Weide auf Rinder-Mastbetrieb

© Hager

Für die Umsetzung der Weide am Hof braucht es die persönliche Überzeugung, sich selbst und den Tieren Nutzen zu stiften. Und dafür braucht es manchmal auch kreative Lösungen.
Für Andreas Hager aus Ried im Mühlviertel erfordert eine erfolgreiche Weidewirtschaft neben der persönlichen Einstellung eine gute Planung, Fachwissen und die Bereitschaft, Weidetiere und Pflanzenbestände zu beobachten. Sich mit dem Thema vertraut machen, erfordert Zeit, Geduld und Wissen und das Vertrauen in sich selbst als „Weidemanager“ und in seine Tiere als „Mitarbeiter“.

Schritt für Schritt

„Auf unserem Rindermastbetrieb ist die Weidehaltung ein wesentlicher Bestandteil unseres Betriebskonzeptes, mit dem Ziel, Fleisch aus Gras zu produzieren. Von Mitte Mai bis Mitte September bekommen unsere Rinder ausschließlich Weidegras, weder Heu noch Kraftfutter werden zugefüttert. Nur im Winter und gezielt zur Ausmast füttern wir etwa 100 kg Kraftfutter pro Tier und Jahr. Unsere Schlachtergebnisse bei Bio Quali-Ochsen sind im Schnitt der letzten beiden Jahre 396 kg kalt mit 23,9 Monaten und bei Bio Quali-Kalbinnen 343 kg kalt mit 22,4 Monaten“, erklärt Andreas Hager.

Bei der Betriebsübernahme waren alle hofnahen Flächen Ackerflächen. In einem ersten Schritt erfolgte auf einer Fläche von 2,5 ha eine Einsaat mit einer Gräsermischung mit Wiesenrispengras der Sorte Balin und Hafer als Deckfrucht. Es wurde ein Fixzaunsystem mit zwei 2,5 mm-Stahldrahtlitzen und Akazienstehern im Abstand von etwa sieben Metern errichtet. Diese Fläche stand im darauffolgenden Jahr als Standweide zur Verfügung. In den ersten drei Jahren wurde dreimal jährlich nachgesät, insgesamt 15 kg je Hektar und Jahr.

„Da wir mit den 20 RGVE und 2,5 ha Weiden kein Auslangen fanden, suchten wir eine Übergangslösung: Wir fanden sie in einem Partnerbetrieb in etwa 30 km Entfernung. Dort zäunten wir eine Grünlandfläche mit etwa 5 ha als Dauerweide ein und beweideten diese mit allen männlichen Tieren, etwa 10 bis 12 Ochsen, von Mitte Mai bis Mitte September“, beschreibt Andreas die weitere und durchaus kreative Vorgangsweise, um vorübergehend mehr Weideflächen zur Verfügung zu haben. Die Tiere wurden zu Beginn der Weidesaison mit einem Viehanhänger zum Partnerbetrieb gebracht. Um sie stressfrei verladen zu können, wurde im Stall eine einfache Vorrichtung gebaut.
Die weiblichen Tiere beweideten die hofnahen Flächen. Dort wurden weitere Ackerflächen auf Dauerweideflächen umgestellt und die Partnerschaft dann vor einem Jahr beendet.

Rund um den Stall grasen

Nun sind alle Tiere auf den Weideflächen rund um Haus und Hof, was auch das Management und die Beobachtung für die Familie erleichtert. „Aktuell haben wir für unsere 20 RGVE knapp 6 ha eingezäunt. Das ist großzügig, aber bei längeren Trockenphasen haben wir dadurch Spielraum und können zusätzliche Flächen sowie ab Mitte Juli die Untersaaten von Getreideflächen zuteilen, der Rest des Aufwuchses wird geheut. Die Aufwuchshöhe ist aus meiner Sicht bei etwa 6 cm ideal, damit schaffe ich auch einen Puffer für trockene Phasen, jedoch akzeptiere ich auch einen höheren Geilstellenanteil. Ich muss versuchen, den Weidedruck hoch zu halten, dies ist oft eine Gratwanderung“, resümiert der Biobauer. Inzwischen wird die Fläche in drei Koppeln eingeteilt, die Tiere beweiden zwei Tage lang eine Fläche, bevor sie auf die nächste wechseln. Gemulcht oder abgeschleppt werden die Weiden nicht.
Gedüngt wird im Herbst mit Rottemist, im Frühjahr mit Geflügelmist der hofeigenen Puten und bei Regenphasen im Sommer etwa zwei- bis dreimal mit insgesamt 10 m3 Jauche.

Vorbereitung zum Austrieb

Für einen guten Weidestart müssen die Tiere vorher an die Weide gewöhnt werden. Am Bio-Hof Hager haben sich Weidebänder bewährt. Diese werden im Stall im Tieflaufbereich oder im Auslauf entlang einer Mauer gespannt. Weiters wird die Weidefläche am Beginn der Weidesaison mit Bändern in kleine Flächen von 1000 m2 bis 2000 m2 geteilt. Die Tiere sind dann schnell an den Zaun gewöhnt.

Am ersten Weidetag nimmt sich Familie Hager nichts anderes vor, denn auch die Tiere spüren, dass es gleich losgeht. Am Vormittag wird im Stall nicht mehr gefüttert, so sind sie am Nachmittag schon gierig auf das frische Gras. Begonnen wird gruppenweise mit etwa fünf bis acht Tieren, welche letztes Jahr schon auf der Weide waren. Sobald sich die ersten Tiere beruhigt haben und sie zu fressen beginnen, werden die nächsten nachgeschickt. Die Tiere sollen sich die Weide selbst erobern, ein Nachtreiben findet nicht statt. Nach einer guten Stunde sind alle Tiere draußen. Die erste Nacht verbringen die Tiere im Stall, dann steht ihnen die Weide Tag und Nacht zur Verfügung. Mehrere Wasserstellen finden sie im Stall. Durch den frühen Weidebeginn Ende März dauert die Übergangsfütterung bis cirka Mitte Mai, in dieser Zeit wird in den Abendstunden Heu zugefüttert.

Autor:

Ing. Andreas Hager, Bio-Rinderbauer und Bio Austria Berater Geflügel

Weide als Chance
• Es gilt, alte Muster und Barrieren im Kopf zu verwerfen, um sich dem Thema Weide ohne negative Emotion zu nähern. Das kann eine Chance sein für Weidegemeinschaften oder zur Wiederbelebung von Almen und Hutweiden.
• Betriebe, welche ihre Stalltüren für immer geschlossen haben, aber gerne mit Tieren arbeiten, übernehmen in den Sommermonaten von Betrieben Tiergruppen. So können Kooperationen entstehen.
• Die Flächenzuteilung großzügig planen und flexibel beweiden, sodass zum Beispiel bei Trockenheit Erweiterungsflächen vorhanden sind.