Auf dem Windischhof wird nicht gemeckert!

© Manuela Wilpernig

Andreas und Carmen Petutschnig haben sich ihren Traum erfüllt und bewirtschaften einen Bio-Betrieb in Kärnten. Sie entschieden sich für Milchziegen und die Produktion von Pilzen.

Andreas und Carmen Petutschnig haben keinen familiären Bezug zur Landwirtschaft. Einen Hof zu bewirtschaften war also keinem von beiden in die Wiege gelegt. Andreas ist gelernter Schlosser, beide haben berufsbegleitend eine landwirtschaftliche Fachausbildung absolviert. Besonders Andreas wollte gerne Bauer sein, es war für ihn immer ein Sehnsuchtsberuf und so ging ein großer Wunsch in Erfüllung, als ihm angeboten wurde, den Windischhof in St. Stefan bei Globasnitz wiederzubeleben.

Start mit Ziegen

Von Anfang an war klar, dass nur eine biologische Bewirtschaftung in Frage kam: „Bio ist für uns eine Lebenseinstellung, da führt bei uns kein Weg vorbei.“ Immerhin mussten sie im Jahr 2019 die hohen Kosten des Einstiegs schultern, ohne die Möglichkeit, diese durch eine entsprechende Förderung aus dem Agrarumweltprogramm abzufedern. Die alten Stallgebäude sollten daher auch mit wenig Renovierungsarbeiten und Umbauten genutzt werden. Daher entschieden sich die beiden für die Milchziegenhaltung.

Die beiden verhehlen nicht, dass sie mit der ersten Herde, die in Südtirol zugekauft wurde, auch viel Lehrgeld zahlen mussten. Trotzdem stehen inzwischen rund 150 gesunde und fitte Milchziegen auf dem Windischhof. Rund ein Drittel von ihnen sind Pinzgauer Ziegen, eine alte, seltene Haustierrasse mit durchaus zufriedenstellender Milchleistung. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass sich die charakterstarken Tiere nur sehr schlecht mit den restlichen Saane- und Toggenburgerziegen vertragen und daher in einer separaten Herde gehalten werden müssen. Daher müssen die Ziegen täglich quer über den Hof zum Melkstand getrieben werden.

Noch wird die Milch der Ziegen in einem kleinen Verarbeitungsraum zu verschiedenen Milchprodukten verarbeitet, aber eine neue attraktive Schaumolkerei befindet sich bereits im Bau. Mit dieser soll es den Kunden des kleinen Hofladens dann auch möglich sein, einen Blick auf die Produktion zu werfen. Auch das Käsen musste Neobäuerin Carmen erst einmal lernen und sie verweist im Gespräch auf die Unterstützung von Berufskollegen: „Ohne den Rat und die Hilfe von anderen Biobauern und Biobäuerinnen hätten wir das alles nicht so gut geschafft“, betonen sowohl Carmen als auch Andreas. Und auch eine Beratung für den Einstieg in Bio haben die beiden genutzt.

Mit Pilzen ergänzt

Mit der Produktion von Austernpilzen haben sie sich ein zweites Standbein geschaffen. Dafür wird die alte Kornkammer genutzt. Die Produktion lässt sich gut mit den Ziegen und der Milchverarbeitung verbinden, sie ist jedoch kein Selbstläufer. Auch hier gilt es, sehr professionell zu arbeiten. Viel Aufmerksamkeit muss der Klimaführung und der Belüftung gewidmet werden. Auch die Hygiene ist sehr wichtig, um Fremdpilze in Form von Schimmelpilzen zu vermeiden. Die Nachfrage nach Pilzen ist gut, Carmen und Andreas Petutschnig fühlen sich daher in ihrer Entscheidung bestätigt.

Sonnenblumenöl rundet das Angebot am Windischhof ab, die Vermarktung erfolgt über den eigenen Hofladen, den Versand, über den Verkauf in diversen Verkaufsstellen und auf Märkten.

Neus wagen

Auf die Frage, was sie an der Landwirtschaft besonders begeistert, nennen sie ihre positive Grundeinstellung und auch das Selbstvertrauen für neue Wege. „Besonders wichtig ist auch die positive Rückmeldung unserer Kunden. Das ist auch der Antrieb, um den Betrieb stetig weiterzuentwickeln“, meint Carmen. Carmen und Andreas sind mutig einen neuen Weg gegangen und werden mit der Treue ihrer Kunden und Kundinnen belohnt. Das Motto der beiden „Ins tun kommen und sich vernetzen“ soll auch anderen Biobauern und Biobäuerinnen Mut machen.

Autoren: Birgit Knaus und Stefan Kopeinig, Bio Austria Kärnten

Weitere Informationen: www.windischhof.com/