Warum es wichtig ist, auf die Qualität zu achten

Die Grundfutterqualität ist die Basis einer erfolgreichen Milchviehhaltung. Sie ist die Voraussetzung für eine grünlandbasierte Milchproduktion, geringem Kraftfutterbedarf und gesunde Tiere.

Zur Grundfutterqualität zählen die Verdaulichkeit des Grundfutters, der Nährstoffgehalt und die Futterhygiene. Zudem muss durch gutes Fütterungsmanagement die Voraussetzung für eine hohe Grundfutteraufnahme geschaffen werden.

Hohe Grundfutterleistung rechnet sich

Gemäß der Teilkostenauswertung der Arbeitskreise Milchproduktion 2019 produzierten 140 ausgewertete österreichische Bio-Betriebe im Mittel 6634 kg Milch ECM.
Die berechnete Grundfutterleistung lag bei 5165 kg Milch je Kuh. Das obere Viertel der Betriebe hatte eine Grundfutterleistung von 5893 kg Milch mit 43,50 Cent Direktkostenfreien Leistungen je Kilogramm Milch. Das untere Viertel der Betriebe produzierte 1417 kg Milch weniger aus dem Grundfutter und hatte um 11 Cent geringere Direktkostenfreie Leistungen je Kilogramm Milch. Eine hohe Grundfutterleistung hat sich somit sehr positiv auf den Betriebserfolg ausgewirkt.

Worauf zu achten ist

Grundfutterqualität beginnt auf der Wiese. Auf ihr sollen möglichst wenig minderwertige Futterpflanzen, wie zum Beispiel die Gemeine Rispe oder der Ampfer vorkommen. Auch ein einseitiger Grünlandbestand mit hohen Goldhaferanteilen muss vermieden werden. Der Bestand soll eine dichte Grasnarbe haben, damit es zu keinen erdigen Futterverschmutzungen kommt. Hohe Aschegehalte im Futter senken den Energiegehalt und führen zu Fehlgärungen im Silo. Zudem enthält verschmutztes Futter viel Eisen, welches zu einer schlechteren Aufnahme von einigen Spurenelementen wie Zink und Kupfer im Verdauungstrakt führt.
Die Verdaulichkeit und damit der Energiehalt vom Futter hängt neben der Pflanzenzusammensetzung wesentlich vom Erntezeitpunkt ab. So hat Heu, geerntet zu Beginn des Ähren- oder Rispenschiebens der Leitgräser eine Verdaulichkeit der organischen Masse von 70 Prozent. Am Ende der Blüte sind es nur mehr 63 Prozent beziehunsgweise finden sich 37 Prozent vom Futter im Kot wieder. Milchleistungsunterschiede von mehr als sechs Liter je Kuh und Tag ergeben sich aus der Kombination höhere Energiedichte und Grundfutteraufnahme.
Damit die Ration nicht mit sehr teurem, eiweißreichem Kraftfutter ergänzt werden muss, ist ein ausreichend hoher Rohproteingehalt im Grundfutter wichtig. Zudem enthält blattreiches Grünlandfutter auch höhere Gehalte an Mengen- und Spurenelementen. Besonders bei der Heuernte müssen Bröckelverluste so weit als möglich vermieden werden. Nur mit regelmäßigen Grundfutteranalysen können Rückschlüsse auf die Futterqualität beziehungsweise auf den Konservierungserfolg gezogen werden.

Futtervorlage wichtig

Neben der Futterqualität spielt das Fütterungsmanagement eine wesentliche Rolle. Alle Kühe müssen ständig Zugang zu frischem Futter haben. Das Grundfutter darf nicht zu lange auf dem Futtertisch gelagert werden. Die hohe Luftfeuchtigkeit im Stall führt rasch zu einer Verminderung der Futterqualität. Innerhalb von drei Tagen kann sich die Konzentration von Pilzsporen und Hefen auf dem Futter um den Faktor 10 bis 1000 erhöhen. Zudem wird das Futter fad. Zwischen den Hauptmahlzeiten soll das Grundfutter je nach Bedarf nachgeschoben werden. Durch das Nachschieben von frischem Futter wird die Fresslust erhöht beziehungsweise bleibt das Futter erreichbar. Ein ausreichendes Futterangebot liegt dann vor, wenn die Futterreste dem frischen Futter gleichen. Ein leer gefressener Futtertisch ist ein sicherer Hinweis auf eine zu geringe Futtervorlage. Eine alternierende Vorlage von Futtermitteln, die sich in ihren Inhaltsstoffen wesentlich voneinander unterscheiden, zum Beispiel Grassilage morgens und Maissilage abends, ist nicht zielführend.

Kein Stress beim Fressen

Bei gutem Stallklima fressen Kühe mehr. Frische Luft ist besonders im Fressbereich wichtig. Zudem darf es nicht zu heiß werden. Der Futtertisch soll im Sommer im Schatten liegen. Damit Kühe möglichst stressfrei fressen können, soll für jedes Tier ein Fressplatz vorhanden sein. Bei einem zu engen Tier- Fressplatzverhältnis werden rangschwächere Tiere verdrängt. Besonders nach dem Melken müssen alle Tiere Zugang zum Futter haben. Bei Selbstfanggittern können die Tiere während der Hauptmahlzeiten für eine kurze Zeit fixiert werden, damit sie in Ruhe das vorgelegte Futter fressen können. Außerdem können bestimmte Futtermittel, die in begrenzter Menge zur Verfügung stehen, wie zum Beispiel Maissilage oder Kraftfutter gezielt vorgelegt werden.
Der Futtertisch muss eine glatte Oberfläche haben, damit sich keine Futterreste festsetzen und er sich gut reinigen lässt. Der Fressplatz darf die Tiere beim Fressen nicht behindern. Falsch eingestellte Nackenriegel, Fressgitter etc. halten die Tiere vom Fressen ab. Im Fressbereich sollen sich keine Sackgassen befinden und der Stallboden soll rutschfest sein. Eine ausreichende Beleuchtung ist speziell in den Wintermonaten wichtig. Zudem muss Wasser ständig zur Verfügung stehen.

Autor: DI Karl Wurm, LK Steiermark