Neue Vermarktungswege suchen

Weltweit wächst die ökologische Landwirtschaft, sie hat in vielen Ländern eine breite Akzeptanz erreicht. Auch nach den jüngsten verfügbaren Daten ist der Bio-Landbau weiterhin auf Wachstumskurs.

Gemäss der letzten Erhebung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) zum zertifizierten Bio-Landbau weltweit wurden Ende 2018 71,5 Millionen Hektar biologisch bewirtschaftet. Die Länder mit der größten Bio-Fläche waren Australien (35,6 Millionen Hektar), Argentinien (3,5 Millionen Hektar) und China (3,1 Millionen Hektar). Weltweit wurden 1,5 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche biologisch bewirtschaftet. Viele Länder erreichten jedoch wesentlich höhere Anteile: Weltweit ist Liechtenstein mit einem Bio-Anteil von 38,5 % Spitzenreiter. In Europa liegen Österreich (24,7 %) und Estland (20,5 %) auf Platz 2 und 3. Der globale Umsatz mit Bio-Lebensmitteln erreichte 2018 fast 97 Milliarden Euro.

Zu den aktuellen Markttrends zählen ein kontinuierliches Wachstum, steigende Bio-Marktanteile, die Zunahme der Importe und die immer größer werdende Bedeutung des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) als Vermarktungskanal. Gleichzeitig wird die Außer-Haus-Verpflegung immer wichtiger.

Wachstum setzt sich fort

Wie in der Vergangenheit waren auch 2018 die Länder mit den größten Bio-Märkten die USA (40,6 Milliarden Euro), Deutschland (10,9 Milliarden Euro) und Frankreich (9,1 Milliarden Euro). Eine junge Entwicklung ist, dass sich der chinesische Markt aufgrund des steigenden Verbraucherinteresses und Lebensmittelskandalen rasant entwickelt (8,1 Milliarden Euro). Der globale Bio-Markt, der in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen ist, betrug 2018 96.7 Milliarden Euro und alle wichtigen Märkte wuchsen, teilweise zweistellig.
Anders als in den vergangenen Jahren wächst in vielen Ländern Europas die Fläche nun ähnlich schnell wie der Markt. Dies bedeutet, dass zum Beispiel in Deutschland und in Frankreich der Eigenversorgungsgrad mit Bio-Produkten zunimmt. Dies bedeutet sowohl für Import- als auch Exportländer, dass bestehende Vermarktungskanäle sowie Verarbeitungsinfrastrukturen ausgebaut werden müssen. In den exportorientierten Ländern ist in dieser Situation eine weitere Herausforderung, neue Wege in der Vermarktung zu erschließen.

Marktanteile steigen

Weltweit haben die europäischen Länder den höchsten Anteil am Verkauf von Bio-Lebensmitteln als Prozentsatz ihrer jeweiligen Lebensmittelmärkte. Dänemark hat den höchsten Bio-Marktanteil (11,5 %) und ist das erste Land, das die 10-%-Marke überschritten hat. Nach Dänemark erreichten die Schweiz (9,9 %) und Schweden (9,6 %) im Jahr 2018 die höchsten Anteile. Österreich lag mit 8,9 % auf Platz vier.

Importe und Exporte

Obwohl es nur wenige Informationen über Importe und Exporte von Bio-Produkten gibt, kann man davon ausgehen, dass diese eine immer wichtigere Rolle spielen. In Dänemark, einem der wichtigsten Märkte in Europa und eines der wenigen Länder, das über Importdaten verfügt, ist der Wert der Importe von 2009 bis 2018 um 300 % gestiegen, allein von 2017 auf 2018 um 14 %. Der Trend in den anderen großen Märkten ist ähnlich. In Deutschland oder Frankreich zum Beispiel dreht sich dieser Trend seit 2017 und 2018, nachdem viele Betriebe neu umgestellt haben und die inländischen Produktionen inzwischen wieder größere Teile der Nachfrage abdecken können.
Vor kurzem hat die Europäische Union erstmals Daten über die Einfuhren in die Europäische Union veröffentlicht, die die Importe in Tonnen nach Ländern und Produkten aufzeigen; die Daten basieren auf Informationen von Zertifizierern. Da nur Daten für 2018 verfügbar sind, kann daraus kein Trend abgeleitet werden. Die Daten zeigen, dass 3,3 Millionen Tonnen Bio-Produkte importiert wurden und dass der Schwerpunkt auf Futtermitteln lag, davon ein Großteil aus China und der Ukraine. Allerdings haben es Drittlandimporte schwerer, einen Markt zu finden, da die europäischen Verarbeiter häufig Ware aus EU-Ländern bevorzugen. Darüber hinaus spielen die Importe von tropischen Früchten (vor allem Bananen), hauptsächlich aus lateinamerikanischen Ländern, eine wichtige Rolle. Die Europäische Union plant, diese Daten regelmäßig zu veröffentlichen.

Lebensmitteleinzelhandel legt zu

Die Bedeutung der verschiedenen Vertriebskanäle (ohne Außer-Haus-Verpflegung) ist von Land zu Land unterschiedlich. In der Vergangenheit zeigten Länder, in denen der Lebenseinzelhandel eine wichtige Rolle bei der Bio-Vermarktung spielt, ein stetiges organisches Marktwachstum, wie zum Beispiel Österreich, Dänemark, Schweden, Schweiz und Vereinigtes Königreich. Frankreich und Italien sind Beispiele für Länder mit starkem Marktwachstum, in denen spezialisierte Einzelhändler eine sehr wichtige Rolle spielen. Frankreich ist jedoch das einzige Land unter den ausgewählten Ländern, in dem alle Vertriebskanäle gleich stark wachsen; in den anderen Ländern weisen die Einzelhändler das stärkste Wachstum auf, während die übrigen Kanäle ein langsameres Wachstum, eine Stagnation oder in einigen Fällen sogar einen Rückgang aufweisen.
In Deutschland, wo die Fachgeschäfte früher sehr rege waren, ist der Markt in eine Übergangszeit eingetreten. Die Supermärkte sind zur treibenden Kraft auf dem Markt geworden, während der Fachhandel immer mehr Konkurrenz bekommt. Während im Jahr 2014 noch 33 % aller Bio-Produkte in Bio-Läden verkauft wurden, sank diese Zahl auf 27 % im Jahr 2019, als im Lebensmitteleinzelhandel fast 60 % der Bio-Lebensmittel abgesetzt wurden.

Außer-Haus-Verpflegung steigt

Die Außer-Hausverpflegung spielt eine immer wichtigere Rolle. Bio-Produkte werden immer öfter in der Gastronomie, in Kindergärten oder Schulen angeboten. Vorbildlich ist die Entwicklung in Dänemark, wo sich seit einigen Jahren die Außer-Haus-Verpflegung mit Bio-Produkten ausgesprochen dynamisch entwickelt. Von 2017 auf 2018 stieg sie um 20 % auf 316 Millionen Euro an. Waren es zu Beginn vor allem Großküchen im Raum Kopenhagen und Aarhus, die auf Bio umstellten, findet man heute biozertifizierte Küchen im ganzen Land. Inzwischen verwenden 3000 dänische Großküchen mindestens 30 % biologische Lebensmittel.
Ausschlaggebend für den Erfolg des dänischen Modells sind Impulse aus der Politik, eine starke Kooperation zwischen den verschiedenen Akteuren und eine konkrete Unterstützung der Küchen vor Ort. Eine wichtige Rolle spielte hierbei auch der dänische Aktionsplan. Inzwischen kennen fast alle Dänen Bio-Produkte am staatlichen Bio-Logo. Mit dem dreistufigen Bio-Cuisine-Logo, welches auf dem staatlichen Bio-Logo basiert, sind 71 % der Konsumenten vertraut.

Die jüngsten verfügbaren Zahlen zum Bio-Landbau in Europa zeigen ein weiterhin kontinuierliches Wachstum des Bio-Marktes und der ökologisch bewirtschafteten Flächen. Nachdem nach einiger Zeit des eher langsamen Flächenwachstums gerade in EU-Ländern dieses nun stärker zunimmt, werden neue Vermarktungswege wie die Außer-Haus-Verpflegung immer wichtiger. Für exportierende Länder gehört zu den aktuellen Herausforderungen, die eigenen Märkte vor Ort weiter zu entwickeln.

Autorinnen: Dr. Helga Willer, FiBL, Schweiz
Diana Schaack, Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, Deutschland

Trends in der Produktion und Vermarktung von Bio-Produkten:

• Das Wachstum setzt sich fort, die USA und die EU sind die größten Einzelmärkte, China holt auf.
• Marktanteile und Pro-Kopf-Verbrauch steigen, die höchsten Werte werden in europäischen Ländern erreicht.
• Importe von Futtermitteln und tropischen Früchten nehmen aufgrund des Marktwachstums in Europa zu
• Lebensmitteleinzelhandel ist auf dem Vormarsch
• Außer-Haus-Verpflegung nimmt zu
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Weitere Informationen:
https://www.fibl.org/de/themen/statistiken-info.html