Frauenpower in der Bio-Landwirtschaft

© Seyrhof

Christa Seyr, Bio Austria Bäuerin in OÖ

Liebe Christa, du hast mit deiner Familie auf eurem Bauernhof viel Neues geschaffen – erzähl uns bitte von der bunten Vielfalt an deinem Arbeitsplatz.

Mit meinen zwei Schwestern bin ich auf unserem Bauernhof in Gutau im wunderschönen Mühlviertel aufgewachsen. Im Hauptschulalter stellte sich bald heraus, dass ich den besten Zugang zu den Tieren und zur Natur hatte und somit den Hof übernehmen soll. Ich besuchte die landwirtschaftliche Fachschule und danach habe ich den landwirtschaftlichen Facharbeiter sowie die Meisterprüfung gemacht. Nach der Hofübergabe mit 25 Jahren stellten wir auf biologische Landwirtschaft um, da mein Mann und ich nur in der Bio-Landwirtschaft Sinn sahen. Derzeit bewirtschaften wir 33ha. Wir haben 22 Milchkühe mit Nachzucht, einen Sprungstier, Schafe, Ziegen, Legehühner und Schweine. Wir bauen außerdem Futtergetreide, Speiseroggen, Dinkel, Gemüse und Obst an. Ich bin auch Kräuterpädagogin sowie Schule am Bauernhof und Schau zum Biobauernhof-Anbieterin. Vor ca. 10 Jahren haben wir einen Teil von unserem Vierkanthof in einen Seminarhof mit Gastgewerbe umgebaut. Wir nehmen verschiedene Gruppen auf Voranmeldung an z.B. Seminare, Geburtstagsfeiern oder andere Familienfeiern. Gerne biete ich auch Brotbackkurse oder Kräuterwanderungen an. Seit letzten Mai haben wir auch einen SB- Hofladen den wir weiter ausbauen möchten.

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Du betätigst dich als Biobäuerin in einem sehr breiten Feld – was begeistert dich daran und was möchtest du weitergeben?

Mich begeistert einfach zu wissen, ich mache das Richtige! Ich habe einen wertvollen, sinnvollen und zukunftsfähigen Beruf! Das Arbeiten in und mit der Natur, mit den Tieren und den Pflanzen schenkt mir Kraft.

Ich finde, wenn man an die Zukunft denkt, kann man gar nicht mehr anders als eine biologische, nachhaltige Landwirtschaft zu führen, den ich möchte meinen Kindern und dann einmal meinen Enkelkindern sagen können: Wir haben damals bewusst darauf geschaut die Natur bestmöglich zu erhalten und die Artenvielfalt zu fördern.

Und wie schaust du bei den vielfältigen Aufgaben auf dich selbst?

Wenn man das macht, was man gerne tut ist man am richtigen Ort, dann wird die Arbeit nicht zur Last. Ich finde bei unserem Betrieb die Abwechslung am Schönsten – vom Stall über den Garten bis zur Küche!

Sicher gehört eine Auszeit auch dazu. Meine Hobbys: Wandern, Radfahren, Yoga, Lesen, Handarbeiten….

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Was wünscht du dir für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass wir Bauern uns wieder bewusst werden, welche wichtige Arbeit wir leisten und dass wir nicht austauschbar sind. Wir müssen unsere Natur wieder mehr schätzen, auf unsere Produkte können wir stolz sein! Außerdem denke ich mir manchmal, wie schön haben es unsere vier Kinder die so unbeschwert und mit so viel Freiheit auf dem Bauernhof aufwachsen dürfen und dabei so viel lernen. Es wäre schön, wenn in Zukunft wieder sehr viele Kinder das erleben dürften.

Christa Seyr lebt am Seyrhof in Gutau mit ihrem Mann Thomas und ihren vier Kindern.

Seyrhof
Schöferhof 14
4293 Gutau

M:
W: www.seyrhof.at

Bio-Rezepte von Biobäuerin Christa Seyr

Patrizia Schneebauer, Bio Austria Bäuerin in OÖ und Mitglied des Vorstandes von Bio Austria

Liebe Patrizia, du warst bis vor Kurzem SAP-Key Userin in einer Exportabteilung – und bist jetzt Vollzeit- Biobäuerin am schönen Attersee. Erzähl uns bitte von deinem neuen Arbeitsfeld.

Vor beinahe acht Jahren habe ich meinen Mann kennengelernt und habe mich von seiner Leidenschaft als Bio-Bauer sofort anstecken lassen. Mit einem Crashkurs mit dem Titel „Plötzlich Bäuerin“ und einigen anderen Kursen und Zertifikatslehrgänge am LFI habe ich mich auf meine neuen Aufgaben vorbereitet und bilde ich mich laufend weiter, da ich quasi eine „Newcomerin“ war in der Bio-Landwirtschaft. Mein Mann und ich bewirtschaften gemeinsam unseren Hof, den wir letztes Jahr von den Schwiegereltern übernommen haben. Wir haben 12 Mutterkühe und einen Zuchtstier und vermarkten unser Bio-Jungrindfleisch direkt ab Hof. Außerdem haben wir noch einige Kleintiere, die vor allem unsere kleinen Gäste bewundern. Schon bald starten wir mit unserem neuen mobilen Hühnerstall und unseren Legehennen auf die Wiese.

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Unser größtes Standbein am Biobetrieb ist die Vermietung von Ferienwohnungen im Zuge von Urlaub am Bauernhof mit den Spezialisierungen „Baby- und Kinderhof“ sowie „Urlaub am Bio- Bauernhof“. Mein Mann und ich teilen uns unsere Aufgaben in diesen beiden Betriebszweigen. Er kümmert sich um die Stallarbeit und die Tiere und ich koordiniere die Ferienwohnungen. Die Direktvermarktung machen wir miteinander. Außerdem sorge ich für Ordnung und Struktur am Betrieb und bin Mutter von unseren beiden Kindern (Laura, 3 Jahre und Alexander, 1 Jahr).

Was begeistert dich täglich aufs Neue in deinem Beruf als Biobäuerin?

Die Natur vor der Haustür und die Liebe zur Natur, die mir der Hof jeden Tag aufs Neue zeigt ist unbezahlbares Glück und tut meiner Seele richtig gut. Eines der schönsten Momente ist früh morgens, wenn ich zum Gästehaus gehe, den Sonnenaufgang vor meinen Augen habe, Vogerl zwitschern höre und die frische Morgenluft tief einatmen kann. Das ist für mich ein erfrischender Start in den Tag und freut mich täglich aufs Neue. Spannend ist auch die tägliche Abwechslung als Biobäuerin: vom Tiere füttern, Ferienwohnungen reinigen, Gäste begrüßen bis hin zu Buchhaltung erledigen und Angebote erstellen. Und Zwischendurch darf ich dann auch mal mit dem Traktor Siloballen von A nach B fahren – das macht mich dann auch noch stolz wenn es mir richtig gut gelingt – vor allem deshalb weil ich eine Quereinsteigerin bin!

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Was möchtest du an Menschen weitergeben, die nicht in der Biolandwirtschaft tätig sind?

Wir versuchen unseren Kunden und Gästen die Bio-Landwirtschaft und die Natur auf unserem Hof näher zu bringen. Wir bieten ihnen durch unsere Transparenz und Offenheit einen Einblick ins Hofleben und lassen sie aktiv daran teilnehmen wenn sie möchten. Es ist mir ein Anliegen, dass wir unser Bewusstsein für unsere Ressourcen wieder stärken und wieder mehr an Bodenständigkeit gewinnen. Wir versuchen bei uns am Biohof nachhaltig und ressourcenschonend zu leben und zeigen dies unseren Kunden und Gästen mit unserem täglichen Tun. Mein bzw. unser Ziel ist es, als Vorbild voranzugehen.

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Wie geht es dir mit deinen vielen Aufgaben auf dem Biohof – was tust du für dich selbst?

Meine Auszeiten gönne ich mir zurzeit mit den Kindern in der Sandkiste oder auf der Schaukel! Auch für Spaziergänge und kleine Wanderungen nehme ich mir Zwischendurch die Zeit. Wenn nicht gerade zusätzliche Faktoren, wie derzeit die Baustelle für unseren Hofladen und die Planung für unsere kirchliche Hochzeit anstehen, die neben dem Betrieb meine Aufmerksamkeit brauchen, dann gehe ich gerne Wandern in den Bergen, Radfahren oder schwinge mit meinem Mann das Tanzbein und wir genießen danach ein ausgiebiges Abendessen.

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Ein großes Anliegen ist für mich die Menschen über „Bio“ und vor allem über „Bio Austria“ aufzuklären und die Wertschätzung für die Produkte der Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern zu erhöhen. Ich denke, dass bereits der Großteil der Menschen in unserem schönen Land es liebt und sehr zu schätzen weiß, wenn sie ihre Lebensmittel direkt bei unseren Bäuerinnen und Bauern erwerben können. Dennoch habe ich oftmals den Eindruck, dass der zusätzliche Euro für ein neues Smartphone oder ein neues Outfit leichter ausgegeben wird, als für die Bio-Milch oder das Bio-Ei. Hier sehe ich noch ein großes Potential zur Aufklärung und das ist mein Wunsch hier in den nächsten Jahren mitwirken zu können.

Biohof Weslhof
Abtsdorf 33
4864 Attersee am Attersee

Bio-Rezepte von Biobäuerin Patrizia Schneebauer

Barbara Riegler, Bio Austria Bäuerin in OÖ und Obmann Stellvertreterin von Bio Austria OÖ im Interview

© Riegler

Liebe Barbara, du bist seit 2006 Biobäuerin in Bad Kreuzen, erzähl uns bitte von dem schönen Platz an dem du lebst und arbeitest.

Als ich mit 27 Jahren mit meinem Mann den Hof übernommen habe hatte ich fertig studiert (Produkt und Projektmanagement im Lebensmittelbereich“ an der FH Wiener Neustadt, Wieselburg) und 2 kleine Kinder. Wir mussten den Hof erst nach unseren Bedürfnissen umstrukturieren. Wir bewirtschaften 35ha Biolandwirtschaft mit ca. 45 Rindern in Mutterkuhhaltung, haben 4 Zuchtsauen, einige Partien Wildmasthendl den Sommer über, Schafe und Legehühner. Auch Getreide, Obst und Gemüse bauen wir an. Vor einigen Jahren haben wir als zusätzliches Standbein einen Hofladen eröffnet. Mir ist die Arbeit mit KonsumentInnen besonders wichtig – ich bin Kräuterpädagogin und Seminarbäuerin und bei Schule am Bauernhof und bei „Schau zum Biobauernhof“ dabei, außerdem biete ich Workshops an.   

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Die Vielfalt scheint dir ein wichtiges Thema zu sein, das macht auch viel Arbeit -was motiviert und begeistert dich dafür?

Natürlich schafft die Vielfalt auch eine gewisse Unabhängigkeit von Marktschwankungen, unser Betrieb steht auf mehreren Einkommensstandbeinen. Das fordert mich und unsere Familie natürlich sehr. Ich habe die Möglichkeit mit den KundInnen direkt in Kontakt zu kommen – das ist schon auch ein kleines „Kraftwerk“ wo ich sehe das gute handwerkliche Bio-Qualität wertgeschätzt und auch finanziell abgegolten wird. Wenn ich mit der Familie – in der Zwischenzeit sind es vier Kinder – am Tisch sitze bei eigenem Gemüse, Eiern, Fleisch und selbstgebackenem Brot sind wir alle stolz darauf welche Fülle es bei uns am Biohof gibt, was wir alles selbst herstellen und genießen können. Bei unseren Produkten steckt halt ein bisschen mehr Liebe drin.

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Gibt es auch „Auszeiten“ nur für dich, wie tankst du auf?

Man kann sehr effizient sein und viel leisten, wenn man genug Pausen dazwischen hat. Vor allem um Beziehungen fit zu halten. Qualitätszeit mit meinem Mann ist mir sehr wichtig, weil wenn der Austausch nicht mehr passt und jeder nur für sich alleine dahinwerkelt, dann macht es ja keinen Spaß mehr. Auch den Kindern, Nachbarn, Freunden muss man sich ausreichend widmen, das ist auch wichtig um sich zu reflektieren.

Wir versuchen bei uns am Betrieb den Winter bewusst extensiv zu gestalten, auch kaum Direktvermarktungstage einzuplanen. Zwischen Allerheiligen und Lichtmeß muss frau sich ja auch mal sortieren können. Wir fahren mehrmals pro Jahr ein paar Tage weg. Schifahren in den Semesterferien, ein paar Tage mit den Kindern im Sommer, 2 Tage in den Herbstferien und mit meinem Mann fahre ich vor Weihnachten statt shoppen ein paar Tage in die Therme.

Und für mich ganz wichtig: WOLLE! Wolle entspannt! Die Wolle meine Schafe wasche ich selbst, lasse sie kardieren und bin dann den ganzen Winter beim Spinnen – auch mit anderen Frauen!

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Was möchtest du als Biobäuerin über deine Tätigkeit an die Menschen weitergeben?

Ich habe gerne mit Menschen zu tun, das ist eine meiner Stärken die ich am Biohof auch sehr gut einbringen kann. Mir ist es wichtig, dass alle Besucher eine gute Zeit auf unserem Biohof haben, wir gemeinsam Kräuter suchen und verarbeiten, kochen, basteln, über die Zusammenhänge in der Landwirtschaft reden – uns aber auch auf der persönlichen Ebene begegnen. Gerade bei den Kräutern möchte ich altes Wissen bewahren und weitergeben. Ich möchte auch das Bewusstsein fördern wie entscheidend eine möglichst intakte Natur ohne künstliche Spritz- und Düngemittel für unsere Gesundheit und die Vielfalt des Lebens ist. Nicht nur die Biobäuerinnen und Biobauern können hier einen Beitrag leisten, sondern jeder einzelne Mensch.

Wie siehst du die Rolle der Frauen auf den Biohöfen – auch in der Zukunft?

Ich sehe doch eine große Veränderung auf den Höfen, da viele Frauen vor und nach dem Kinder kriegen außerhalb der Landwirtschaft arbeiten. Wegen den Versicherungszeiten, wegen dem doch immer noch geringen landwirtschaftlichen Einkommen und um sich eine angemessene Pension zu finanzieren.

Ich sehe das einerseits mit einem freudigen Auge, weil ich es super finde, dass Frauen heutzutage selbst entscheiden können, wie sie ihr Leben gestalten möchten – ich sehe aber auch, dass sie den Höfen fehlen: Die Gemüseäcker werden weniger, die Kinder leben weniger daheim mit, weil mehr Ausser-Haus-Betreuung notwendig wird, die Einkommensstandbeine auf den Höfen und damit die Weiterentwicklung wird nicht ausreichend forciert, weil ja das Geld woanders herkommt – das sehe ich eher mit einem weinenden Auge.

Meine Wunschzukunft wären Betriebe, wo sich Paare gemeinsam für einen Betriebszweig entscheiden, das auch miteinander lebendig und freudvoll ausfüllen, ausreichend Einkommen damit erwirtschaften und diese Freude am Hof und dieser sinnstiftenden Tätigkeit auch an ihre Kinder weitergeben können. Dieses Geschenk, selbstständig eine wertvolle Arbeit am eigenen Betrieb machen zu können, ohne jeden Tag stundenlang in die Arbeit fahren zu müssen, ohne sich in schicke Kleidung zu werfen und ohne einem Chef Rechenschaft schuldig zu sein: Hoch lebe der Bäuerinnen und Bauernstand!

Biohof Starzhofer
Mitterdörfl 6
4362 Mitterdörfl

Bio-Rezepte von Biobäuerin Barbara Riegler

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