Neue Chancen ergreifen

@ Sonja Wlcek / BIO AUSTRIA

Schon immer war der Betrieb der Familie Bauer im Weinviertel (NÖ) auf Vielfalt angelegt. Der gelungene Neubau eines Bio-Stalls für Zuchtsauen eröffnet eine Einkommensmöglichkeit für Sohn Bernhard.

Das Ehepaar Josef und Christine Bauer hat immer schon neue Ideen umgesetzt: Der Hofladen mit Fleisch und Wurstwaren war in den 1980iger Jahren einer der ersten in der Region. 2002 entschieden die beiden, den Laden nach Wien zu „verlegen“. Nachdem die Wiener Kundinnen Bio-Produkte verlangten, entschloss sich Familie Bauer 2005 zur Umstellung auf Biolandbau.

Schweine gab es schon seit den 1980igern am Betrieb. Die Voraussetzungen änderten sich, also erweiterte das Ehepaar Bauer die konventionelle Mast zum kombinierten Betrieb mit Zuchtsauen. Im letzten Jahr realisierte es schließlich mit der Bio-Ferkelerzeugung ein zusätzliches Standbein für den Betrieb.

© Sonja Wlcek; Jungbauer Bernhard Bauer hat gut lachen – für ihn wurde mit dem Bio-Sauenstall ein zusätzlicher Arbeitsplatz geschaffen.

Sauen statt Direktvermarktung

„Unser Sohn Bernhard ist nicht so sehr an der Direktvermarktung interessiert“, erzählt Josef Bauer. An Schweinen aber schon. Also entschied sich die Familie, mit einem Neubau von 14 Abferkelbuchten bzw. Umbau bestehender Gebäude die Sauenherde auf etwa 55 Tiere zu vervierfachen. Damit können nun nicht nur die eigenen 120 Mastplätze befüllt, sondern auch noch ein Mäster mit Bio-Ferkeln beliefert werden.
Ziel war es, einen möglichst kostengünstigen, aber arbeitssparenden Stall zu erreichen. Das schmale, lange Grundstück, auf dem der alte Sauenstall steht, erlaubte nur knappe Ausläufe. Nachdem diese direkt ans Nachbargrundstück grenzen, war ein Neubau des Abferkelbereichs unerlässlich.

Außenklima mit Deckel

Für die 14 „Welser Abferkelbuchten“ wurde ein einfaches Außenklimagebäude errichtet. Damit es den Ferkeln im Winter nicht zu kalt wird, sind die Liegebereiche mit atmungsaktiven Deckeln versehen. Die rundherum gut verschlossenen Ferkelnester werden zusätzlich mit Infrarotplatten am Deckel gewärmt (siehe Fachartikel). Um im Sommer einen Hitzestau zu vermeiden, können die Lichtplatten an beiden Gebäudeseiten komplett geöffnet werden.

Bei diesem Thema hat Josef Bauer gelernt, wie wichtig die enge Zusammenarbeit zwischen Baufirmen, Planzeichner und Landwirt selbst ist: „Zum Beispiel waren die erhältlichen Schienen der Lichtplatten für den ursprünglichen Stallplan zu lang. Also musste er ein weiteres Mal mit unnötigen Zusatzkosten gezeichnet werden.“ Wichtig ist es seiner Meinung nach, dass die Familie selbst weiß, was und wie sie es will: „Leider haben die Stallbaufirmen noch sehr wenig Erfahrung mit Bio-Schweineställen.“
Mittlerweile ist der Stall seit bald einem Jahr in Betrieb. Mit dem Abferkelstall ist Familie Bauer sehr zufrieden, Sauen und Ferkel fühlen sich wohl und wachsen gut. Ändern würde sie nur den Bereich des Gruppensäugens. Im Altgebäude entstanden zwei Buchten für je sieben Sauen. Es zeigt sich mittlerweile, dass im Bio-Betrieb – in dem Fruchtbarkeitssteuerung nicht erlaubt ist – nicht immer alle Sauen einer Gruppe gleichzeitig abferkeln. „Kleinere und mehr Buchten zum Gruppensäugen wären besser gewesen“, meint Josef Bauer im Rückblick.

Ein weiterer Arbeitsplatz

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Familie Bauer ein sehenswerter Bio-Sauenstall gelungen ist. Er wird das betriebliche Einkommen für die Zukunft sichern, selbst wenn die Direktvermarktung später nicht mehr im Zentrum stehen sollte. Gekostet haben Neu- und Umbau, Festmistlager und Fütterungsanlage etwa EUR 7200,– (netto) pro Sauenplatz.
Unter Einbeziehung der Investitionsförderung ist der Stall bei 18 verkauften Ferkeln je Sau und Jahr daher in 15 Jahren abbezahlt. Zusätzlich lässt sich fast ein ganzer Arbeitsplatz über den Bio-Ferkelverkauf finanzieren. Familie Bauer war also wieder unter den Ersten, die neue Chancen – diesmal die Bio-Ferkelproduktion – erkannten!

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Alle Galeriefotos: @ Sonja Wlcek / Bio Austria