Neue Studie zeigt: Österreichs Landwirtschaft würde unter TTIP leiden

TTIP Studienpräsentation Spar Greenpeace, BIO AUSTRIA K47, Wien, 13.4.2016
© Spar/Andreas Tischler
TTIP Studienpräsentation Spar Greenpeace, BIO AUSTRIA, K47, Wien, 13.4.2016
© SPAR/Andreas Tischler

Heute wurde in Wien unter großem medialen Interesse eine Studie mit neuen Erkenntnissen zu den Auswirkungen von TTIP auf die Landwirtschaft in Österreich präsentiert. „Zum Thema TTIP gibt es wenig Informationen, dafür aber umso mehr Spekulationen. Speziell zur Frage der Auswirkungen auf die österreichische Landwirtschaft lagen bisher so gut wie keine Daten vor. Es war uns als Verband der österreichischen Biobäuerinnen und Biobauern daher ein Anliegen, hier zu einer Grundlage zu kommen, die eine realistische Folgenabschätzung eines möglichen Freihandelsabkommens ermöglicht“, betonte Bio Austria Obfrau Gertraud Grabmann bei der Präsentation einer gemeinsam mit Spar Österreich, Greenpeace und NÖM in Auftrag gegebenen Studie zu Auswirkungen von TTIP auf die Landwirtschaft in Österreich. Die Studie, erstellt von IHS und ÖFSE, ermöglicht nun erstmals, ein Szenario für die Landwirtschaft zu entwerfen und damit seriös Auskunft über die Folgewirkungen von TTIP erteilen zu können.

Auswirkungen

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die österreichische Wirtschaft durch das transatlantische Freihandelsabkommen nicht maßgeblich profitieren würde, die negativen Effekte von TTIP aber den Landwirtschafts- und Lebensmittelsektor am stärksten treffen würden. „TTIP wäre also ein volkswirtschaftliches Nullsummenspiel auf Kosten der Landwirtschaft. Als Bio Austria sehen wir uns daher in unserer ablehnenden Haltung gegenüber TTIP bestärkt“, bekräftigte Grabmann.

Die Studie zeigt weiters auf, dass der bestehende Strukturwandel in der Landwirtschaft durch TTIP weiter verstärkt werden würde. „Kleinere familiäre landwirtschaftliche Betriebe würden noch stärker unter Druck geraten. Noch mehr Betriebe als dies ohnehin schon der Fall ist, müssten ihre Tore für immer schließen“, so die Bio Austria Obfrau. Hintergrund: Pro Jahr stellen in Österreich im Schnitt in etwa 3.000 landwirtschaftliche Betriebe ihre Arbeit dauerhaft ein. Von 2014 auf 2015 ist die Zahl der Betriebe sogar um über 5.000 zurückgegangen.

Die durch TTIP verursachten negativen Beschäftigungseffekte würden die Landwirtschaft zusätzlich stark treffen. „In Summe sprechen wir hier kurzfristig von einem Verlust von über 700 Arbeitsplätzen und langfristig von 4700 Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft und im Nahrungsmittel-Sektor.“

Die Studie legt den Schluss nahe, dass auch eine Qualitäts-Strategie, die vermehrt als Schutzschild gegen internationale Konkurrenz dargestellt wird, als Schutz vor negativen Auswirkungen durch TTIP zu kurz greift. Zunehmende Konkurrenz mit Dumpingprodukten würde auch Qualitätsproduzenten wie Biobäuerinnen und Biobauern unter Preisdruck bringen. Denn eine steigende Preisdifferenz zwischen importierten Billigprodukten und höherpreisigen Qualitätsprodukten würde die Kaufentscheidung maßgeblich beeinflussen.

Zudem besteht das Risiko, dass TTIP durch eine Verwässerung der Umwelt- und Konsumentenschutz-Standards die Rahmenbedingungen für ökologische und nachhaltige Landwirtschaft verschlechtert. „Denn dadurch würden die Kosten konventioneller Produktion sinken und die der Bio-Produktion steigen – etwa in Folge von Kosten durch Gentech-Verunreinigungen – , womit die Wettbewerbsfähigkeit der Bio-Produktion sinken würde.

„Mein Fazit: Die Ergebnisse der Studie bestärken uns als Vertreter der biologischen Landwirtschaft in unserer Kritik und in unserer ablehnenden Haltung gegenüber dem transatlantischen Freihandelsabkommen – die heute vorgestellten Ergebnisse sollten aber darüber hinaus auch dazu geeignet sein, etwas Bewegung bzw. Präzision in die teils noch sehr vagen Positionen politischer Vertreter zu bringen. Für die Landwirtschaft gilt es zu entscheiden, ob diese wirklich unter dem Gesichtspunkt einer globalen Wettbewerbsfähigkeit oder nicht viel eher in Richtung Ernährungssouveränität entwickelt werden sollte“, so Grabmann abschließend.

Kurzfassung der Studie als Download

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Kontakt

  • Markus Leithner MSc.

    Bio Austria, Presse
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