Wenn BIO – dann JETZT!

© BIO AUSTRIA/Theurl

Für viele Bäuerinnen und Bauern stellt sich die Frage: „Wie soll’s weitergehen?“ Die Überlegung, ob eine biologische Bewirtschaftung nicht sinnvoller wäre, wird oft von Bedenken vor dem Ungewissen überdeckt, trotz zahlreicher positiver Beispiele in Österreich. Diese kurze Darstellung soll helfen den Schritt zum Umstieg auf Bio-Ackerbau zu wagen. Mehr Mut zur eigenen Courage!

BIO ist mehr

Eines muss klar sein: Der Umstieg auf Bio ist mehr als nur die Unterzeichnung des Kontrollvertrages und ein „Kreuzerl“ bzw. seit neuestem ein Klick mit der Maus beim Herbstantrag. BIO ist mehr als der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger, oder eine bloße Änderung der Wirtschaftsweise aus finanziellen Überlegungen und das Einhalten diverser Richtlinien.

Bio ist einfach – mehr!

Die Entscheidung für einen Umstieg auf biologische Wirtschaftsweise hat eine Reihe von Gründen: Gedanken zu Boden-, Klima-, Ressourcen- und Umweltschutz. Sorge um die eigene Gesundheit. Auch betriebswirtschaftliche Überlegungen, wie die ständig steigenden Kosten für externe Betriebsmittel und die große Abhängigkeit von der Agrochemie haben einen wichtigen Einfluss auf die Entscheidungsfindung. Unabhängig von den Beweggründen sind bestimmte Formalitäten zu beachten, damit der Umstieg reibungslos und zügig erfolgt.

Kontrollvertrag und Umstellungszeit

Das Wichtigste ist der Abschluss eines Kontrollvertrages. Der günstigste Zeitpunkt für einen Umstieg im Ackerbau liegt nach der letzten Applikation von Mineraldüngern, Pflanzenschutzmitteln und vor der bevorstehenden Getreideernte.

Grund dafür sind die Regelungen der EU-BIO-Verordnung zur Umstellungszeit. Ackerfrüchte die mind. 12 Monate nach Abschluss eines Kontrollvertrages geerntet werden, können als „Umstellungsware“ deklariert und als Futterware vermarktet werden. Alles was davor geerntet wird, ist als konventionelle Ware einzustufen. Als anerkannte Bioware dürfen Feldfrüchte deklariert werden, die 24 Monate nach Abschluss des Kontrollvertrages angebaut werden, diese Ware kann als Speiseware vermarktet werden.

Das Entscheidende und für Neueinsteiger Wichtige ist, dass Umstellungsware Futterware ist. Tierhaltende Biobetriebe können diese in der Fütterung einsetzen und damit kann für Betriebe in der Umstellung auch ein dementsprechend höherer Erzeugerpreis erzielt werden. Nach Beantragung der ÖPUL-Maßnahme „Biologische Wirtschaftsweise“ beim diesjährigen Herbstantrag wird auch die Bio-Flächenförderung schon im nächsten Jahr ausbezahlt und nicht erst nach erfolgter Umstellung in zwei Jahren. Den Umstellungsfahrplan für Ackerkulturen finden sie als Grafik dargestellt.

Bio-Richtlinien

Mit Abschluss eines Kontrollvertrages müssen alle Biorichtlinien eingehalten werden. Die erlaubten Betriebsmittel sind in einem eigenen Betriebsmittelkatalog zusammengefasst.

Verzichtet wird in erster Linie auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und stickstoffhältige Mineraldünger. Andere Düngemittel wie Kalk, Phosphor (schwerlöslich), Kali, Schwefel usw. dürfen eingesetzt werden, sofern sie im Betriebsmittelkatalog gelistet sind.

Weiters muss im Biolandbau biologisches Saatgut verwendet werden. Dieses ist natürlich gentechnikfrei und ungebeizt. Sollte Bio-Saatgut ausverkauft und nicht erhältlich sein, kann in Ausnahmefällen auf konventionelles ungebeiztes Saatgut ausgewichen werden. Zuvor muss allerdings ein Ansuchen dafür bei der Kontrollstelle gestellt und von dieser genehmigt werden. Diese Regelung gilt natürlich auch für Zwischenfrüchte. Die Verwendung von konventionellem Saatgut ohne entsprechende Genehmigung kann schwerwiegende Sanktionen seitens der AMA nach sich ziehen.

Biobetriebe müssen grundsätzlich im Sinne einer Kreislaufwirtschaft arbeiten und sind demzufolge auf die Nährstoffe aus dem eigenen Betrieb angewiesen. Deshalb nehmen Leguminosen eine besondere Stellung in der Fruchtfolge ein. Neben den eigenen Wirtschaftsdüngern dürfen betriebsfremde, zum Teil konventionelle Wirtschaftsdünger und biotaugliche Handelsdünger zugekauft und eingesetzt werden, die im Betriebsmittelkatalog gelistet sein müssen.

Fruchtfolge während der Umstellung

Während der Umstellungszeit sollte hauptsächlich Futtergetreide wie Triticale, Gerste, Hafer, Hirse, Mais und Futterleguminosen wie Erbsen, Ackerbohne, Wicken oder Soja bzw. Feldfutter, wie Esparsette, versch. Kleearten und Luzerne angebaut werden. Der Anbau von Feldfutter hat neben der Verfütterung am eigenen Betrieb eine Reihe von positiven Effekten auf die Bodenfruchtbarkeit und die Beikrautunterdrückung, und ist aus fruchtfolgetechnischen Gründen sinnvoll und empfehlenswert.

Grundsätzlich muss bei der Fruchtfolgeplanung neben pflanzenbaulichen und betrieblichen Aspekten auch die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden. Hier steht im Biolandbau nicht die einzelne Kultur sondern immer der Gesamtdeckungsbeitrag der Fruchtfolge im Vordergrund. Diese Erkenntnis ist vor allem für viehlose Ackerbaubetriebe von Bedeutung, weil Nährstoffe überwiegend über den Anbau von Leguminosen und Zwischenfrüchten in die Fruchtfolge eingebracht bzw. mobilisiert werden. Daher könnte auf die gesamte Fruchtfolge betrachtet z.B. der Anbau von Erbsen lukrativer sein als jener von Sojabohnen, wenn dadurch Folgefrüchte höhere Erträge bringen.

Bodenbearbeitung

Weite Fruchtfolgen, Anbau von Zwischenfrüchten und eine ausgewogene Düngung sind zentrale Elemente eines nachhaltigen Ackerbaus. Besonderes Augenmerk muss auch der Bodenbearbeitung geschenkt werden. Ihr kommt eine Reihe von wichtigen Aufgaben zu, die über Erfolg oder Misserfolg im Ackerbau entscheiden. Dazu gehören die Schaffung von optimalen Wachstumsbedingungen für die jeweilige Kultur. Das Aufbrechen von Verdichtungen, damit sich die Wurzeln der Kulturpflanzen ungehindert entwickeln und somit ausreichend Nährstoffe aufnehmen können, ist im Biolandbau besonders wichtig.

Anders als in der konventionellen Landwirtschaft können Fehler nicht durch chemische Hilfsmittel kurzfristig kaschiert werden. Die Beseitigung grober Fehler kann mitunter sogar mehrere Jahre dauern. Das wichtigste bei der Bodenbearbeitung ist den optimalen Einsatzzeitpunkt bzw. je nach Bodenverhältnissen das optimale Bodenbearbeitungsgerät festzustellen. Das kann mit der Durchführung einer einfachen Spatenprobe erreicht werden. Mit der Spatenprobe können Rückschlüsse auf die Bodenstruktur gezogen und daraufhin, das für die jeweilige Situation optimale Bearbeitungsgerät ausgewählt werden. Es hat nämlich keinen Sinn, einen Boden, der in den obersten 10 cm eine optimale und stabile Krümelstruktur aufweist, tief zu pflügen. Genauso wenig zielführend ist eine flache Bodenbearbeitung mit einem Flügelschargrubber, wenn tiefer liegende Bodenverdichtungen nicht erkannt und somit nicht durch das Einstellen der entsprechenden Arbeitstiefe mit einem Tiefengrubber und schmalen Zinken oder einem Pflug aufgebrochen werden.

Beikrautregulierung

Die Beikrautregulierung erfolgt in über die Fruchtfolge, die Bodenbearbeitung, verschiedene Pflegemaßnahmen und die Sortenwahl. Zur direkten Beikrautregulierung werden der Striegel und die Hacke verwendet. Bei einem Umstieg auf Bio sind die Anschaffung dieser Geräte meist die ersten Investitionen die getätigt werden. Bei der mechanischen Beikrautregulierung ist der optimale Einsatzzeitpunkt wichtig um einen entsprechend guten Erfolg der Regulierungsmaßnahme zu erreichen.

Aber Achtung vor Fehlinvestitionen! Überbetriebliche Einsatzmöglichkeiten sollten unbedingt geprüft und in Erwägung gezogen werden. Striegel haben eine sehr große Flächenleistung und sind deshalb nur wenige Stunden im Jahr im Einsatz. Bei Hackkulturen ist die Anschaffung eines eigenen Hackgerätes mit Zusatzausstattung (Fingerhacke, etc.) und einer Pflegebereifung bei zu geringer Flächenausstattung zu hinterfragen – manchmal fehlt aufgrund des geringen Gebrauchs auch die Kenntnis für den optimalen Einsatzzeitpunkt oder die genaue Geräteeinstellung.

Schlussbemerkung

Bio-Ackerbau bietet eine Alternative zur konventionellen Landwirtschaft. Als großer Vorteil können die deutlich geringeren Ausgaben für externe Betriebsmittel angesehen werden, die neben der ÖPUL-Abgeltung, der derzeit durchaus stabilen Marktlage bei Bioackerfrüchten und die steigende nationale und internationale Nachfrage nach BIO AUSTRIA Qualität ein positives Betriebsergebnis absichern können. Mehr Zeit auf seinen Feldern sollte man allerdings schon verbringen, damit die optimalen Einsatzzeitpunkte für die einzelnen Bearbeitungsschritte richtig gesetzt werden können.

Nichts tun ist nicht Bio! Zuerst denken und dann handeln hilft bei einer erfolgreichen biologischen Wirtschaftsweise. Die Grundlagen dafür liefern von BIO AUSTRIA organisierte Felderbegehungen, Seminare und ein Erfahrungsaustausch mit praxiserprobten Biobäuerinnen und Biobauern.

Kontakt

  • Franz Traudtner

    BIO AUSTRIA Burgenland, Obmann, Landwirtschaft
    Beratung Ackerbau, Betriebliche Standortbestimmung, Bildungs- und Beratungskoordination
    • franz.traudtner@bio-austria.at
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