Herde managen am Mutterkuhbetrieb

Christa und Franz Hain führen einen Bio-Betrieb mit Mutterkühen in Putzleinsdorf im Mühlviertel. Ein gutes Herdenmanagement ist die Voraussetzung dafür, den Betrieb wirtschaftlich im Nebenerwerb führen zu können.

Beim Betriebsbesuch wird schnell deutlich: Christa und Franz Hain haben nicht nur Freude an der Landwirtschaft und an ihren Tieren. Sie haben sich auch einiges überlegt, um die Abläufe auf dem Betrieb möglichst effizient zu gestalten und so auch Freiraum für sich, ihre Kinder und andere Aktivitäten zu gewinnen.
Die Eltern von Franz stellten den Milchviehbetrieb vor 30 Jahren auf Bio um. Nach der Betriebsübergabe entschied sich Franz, der als Techniker arbeitet, für die Mutterkuhhaltung. Seine Frau Christa ist seit einigen Monaten wieder als Krankenschwester tätig. Aufgrund ihrer Berufstätigkeiten außerhalb der Landwirtschaft ist eine gute Organisation umso wichtiger. „Wir wollen die Freude an der Arbeit auf dem Hof nicht verlieren und diese auch an die Kinder – David (24), Olivia (15), Leonhard (14), Mathilda (11), Luzia (9) – weitergeben. Es ist daher ganz wichtig, die Abläufe im Griff zu haben, nur so nebenbei geht es nicht“, betont Franz.

Getrennte Bereiche im Stall

Vor der Umstellung auf die Mutterkuhhaltung hat sich Franz verschiedene Betriebe angeschaut und sich einige Anregungen mitgenommen. Seit Beginn der Mutterkuhhaltung befindet sich im Laufstall eine fix integrierte Fang- und Verladeanlage, um sicher und effizient mit den Tieren umgehen zu können. Die Rinder können aber auch im Fressgitter fixiert werden, das erleichtert beispielsweise notwendige Behandlungen. Im umgebauten, ehemaligen ein- und doppelreihigen Anbindestall wurden mehrere mit Gitter getrennte Bereiche geschaffen, um eine Herdentrennung vom Stier, den Trockenstehern und einen eigenen Kälberbereich gewährleisten zu können.

Die Tiere werden mit bis zu 18 Monaten als „Zurück zum Ursprung Bio-Weiderinder“ vermarktet. Damit die Abholung problemlos verläuft, ist eine umsichtige Planung der Verladung wichtig. Am Betrieb Hain gelangen die Rinder durch einen Treibgang, den sie bereits vom Auslauf gewohnt sind, direkt auf die Rampe des Transporters. Die gewohnte Umgebung erleichtert die Verladung.

Ohne Stress entwöhnen

Mit zehn bis elf Monaten werden die Kälber von ihren Müttern getrennt. Die Entwöhnung erfolgt ohne Stress in zwei Phasen mittels Nasenschild (Quiet Wean) – zuerst vier bis sieben Tage Milchentzug, dann Trennung von den Müttern und Kälber in einem eigenen Bereich. In der Trockenstehzeit (6 Wochen) werden sie besonders genau beobachtet und Auffälligkeiten werden aufgeschrieben, um gesundheitliche Probleme möglichst rasch zu erkennen. Bei der Abkalbung ist für gewöhnlich keine Mithilfe notwendig, Kuh und Kalb gewöhnen sich etwa eine Woche lang im Stall aneinander, bevor sie wieder zur Herde kommen. Nach circa sechs bis neun Wochen werden sie wieder belegt. Trächtigkeitsuntersuchungen werden vom Tierarzt vorgenommen.

Am Mutterkuhbetrieb hat die Kälbergesundheit große Bedeutung, eine gute Tierbeobachtung ist daher sehr wichtig. Christa achtet darauf, dass das Kalb innerhalb der ersten beiden Lebensstunden Biestmilch trinkt, ansonsten wird der Saugreflex kontrolliert und dem Kalb geholfen. Die Kälber erhalten eine Gabe Selen, der Nabel wird konsequent mit einer Jodlösung desinfiziert, optisch und auch mit der Hand kontrolliert. Dafür ist es hilfreich, dass die Kuh in der Abkalbebox fixiert werden kann. Die männlichen Kälber werden mit ein bis zwei Monaten kastriert.

Weide und Fütterung

Von Anfang April bis Mitte Oktober sind die Tiere auf der Weide. Vorher werden sie im Auslauf und auf einer Wiese, die direkt an den Auslauf angrenzt, langsam an den Elektrozaun und an die Weide gewöhnt. Die 10 ha große Weidefläche wurde als Kurzrasenweide betrieben. Dies ist aber aufgrund der anhaltenden Trockenheit in dieser Region nicht mehr möglich. Die Weidefläche wird nun als Standweide mit höherem Aufwuchs genutzt und ist in zwei Bereiche für die beiden Gruppen der Herde – Mutterkühe mit Kälbern und Mastgruppe – unterteilt. Um die Tiere auf der Fläche leichter zu lenken, gibt es fünf Wasserstellen, Schatten finden sie am Waldrand. In der Nacht sind die Tiere im Stall, denn der Kontakt zur Herde ist Christa und Franz wichtig, vor allem auch zum Stier.

Es wird regelmäßig nachgesät und auch gestriegelt, falls die Lägerrispe zu viel wird. Der erste und dritte Schnitt wird siliert, der zweite geheut. Verdünnte Gülle wird vor und nach dem ersten Schnitt auf die Flächen ausgebracht, die gemäht werden. Die Weideflächen werden im Herbst mit Mist gedüngt.

Die Tiere fressen während der Weidezeit im Stall Heu, im Winter Silage und Heu. Zur Geburtsvorbereitung erhalten sie einen höheren Heuanteil. Seit acht Jahren wird kein Kraftfutter mehr eingesetzt. Allerdings machen es die Trockenheit und Engerlingsschäden notwendig, über Alternativen in der Fütterung nachzudenken. Daher hat Franz heuer erstmals auf einer Fläche von einem Hektar Mais angebaut, um die Futtergrundlage zu verbessern.

Weiterentwickeln

Für Christa und Franz gehören zu einem guten Herdenmanagement am Mutterkuhbetrieb vor allem die genaue Tierbeobachtung und die Dokumentation. Dann können bei Problemen Ursachen leichter erkannt und Lösungen gefunden werden. Auf ihrem Betrieb war es in den letzten Jahren jedoch nicht die Mutterkuhherde, die viel Arbeitseinsatz erforderte, sondern vielmehr der Wald mit den Borkenkäferschäden und die Grünlandflächen, die unter der Trockenheit und den Engerlingsschäden sehr litten. Bei circa der Hälfte der Flächen war eine Neuanlage notwendig.
Um das Management am Betrieb daher noch effizienter zu machen, begannen Christa und Franz Hain ihre Mutterkuhherde im letzten Jahr auf die saisonale Abkalbung umzustellen. Dadurch können noch besser Gruppen gebildet werden, die Kälber nutzen den Futteraufwuchs im Mai, Juni und Juli optimal und die Arbeit konzentriert sich auf bestimmte Zeiträume. Dieses System gilt es nun weiterzuentwickeln.
Neues ausprobieren, hinterfragen und dranbleiben – das gehört zum Berufsalltag der Biobauern. Für sie ist die Teilnahme an den Arbeitskreisen daher auch sehr wichtig. Es sind nicht nur die betriebswirtschaftlichen Auswertungen, die eine gute Basis für jede Betriebsentwicklung liefern, sondern sie laden darüber hinaus zum Austausch ein und bringen Anregungen und Motivation. „Und die sind besonders bei Veränderungen und Herausforderungen hilfreich“, meint Christa Hain.

Autoren:

Ing. Andreas Hager, BIO AUSTRIA Oberösterreich
Mag. Ingrid Schuler-Knapp, BIO AUSTRIA

Christa und Franz Hain, Putzleinsdorf, oberes Mühlviertel, OÖ

  • 658 m Seehöhe
  • Ø Jahresniederschlag: 800 mm
  • 22 ha, davon 21 ha Grünland mit circa 10 ha Weidefläche, seit heuer auf 1 ha Maisanbau, 6 ha Wald
  • 12 Mutterkühe der Rasse FV
  • 18 Jungrinder
  • 1 Stier Limousin, reinerbig, genetisch hornlos
  • Zwischenkalbezeit: zwischen 350 und 365 Tage; jetzt in der Umstellungsphase auf die saisonale Abkalbung darüber
  • Tageszunahmen: 1120 g
  • Schrapperentmistung
  • Nebenerwerbsbetrieb
  • Vermarktet werden die Tiere mit bis zu 18 Monaten als Bio-Weiderind (Zurück zum Ursprung/Hofer)