Lange unterwegs

©Dick

Auf dem Fürthermoar Gut von Kathrin Aberger-Dick und Markus Dick in Piesendorf im Salzburger Pinzgau wird trotz langer Triebwege mit großer Überzeugung geweidet. Eine gute Wasserversorgung wurde in Kooperation mit anderen Bauern sichergestellt.
„Die Kuh braucht Licht, Luft, gesundes Futter und Ruhe. Und das kann die Weide am besten gewährleisten“, ist Markus Dick überzeugt. Die 55 Milchkühe werden meistens ab Anfang/Mitte April bis Ende Oktober geweidet. Den Sommer verbringen sie auf der eigenen Alm in Kaprun.

Dabei ist das Weiden beim Fürthermoar gar nicht so einfach, denn nur zwei Hektar der Fläche befinden sich hinter dem Stall. Diese werden als Stundenweide, während der Nachtzeit oder nach dem Melken genutzt. Zu den anderen Flächen muss die Herde durch das Dorf getrieben werden. Es dauert zirka 15 bis 20 Minuten, bis die Kühe auf der Tagesweide sind. „Unsere Kühe wollen auf die Weide und wir machen das aus Überzeugung und auch aus Tradition“, erklärt Markus, „das Treiben braucht eine gewisse Erfahrung, ich muss zum Beispiel schnell reagieren, bevor sich eine Kuh selbstständig macht.“ Beobachtungsgabe, Voraussicht und Ruhe sind wichtig und das könne weder der Mensch noch die Kuh von heute auf morgen lernen, zeigt er Verständnis dafür, dass sich viele nicht sofort drüber trauen. Da die Kühe grundsätzlich aus eigener Nachzucht sind, lernen die Kalbinnen das Grasen und den Weg zur Weide von den älteren Tieren.

Verständnis verbessern

Natürlich muss der Viehtrieb mit dem Alltag der übrigen Dorfbewohner abgestimmt werden. Deshalb wartet Markus Dick in der Früh, bis die Leute zur Arbeit gefahren und die Kinder zur Schule gegangen sind. Den Heimweg treten die Kühe dann um 15 Uhr an. So können mögliche Konfliktsituationen am besten vermieden werden.
Die Toleranz und das Verständnis der nicht in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung wird allerdings immer geringer, das bemerkt auch Familie Aberger-Dick. Glückliche Kühe will jeder, Kuhfladen auf der Straße oder am Autoreifen sind hingegen nicht gefragt. In einer Gesellschaft, in der es schnell um Haftungsfragen geht, ist der Viehtrieb auf öffentlichen Straßen auch riskant. Hier sei auch die Interessensvertretung gefordert, sich für bessere Rahmenbedingungen einzusetzen, betont Markus Dick.

Weide rechnet sich

Trotz ständig steigender Mechanisierung kann er sich die Milchproduktion ohne Weide nicht vorstellen. „Sie bringt ja auch betriebswirtschaftliche Vorteile, braucht keinen Diesel, keinen Traktor und die Kühe selten einen Tierarzt. Der Dünger landet gleich dort, wo er hingehört“, betont der Biobauer. Am Betrieb Aberger-Dick wurde das Kraftfutter auf 300 kg pro Kuh und Jahr reduziert, es wird nur als Lockfutter im Melkstand gefüttert. Auch für die auf der Alm notwendige Fitness der Tiere ist die Weide am Heimbetrieb eine wichtige Voraussetzung, denn der Almauftrieb dauert etwa sechs Stunden. Es werden sämtliche Rinder jeder Altersklasse von Anfang Juni bis Mitte September auf die Fürthermoar Alm aufgetrieben, welche sich im hinteren Kaprunertal zwischen den Hochgebirgsstauseen befindet.

Flexibles Management

Markus Dick passt die Weide sehr flexibel den Vegetationszeiten und Wetterbedingungen an. Sein Motto: „Täglich vor Ort schauen, was passiert und reagieren.“ So hat er über die Jahre aus Elementen der Kurzrasen- und Koppelweide sein betriebsindividuelles System entwickelt. Die Portionsweide wurde ausprobiert, aber aufgrund der zu hohen Trittbelastung beendet.
Die 50 ha weidefähige Fläche besteht seit der Grundzusammenlegung aus arrondierten Wiesen mit einer Größe von jeweils 1,5 ha bis 10 ha. Diese werden in 1,5 ha bis 2 ha große Teilstücke gekoppelt, sodass sie für einen Tag maximal zwei Tage genug Futter bieten. Der Aufwuchs sollte dann 7 bis 10 cm hoch sein.
Mitte Mai benötigt Markus Dick acht Koppeln pro Woche, im Herbst vergrößert er die Fläche entsprechend dem Aufwuchs. Gailstellen werden nachgemäht oder durch Pferde abgeweidet.
Der häufige Wechsel mindert auch den Vertritt, denn nach einer entsprechenden Weidepause auf den Koppeln können sich die verletzten Pflanzenwurzeln, speziell im Eingangsbereich wieder erholen. Bei manchen Teilstücken hat er diesen zusätzlich befestigt. Auf welcher Fläche die Kühe grasen, hängt stark vom Wetter ab. Bei feuchtem Wetter dort, wo weniger Trittschäden entstehen können; an heißen Tagen, wo genügend Wasser und Schatten vorhanden sind. Auf jeder Koppel befindet sich mindestens eine Tränke. Die Tränken sind mit einem Wasserschieber ausgestattet. Durch den Wechsel der Koppeln wird auch die Wasserstelle entlastet.

Wasserversorgung optimiert

Eine gute Wasserversorgung der Tiere ist auch auf der Weide wichtig. Diese wurde in der Region durch ein innovatives Projekt der Piesendorfer Ägidius Steiner, Josef Geisler und Markus Dick optimiert. Sie haben im Rahmen der Grundzusammenlegung eine Nutzwassergenossenschaft mit 42 Mitgliedern gegründet und kilometerlange Wasserleitungen verlegt. Es wurden über 60 Entnahmestellen gebaut.
Im Herbst 2014 wurde mit dem Bau eines 6 m³ großen Sammelbehälters begonnen. Die Verlegung von einem großen Teil der Leitungen ging dann Hand in Hand mit dem Wegebau und war bis Dezember 2014 erledigt, wobei hier viel Eigenleistung von den Mitgliedern selbst erbracht wurde. Die Entnahmestellen, jede einzelne ist von der Hauptleitung durch einen Entleerungsschieber getrennt, konnten von den Landwirten selber gestaltet werden. Einzige Verpflichtung war die Verwendung eines Schwimmers, um nicht unnötig Wasser zu verbrauchen.
Das Projekt ist ein voller Erfolg. Vorher tranken die Tiere aus Kanälen oder stehenden Tümpeln oder Wasser musste mühsam mit Fässern auf die Weiden transportiert werden. Jetzt haben 400 Rinder jederzeit und unbegrenzt sauberes Wasser zur Verfügung. Nicht nur die Sauberkeit des Wassers hat sich verbessert, auch die Belastung der Tiere durch Parasiten hat sich verringert. Das Projekt wurde 2016 mit dem Bio Austria Fuchs ausgezeichnet. Finanziell unterstützt wurde das 60.000 Euro teure Vorhaben auch von Seiten der Agrarbehörde und dem Land Salzburg.

Autoren:

DI Regina Daghofer und Franz Promegger, Bio Austria Salzburg

Betriebsdaten:
Kathrin und Markus Aberger-Dick, Piesendorf, Salzburg
48 ha mehrschnittige und 2 ha einschnittige Wiesen, 2 ha Acker, Alm
55 Kühe mit Nachzucht (140 GVE)
Ø Milchleistung: 6000 kg
10 Kärntner Brillenschafe
8 Pinzgauer Strahlenziegen
5 Noriker Pferde
System aus Kurzrasen- und Koppelweide

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Tipp:
Einen Film über die Weide am Fürthermoar Gut „Der Weg zur Weide“ finden Sie auf www.bio-austria.at im Downloadcenter -> Fachfilme.
www.fuerthermoar.at