Rinderstall für die Düngerproduktion und sorgt so für einen geschlossenen innerbetrieblichen Kreislauf der organischen Substanz. Der Bodenzustand ist beeindruckend.

Am Betrieb der Familie Bergsmann aus Schenkenfelden im nördlichen Mühlviertel wird viel Pionierleistung vollbracht. Da wundert es einen nicht, dass Johannes Bergsmann mit seiner Familie auch im Bereich Düngung und Kreislaufwirtschaft zu den Vorreitern zählt. Bereits 1985 haben die Eltern von Johannes auf Bio umgestellt und ein Jahr später mit dem Kräuteranbau gestartet. Mit einer bemerkenswerten Weitsichtigkeit haben sie sich damals für einen Weg entschieden, der heute ein solides Einkommen für die Betriebsleiterfamilie, einen fix angestellten Arbeiter und viele entlohnte Helfer aus der Region ermöglicht.

Hauptkultur Minze

Am Betrieb Bergsmann werden heute 18 bis 20 ha Bio-Teekräuter für die österreichische Bergkräutergenossenschaft angebaut und über diese vermarktet. Die Schwerpunktkultur, die mit Leidenschaft umsorgt wird, ist die Minze. Sie wird in den verschiedensten Formen und Sorten kultiviert. Neben der klassischen Pfefferminze und der Apfelminze werden auch Nanaminzen („Spearmint“) ohne Menthol und ausgefallenere Sorten wie Schoko- oder Orangenminzen angebaut. Laufende Versuche und Selektionen durch Johannes Bergsmann ermöglichen auch vielen anderen Bio-Kräuterbetrieben auf die für Bio-Bedingungen am besten passenden Pflanzen zurückgreifen zu können. Diese werden im Minzenanbau über Wurzelrisslinge vegetativ weitervermehrt und wieder ausgepflanzt.

Neben der Minze werden auch Brennnesseln als eine Art Dauerkultur geführt. Diese sind außerhalb einer fixen Fruchtfolge auf den Feldern, da ihre Standdauer, abhängig von der Ertragsleistung und der Verunkrautung schnell bis zu 10 Jahre, im besten Fall bis zu 20 Jahre betragen kann. Dazwischen sind die einjährige Drachenkopfmelisse oder auch Grünhafer als Lückenfüller bis zum zweiten Setztermin im Sommer dankbare und gesuchte Alternativkulturen.

Dünger von der Wiese

Aus dem ursprünglichen Milchvieh- und Kräuterbetrieb wurde 1995 ein kombinierter Rindermast- und Kräuterbaubetrieb. Vor allem dem Wirtschaftsdüngerkreislauf und der Grünlandverwertung wegen wurden die Wiederkäuer am Hof gehalten. Aus dem Mist wurde seit 2002 Mistkompost erzeugt. 2009 musste aber der alte Stall der Kräuterhalle weichen. Daher suchten die Bergsmanns nach einer Möglichkeit, die Wiesenaufwüchse direkt als Dünger zu verwerten.
Über die klassische Kompostierung war schnell ein Weg gefunden, der seit 2009 bis heute in Details leicht verfeinert und weiterentwickelt wurde, in den Grundzügen aber nach wie vor so gehandhabt wird. Mittlerweile werden Dauergrünland, aber auch Ackerflächen durchaus auch als „Düngergeber“-Flächen gepachtet und bewirtschaftet, sind sie ackerfähig und in entsprechender Hofnähe, werden nach einer Regenerationszeit mit Kleegras dort auch Kräuter angebaut.

Grundsätzlich unterliegen die Ackerflächen einer achtjährigen Rotation. Auf vier Jahre Kleegras folgen vier Jahre Kräuteranbau. Als Kleegras wird die luzernebetonte Mischung „Futterprofi LR“ der Saatbau Linz angebaut. Die ausgewogene Mischung ist für die zwei- bis dreischnittige Ernte und die mindestens vierjährige Standzeit ohne Düngung bestens geeignet. Durch die späten Nutzungszeitpunkte ergibt sich eine etwas gröbere Struktur für entsprechende Kohlenstoffmengen und gute Kompostiereignung. Die Wiesen werden zweimal jährlich beerntet und der dritte Schnitt ab 10. September ohne Abfuhr gemäht. Dies hält die Dauergrünlandflächen auch über Jahre im Ertrag stabil.

Insgesamt bekommen die Kräuterflächen circa 30 m³ Kompost pro Hektar im Herbst des ersten Standjahres, im zweiten und dritten Jahr jeweils circa 45 m³ auf zwei Gaben verteilt. Das vierte Jahr wird nicht mehr gedüngt, da der erste Kompost erst im Juli fertig wird. Insgesamt werden die Kräuterflächen in den vier Jahren mit circa 120 m³ Kompost pro Hektar gedüngt. Die Brennnessel-Kulturflächen werden zweimal pro Jahr geschnitten und nach jedem Schnitt mit circa 30 m³ Kompost pro Hektar gedüngt. Der Kompost dient als Nährstoffquelle und Ausgleich für die abtransportierten Aufwüchse.

Humus aufbauen

Durch die Nutzung von 17 ha Kleegras und 6 ha Dauerwiesen wurden im Jahr 2020 bisher aus 2350 m³ Grünschnitt circa 620 m³ reifer Kompost hergestellt. Der erste Schnitt ergab heuer 750 m³ Frischmasse, aus dem am Kompostplatz 170 m³ Dünger wurden. Aus dem zweiten Schnitt wurden 1600 m³ Grüngut auf den Feldmieten auf dem Kompostplatz in drei Wochen Heißrotte unter täglichem Wenden und gesamt vier Wochen Reifezeit zu 450 m³ fast fertigem Rotte-Kompost veredelt. Dieser wurde Ende September auf die zum letzten Mal in diesem Jahr beernteten Kräuterflächen ausgebracht. Dabei kommen wie oben beschrieben je nach Kultur und Standjahr circa 20 bis 35 m³ je Hektar zur Ausbringung.

Als Zuschlag zum Aufwuchs der Grünflächen kommt am Beginn der Kompostierung zertifizierte Pflanzenkohle (70 l/m³ Grüngut) und Roherde im Anteil von 2 % des Ausgangsmaterials (= 7 Vol.-% des Endproduktes) dazu. Die Kohle soll überschüssige Nährstoffe binden, den Geruch verbessern und optimale C/N-Verhältnisse herstellen. Außerdem soll die Humussteigerungsrate, die seit der Teilnahme am Projekt „Kreisläufe schließen“ laufend überprüft wird, noch verbessert werden. Eine Humusvermehrung möchte sich Johannes Bergsmann durch die Teilnahme am Humusprojekt der Ökoregion Kaindorf über den CO2-Zertifikateverkauf auch abgelten lassen. Die ersten Ergebnisse dafür können für 2021 erwartet werden. Ein Lokalaugenschein vor Ort und die Beurteilung der Böden mit der Spatenprobe lassen auf sehr gute Ergebnisse hoffen. Die Bodenstruktur und der Bodenzustand sind trotz mehrjähiger Hackkulturen sehr gut.

Manuel Böhm ist selbstständiger Bio-Berater in Wartberg, Oberösterreich.
www.bioweg.at

Familie Bergsmann
Schenkenfelden, Oberösterreich

Bio-Betrieb seit 1985, seit 2009 viehlos
37 ha Ackerfläche, davon 18 bis 20 ha Teekräuter (Minzen, Drachenkopfmelisse, Grünhafer) und 17 ha Luzernekleegras
6 ha Dauergrünland