Zellfusionsfreie Sorten wählen

©BIO AUSTRIA/Stopper
©BIO AUSTRIA/Stopper

Im Bio-Landbau soll die Integrität der Pflanzen bewahrt und Kreuzungsbarrieren in der Züchtung respektiert werden. Deshalb lehnen Bio-Verbände in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Züchtung mittels Zellfusion ab.

Die Bio-Verbände Bio Austria, Bioland, Naturland, Demeter, das FIBL und der BNN (Bundesverband Naturkost Naturwaren) wollen langfristig die Verfügbarkeit von Sorten fördern, die ohne kritische Züchtungsverfahren erzeugt worden sind. Zu diesen als kritisch eingestuften Verfahren zählt auch die Züchtung mittels Zellfusion, bei der die männliche Sterilität (CMS) in Arten eingefügt wird, bei denen sie natürlich nicht vorkommt. Als Beispiele sind Kohlarten oder Chicorée zu nennen.

Fremde CMS-Eigenschaft

Durch die männliche Sterilität kann eine bessere, ausgeglichenere Hybridisierung erlangt werden. Bei der Züchtung von Hybridsorten muss bei der Saatgutproduktion der F1 (ersten Generation) verhindert werden, dass die Muttersorte sich selber befruchtet (Inzucht). Bei einigen Kulturen wie zum Beispiel beim Mais ist dies einfach, bei kleinen zwittrigen Blüten jedoch schwieriger.
Bei vielen Arten wird eine natürlich vorkommende CMS verwendet und in die Mutterlinie eingekreuzt. Diese Erbinformation liegt nicht im Zellkern, sondern in den Mitochondrien vor. Bei Kohlarten der Gattung Brassica und bei Chicorée wurde keine natürlich vorkommende CMS-Eigenschaft gefunden. Daher wurde die Eigenschaft eines japanischen Rettichs auf die wichtigen Brassica-Arten mit Zellfusion übertragen, bei dem „entkernte“ Rettichzellen mit Zellen von Kohlarten im Labor fusioniert wurden. Diese „Labor-Kreuzungen“ aus den frühen 80er Jahren werden seither von vielen Züchtungsfirmen verwendet. Ähnlich wurde es auch bei Chicorée mit der CMS-Eigenschaft aus der Sonnenblume gemacht.

Liste beachten

Um bei der Sortenwahl mit größtmöglicher Sicherheit zellfusionsfreie Sorten auswählen zu können, erstellten die Bio-Verbände eine Liste, welche regelmäßig aktualisiert wird. So pflegen die Verbände auch den Kontakt zu den Züchtungsunternehmen. Eine Orientierung an der Liste ist für Bio Austria Betriebe verbindlich, da Sorten mit Zellfusion laut Richtlinien verboten sind, ab 2019 ist sie relevant für die Bio-Kontrolle.

Autorin:

DI Hannah Bernholt

Tipp!
Eine Liste mit allen zur Verfügung stehenden Sorten von Kohlarten und Chicorée, die nicht auf einer mittels Zellfusion übertragenen CMS beruhen, ist unter www.bioaustria.at/download/zellfusionsfreie-sorten-imgemuesebau abrufbar.